Der Film der Woche

"Gone Girl": Gefährlicher Kontrollverlust

In seinem siebten Thriller erzählt Regisseur David Fincher die Geschichte eines Ehepaares. Nicks Frau Amy verschwindet plötzlich und nach kurzer Zeit gerät er selbst ins Visier der Polizei. Die Kritik zu "Gone Girl":

Es ist ihr fünfter Hochzeitstag. Nick Dunne (Ben Affleck) verabschiedet sich und fährt zur Arbeit. Seine Frau Amy (Rosamund Pike) bleibt zuhause. Was sie dort eigentlich macht, während er tagsüber fort ist, wird später eine Polizistin von Nick wissen wollen. Nicht nur davon hat der Kerl keine Ahnung.

Als er an diesem Tag nach Hause kommt, ist das Wohnzimmer verwüstet und Amy verschwunden. Die Küche ist voller Blutspuren. Die Polizei beginnt zu ermitteln. Amys Eltern aus New York fliegen ins bäuerliche Missouri, wohin es das junge Paar verschlagen hat. Die Nachbarschaft redet über die Dunnes, anfangs noch hinter vorgehaltener Hand, schließlich ganz offen. Die Presse stürzt sich auf den Fall. Und sehr rasch verdichtet sich der Verdacht, dass Nick etwas zu verbergen hat.

Natürlich ist David Finchers („Sieben“) neuer Spielfilm ein Thriller. Ein extrem spannender sogar. Aber in erster Linie ist „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ ein Film über die Kunst, eine Beziehung zugrunde zu richten, eine ehemals große Liebe restlos und ohne Rücksicht auf Verluste zu zerstören. Denn das ist es, was Nick und Amy nach den ersten Minuten tun werden, und zwar mit großer Ausdauer und höchstem Erfindungsreichtum. Er sagt ja, sie sagt nein. Er sagt nein, sie sagt ja.

Die Buchvorlage von Gillian Flynn, die ihren gleichnamigen Roman für den Film adaptierte, ist eine clevere Kombination aus Hochspannung und Ehedrama, betont aber allein durch die vielschichtige Dramaturgie vorwiegend die Krimiebene. Dabei interessiert sich Fincher gar nicht sonderlich für Kriminalgeschichten – das behauptet er zumindest seit Jahren genau so häufig, wie er Krimis dreht. In Wirklichkeit interessiere ihn vor allem der Kontrollverlust, den seine Figuren in hübscher Regelmäßigkeit zu durchleiden haben, sagt der Filmemacher.

Auch Nick wird in „Gone Girl“ vom Schicksal hart gebeutelt. Die Indizien sprechen gegen ihn – oder? Fincher macht es dem Zuschauer nicht einfach, denn alle paar Minuten taucht eine neue Fährte auf. Die größte Bewunderung in „Gone Girl“ verdienen daher auch nicht die bis in die kleinste Nebenrolle exzellent besetzten Darsteller, die Kamera oder die Ausstattung. Das größte Lob geht an den Regisseur, dem es gelungen ist, den komplizierten Roman mit all seinen Fallen und Perspektivwechseln in den Griff zu bekommen. Raffiniert spinnt Fincher einen wendungsreichen, anspruchsvollen Psychothriller, der versehen ist mit den typischen Fincher-Merkmalen wie jenen Kameraeinstellungen, die durchgehend eine latente Bedrohung vermitteln.

„Gone Girl“

mit Rosamund Pike, Ben Affleck Regie: David Fincher

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „The Game“ oder „Panic Room“ mochten.

von Ulrike Frick

Rubriklistenbild: © Twentieth Century Fox

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