Tischtennis

Ovtcharov und Boll wollen aufs WM-Podest

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Dimitrij Ovtcharov (links) und Timo Boll wollen auf das WM-Podest.

Suzhou - Der Respekt bei Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov ist da, aber vor Ehrfurcht erstarren sie nicht. Deutschlands beste Tischtennis-Profis wollen bei der WM in China den favorisierten Gastgebern nicht alle Medaillen überlassen.

Mit kernigen Sprüchen hat Bundestrainer Jörg Roßkopf die deutschen Tischtennis-Asse auf die Weltmeisterschaften in Suzhou eingestimmt. Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov sollen von Sonntag an in China um Medaillen kämpfen. „Wir fahren nicht zu einer WM, um in ein Viertelfinale zu kommen“, sagte Roßkopf, der 1989 Weltmeister im Doppel war.

Wie realistisch ist WM-Edelmetall, ausgerechnet in der Tischtennis-Supermacht China?

Europameister Ovtcharov und Rekord-Europameister Boll sind als beste Nicht-Asiaten an den Position sechs und sieben gesetzt. Läuft alles nach Plan, treffen sie im Viertelfinale auf einen Top-Chinesen. Das ist eine extreme Herausforderung, doch Ovtcharov sieht es nicht als „seine Lebensaufgabe“ an, in der Runde der letzten Acht zu verlieren. „Ich fahre dahin mit dem Ziel, eine Medaille zu gewinnen. Das habe ich vor Olympia in London auch gemacht“, sagte der Olympia-Dritte.

Wie stehen die Chancen für das deutsch-chinesische Traum-Doppel Timo Boll/Ma Long?

26 Jahre nach dem Sensationssieg von Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner in Dortmund wäre der zweite deutsche WM-Titel im Herren-Doppel keine Sensation. Linkshänder Boll und Rechtshänder Ma Long, die Nummer eins der Welt, bilden ein bärenstarkes Duo. „Ich spiele mit mehr Spin, er schlägt härter. Das passt“, urteilte Boll über die ungewöhnliche Kombination, die nach einer Regeländerung möglich ist. Ma Long, der zuletzt die German Open in Bremen gewann, gilt als extrem motiviert. „Um ihn mache ich mir keine Sorgen“, scherzte Boll. „Für mich ist das die große Chance, einmal Weltmeister zu werden.“

Wie verlief die WM-Vorbereitung des deutschen Teams?

Die jeweils fünf Damen und Herren holten sich ihren Feinschliff beim Abschlusslehrgang in Düsseldorf. Besonders intensiv bereitete sich der ehrgeizige Ovtcharov auf sein neuntes WM-Turnier vor. Sein schwedischer Privatcoach Jörgen Persson, Weltmeister von 1991, war in Düsseldorf dabei, betreut ihn aber in Suzhou nicht an der Box. Zudem flog Ovtcharov bereits einen Tag eher nach China. „Als Vorbote des DTTB“, flunkerte der 26-Jährige, der den Zeitunterschied von sechs Stunden ausgleichen will: „Dienstag geht es für mich los. So ist es besser für meinen Rhythmus, und ich bin früher in der Comfort-Zone.“

Welche Chancen haben die Damen des Deutschen Tischtennis-Bundes?

Eine Medaille wäre eine Riesenüberraschung. Die deutsche Meisterin Petrissa Solja belegte zwar bei den German Open unerwartet Platz zwei, bezwang dabei einige Weltklassespielerinnen, doch die besten Chinesinnen fehlten in Bremen. Mit etwas Losglück können es Solja oder eine ihrer Kolleginnen ins Viertelfinale schaffen. Besser sind die Chancen im Doppel, auch wenn Bundestrainerin Jie Schöpp die Europameisterinnen Petrissa Solja/Sabine Winter trennte. „Wir haben mehrere Möglichkeiten, gute Doppel zu bilden. Die WM ist auch für Olympia eine wichtige Prüfung“, begründete Schöpp die umstrittene Entscheidung.

Weshalb spielt das Essen bei der WM eine große Rolle?

An die Gartenstadt Suzhou, nicht weit entfernt von Shanghai, hat Ovtcharov keine guten Erinnerungen. Nach den China Open 2010 an gleicher Stelle wurde er positiv auf Clenbuterol getestet. In einem bemerkenswerten Verfahren konnte er nachweisen, dass er unwissentlich kontaminiertes Fleisch verzehrt hatte. Der Doping-Fall wurde eingestellt, auf Fleisch verzichten die DTTB-Asse seither im Reich der Mitte. „Das Essen ist auch so schon toll, mit viel Gemüse. Bei Turnieren esse ich ohnehin weniger als sonst“, sagte Routinier Boll. „Ich habe auch schon mal ein halbes Jahr komplett vegan gelebt.“

dpa

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