Keine Flaggen, kein Pathos

Trailer zu "A War": An den Grenzen der Moral

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Der Papa ist zwar aus Afghanistan zurück – aber nicht mehr der Claus Michael Pedersen (Pilou Asbaek), der er mal war.

München - Dänemarks Oscar-Kandidat „A War“ ist ein von Scharmützeln weitgehend entschlackter Antikriegsfilm mit einem "Game-of-Thrones"-Star in der Hauptrolle.

Das kleine Königreich Dänemark hat mittlerweile Soldaten in alle Krisenherde der Welt entsandt. Die meisten Gefallenen muss das Land bisher in Afghanistan zählen. Der Einsatz dort prägt die Dänen inzwischen in ähnlicher Weise wie der Irakkrieg die USA. Filmisch wurde das Thema schon oft umgesetzt. Dabei entstanden so beeindruckende Dokus wie „Armadillo“ (2010) von Janus Metz Pedersen und Antikriegsdramen wie Susanne Biers vielfach preisgekrönter „Brothers – Zwischen Brüdern“ (2004) sowie der aktuelle, Oscar-nominierte „A War“ von Tobias Lindholm.

Die meisten Kriegsfilme über den Kampf gegen die Taliban stammen aus den USA und gleichen sich in einigen Punkten immer. Neben vielen Flaggen und jeder Menge Pathos gibt es zahllose Gefechte und massiven Einsatz von Kriegsgerät zu sehen. Jüngstes Beispiel war das knapp zweistündige Dauerfeuerwerk „13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi“ von Michael Bay. Lindholm hat schon mit seinem Drehbuch einen anderen Akzent gesetzt. Die von Scharmützeln weitgehend entschlackte Inszenierung verdeutlicht auf schlichte, einprägsame Weise, was hinter jedem Krieg steckt – nicht nur einfach sehr viele Tote, sondern jede Menge Leid, Qual und Tränen. Lindholm fängt in seinem beklemmenden Antikriegsdrama das zermürbende moralische Dilemma ein, dem alle Soldaten im Auslandseinsatz ständig ausgesetzt sind: Eigentlich sollen sie die einheimische Zivilbevölkerung schützen. Andererseits darf das Leben der Soldaten nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Und so beginnen die Grenzen der Moral schnell zu verschwimmen.

Claus Michael Pedersen (stark gespielt von Pilou Asbaek aus „Borgen“) ist mit seiner Truppe dafür zuständig, ein Dorf vor den Taliban zu schützen. Das gelingt ihnen eher schlecht als recht, und bei einer missglückten Patrouille fordert er Hilfe aus der Luft an. Einige Gebäude werden bombardiert, Pedersens Leute sind gerettet. Doch elf Zivilisten kommen ums Leben. Dafür muss sich Pedersen daheim vor dem Militärgericht verantworten.

Lindholms Film zerfällt in zwei Hälften. Der erste Teil veranschaulicht vor allem die Lebensbedingungen der Soldaten in Afghanistan. Im Mittelpunkt des zweiten Teils steht der Prozess. Allein daran, wie ungelenk und fremd die zur Zeugenaussage eingeflogenen Männer aus Pedersens Einheit im Gerichtssaal erscheinen, lässt sich gut erkennen, wie bewusstseinsverändernd und traumatisierend solche Einsätze für die Menschen sein müssen.

„A War“

mit Pilou Asbaek, Tuva Novotny Regie: Tobias Lindholm

Laufzeit: 105 Minuten

Hervorragend

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Zwischen Welten“ oder „Dirty Wars“ mochten.

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