"2:0 für den Wind"

Sturm stoppt Freund und Frenzel - Kuusamo wackelt

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Severin Freund und Co. reisten ohne Wettkampf aus Kuusamo ab.

Kuusamo - Nach Wetterkapriolen am Polarkreis beendeten die Skispringer und Kombinierer das Wochenende ohne Wettkampf. Kuusamo steht nun als Gastgeber auf der Kippe.

Gegen das finnische Sturmtief war sogar der Weihnachtsmann machtlos. „Ich habe zwar einen guten Draht nach oben, aber das Wetter kann ich leider nicht beeinflussen“, teilte der bärtige Ehrengast den wartenden Fans in Kuusamo mit - und verteilte brav Geschenke. Für die Skispringer und Kombinierer hatte der gute Mann leider keine Präsente dabei.

Sowohl die Weitenjäger um Weltmeister Severin Freund als auch die Kombinierer mit Olympiasieger Eric Frenzel beendeten das Wochenende am Polarkreis ohne jeden Wettkampf. Bei den Skispringern hatte es das zuletzt im Dezember 2010 gegeben. „Wind gegen Springer: 2:0“, schrieb der viermalige Olympiasieger Simon Ammann (Schweiz) auf seiner Facebook-Seite. Ob und wann die Weltcups nachgeholt werden, ist offen.

Zumindest für die Kombination könnten die Chaos-Tage böse Folgen haben. „Dieses Wochenende war wirklich schlimm, wir sind nicht zu 100 Prozent zufrieden“, sagte FIS-Renndirektor Lasse Ottesen am Sonntag in der ARD. Im vorläufigen Kalender für die Saison 2016/2017 ist für den Saisonstart Ende November derzeit kein Gastgeber festgelegt, ein Rückzug aus Kuusamo scheint denkbar.

Dabei gab es zumindest am Samstag bei den Skispringern kurzzeitig Hoffnung. Nach langem Warten, das DSV-Adler Marinus Kraus mit „Buch lesen, Ball spielen oder einfach schlafen“ überbrückt hatte, ging es plötzlich los - bis Dauerregen die Anlaufspur beschädigte. „Wir mussten die gesamte Spur neu fräsen“, sagte FIS-Renndirektor Walter Hofer verärgert und legte selbst Hand an.

Dumm nur: Anschließend frischte der Wind wieder auf, der ehemalige Tournee-Sieger Andreas Kofler (Österreich) und der Kasache Marat Schaparow verhinderten nur mit Mühe schwere Stürze. Nach 43 von 70 Athleten wurde der Wettkampf gestoppt und 30 Minuten später ganz abgebrochen. „Ohne Wettkampf und mit nur einem Sprung aus Kuusamo abzureisen, fühlt sich echt extrem komisch an. Sehr, sehr schade“, schrieb Freund bei Facebook.

Ärgern durfte sich auch Skispringer Andreas Wank (Hinterzarten), der zum Zeitpunkt des Abbruchs in Führung lag. Teamkollege Andreas Wellinger (Ruhpolding), der im vergangenen Jahr auf der windanfälligen Rukatunturi-Schanze schwer gestürzt war, absolvierte immerhin einen Trainingsflug. Den meisterte der 20-Jährige souverän: „Ich habe ihm anschließend gratuliert“, sagte Schuster.

Die Gewinner des Wochenendes hießen somit Gregor Schlierzenzauer (Österreich) und Daniel Andre Tande. Schlierenzauer, weil er auf die Reise nach Kuusamo verzichtet hatte und lieber trainierte. Und der Norweger Tande, weil er nach seinem Sensationssieg in Klingenthal mit dem Gelben Trikot des Gesamtweltcup-Führenden zu seinen Heimspringen nach Lillehammer reist.

Der Weihnachtsmann jedenfalls hob am Ende eines verkorksten Wochenendes in Kuusamo verzweifelt die Schultern, verteilte weiter Geschenke und bat die Fans um Entschuldigung: „Ich bin eben nur der Weihnachtsmann - und kein Schamane.“ Und auch Freund behielt seinen Humor und schrieb am Sonntag trotzig: „Immerhin fliegen wir jetzt - nach Hause.“

SID

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