Rätseln um Robert Karow

Ist er der erste schwule "Tatort"-Kommissar?

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Schwul oder was? Mark Waschke spielt den Berliner "Tatort"-Kommissar Robert Karow.

Berlin - Millionen TV-Zuschauer sahen am Sonntagabend, wie sich der Berliner "Tatort"-Kommissar Robert Karow nach dem Ausgehen einen Mann zu sich nach Hause nahm. Ist das eine Sensation oder alles halb so wild?

Zwar gibt es keinen Sex zu sehen, aber filmsprachlich die Zigarette danach am frühen Morgen auf dem Balkon. Ist der von Mark Waschke gespielte Ermittler jetzt der von Kollegen und manchen Krimifans lange erwartete erste schwule „Tatort“-Kommissar? „Es gibt keine Antwort auf diese Frage“, sagt die beim RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) verantwortliche „Tatort“-Redakteurin Josephine Schröder-Zebralla auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

„Robert Karow ist flirrend und rätselhaft, und so bleibt auch die Frage nach seiner sexuellen Ausrichtung ein Geheimnis.“ Im Fall „Ätzend“ sähen die Zuschauer zwar, wie Karow einen Mann aus einer Bar mit in seine Wohnung nehme. „Aber sie erfahren auch, dass Karow ein Verhältnis mit der Frau seines früheren Partners Maihack hatte. Robert Karow lässt sich in keine Schublade stecken. Wem sein Herz gehört, wird sich herausstellen“, sagt Schröder-Zebralla mit Blick auf die kommenden Berlin-Krimis mit Meret Becker und Waschke, der im wirklichen Leben verheiratet ist und eine Tochter hat.

François Werner von der Experten-Seite „Tatort-Fundus.de“ meint: „Auch wenn die sexuelle Orientierung der Ermittler nicht wichtig für den Kriminalfall in einer „Tatort“-Folge ist, finde ich es gut, dass es diesen neuen Farbtupfer bei den derzeit aktiven Ermittlerfiguren gibt.“ Schon Götz George habe 1991 in einem „Spiegel“-Interview gesagt, dass sein Schimanski ruhig hätte schwul werden können im Verlauf der vielen Fälle, um Abwechslung in den „Tatort“ zu bringen. Experte Werner meint: „Jetzt ist ein Sender diesem Ruf gefolgt - ohne Not zwar, aber doch auch der deutschen Lebenswirklichkeit folgend.“

Erst vor einigen Monaten, als in einem Münster-„Tatort“ die beiden Ermittler vorgaukelten, ein schwules Pärchen zu sein, sprachen sich Beteiligte der Krimireihe - darunter die Münster-Stars Axel Prahl und Jan Josef Liefers - für einen schwulen Ermittler aus. Der Schweizer Stefan Gubser (Luzern) sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) damals: „Ein schwuler Kommissar würde dem „Tatort“ sicherlich eine neue Farbe verleihen, und das kann nie schaden.“

Anfang des Jahres sagte Kommissar-Darsteller Oliver Mommsen (Bremen) der „Westdeutschen Allgemeinen“ (WAZ) zu seiner TV-Figur: „Ich glaube, Stedefreund könnte man entdecken lassen, dass er eher auf Männer steht.“ Im Jahr 2001 küsste auch mal Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) im Krimi „Fette Krieger“ eine andere Frau. Doch sonst? Bisher gibt es als homosexuelle „Tatort“-Ermittler nur Liz Ritschard (gespielt von Delia Mayer) in Luzern sowie Andeutungen beim neuen Kölner Assistenten Tobias Reisser (Patrick Abozen).

In Amerikas Mainstream-Serien scheint der Umgang mit der Option gleichgeschlechtlich liebender Charaktere viel selbstverständlicher zu sein (Beispiel: „Modern Family“). Auch politisch sind die USA inzwischen auf einem anderen Level als die Bundesrepublik. Die Ehe steht dort auch Homo-Paaren offen, während es in Deutschland nur eine eheähnliche Sonderinstitution mit Abstrichen gibt.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Schwule Serienfiguren sind in Deutschland keine Neuheit („Lindenstraße“, „Verbotene Liebe“, „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“). Auch in den Krimiserien „SK Kölsch“ (mit Christian Maria Goebel) und „Mit Herz und Handschellen“ (mit Henning Baum) bei Sat.1 kamen sie schon vor vielen Jahren vor.

Doch im ARD-„Tatort“ - sozusagen der Nationalmannschaft unter den Fernsehformaten - bleibt die schwule Seite einer Hauptfigur vorerst noch ein „Geheimnis“.

Die „Bild am Sonntag“ zitierte Drehbuchautor Stephan Wagner: „Ich finde, seine Sexualität ist im 21. Jahrhundert in einer Stadt wie Berlin wohl nicht selten.“ Der Kommissar habe das Recht, seine Sexualität so auszuleben, wie er es wolle. Markus Ulrich vom Lesben- und Schwulenverband (LSVD) sagte der „BamS“: „Es wäre natürlich schöner gewesen, wenn es schon vor zehn Jahren einen schwulen „Tatort“-Kommissar gegeben hätte. Aber das macht die Tatsache, dass es jetzt einen gibt, nicht schlechter.“

dpa

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