Wirbel um Reifendruck

Rennkommissare ermitteln gegen Mercedes

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Mercedes ist nach dem Großen Preis von Italien ins Zentrum einer Ermittlung der Rennkommissare geraten.

Monza - Auf dem Asphalt lief für Lewis Hamilton beim Großen Preis von Italien alles nach Plan. Doch nach seiner erneuten Machtdemonstration durfte er das triumphale Siegergefühl erst mal nur kurz genießen.

Am Formel-1-Mercedes des britischen Gewinners vom Großen Preis von Italien wurde ein zu geringer Reifendruck festgestellt. Dasselbe galt für den Silberpfeil von Teamkollege Nico Rosberg, der allerdings ohnehin kurz vor Schluss wegen eines Motorschadens ausgefallen war. Das Team musste zum Rapport zu den Rennkommissaren, Ausgang offen. Für Hamilton wurde sein bereits gefeierter 40. Sieg zu einer nachträglichen Nervenprobe. Sollte Hamilton gar disqualifiziert werden, würde Vettel vom zweiten Platz den Sieg bei seinem ersten Italien-Rennen im Ferrari erben.

Hamilton ahnte am Sonntag von alldem zunächst nichts. „Nein“, antwortete der Brite auf die Frage, ob er über die Untersuchung der Rennkommissare im Bilde sei. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff versicherte, dass sich die Mechaniker beim Reifendruck an den Silberpeilen an die vorgegebenen Daten gehalten haben. „Es war alles innerhalb dessen, was gemacht werden durfte“, sagte Wolff bei RTL, nachdem er sich zunächst nicht hatte konkret äußern wollen. „Wir können nur sagen, dass wir unter Pirelli-Aufsicht alles gemacht haben.“ Der italienische Hersteller hatte nach den Reifenplatzern in Spa Richtwerte ausgegeben.

Hamilton hatte erst mal seinen Erfolg gefeiert. „Das ist ein unglaublicher Tag“, sagte er strahlend auf dem Podest. Er ließ Vettel auf dem schnellen Kurs in Monza keine Chance und hatte den Vorsprung in den Schlussrunden noch einmal auf 25,042 Sekunden ausgebaut. Auf mehrfaches Geheiß der Teamleitung, die Hamilton bemerkenswerterweise bat, keine Nachfragen zu stellen. Alles werde später erklärt, er solle es einfach nur machen.

Erst auf mehrfaches Nachfragen erklärte Wolff nachher: „Wir wollten einfach die größtmögliche Lücke rausholen für die verschiedensten Szenarien“, erklärte Wolff. So läge Hamilton bei einer möglichen 25-Sekunden-Strafe immer noch auf Platz eins.

Trotz der eigentlich klaren sportlichen Niederlage bejubelten auch die Tifosi ihren Vettel enthusiastisch. „Das ist einer der emotionalsten Tage, die ich in der Formel 1 je hatte“, meinte er. Nico Hülkenberg durfte sich im Force India als Siebter noch über Punkte freuen.

Hamilton hat vorerst nach seinem siebten Saisonerfolg 252 Zähler auf dem Konto. Fast schon beiläufig gelang ihm an diesem Wochenende auch sein zweiter Grand Slam aus Sieg, Pole, schnellster Runde und alle Umläufe in Führung nach Malaysia 2014.

Der Vorsprung auf seinen schärfsten Rivalen Rosberg betrug vor der Entscheidung durch die Stewards und vor dem Übersee-Auftakt am 20. September in Singapur 53 Punkte. Vettel als WM-Dritten fehlten nach dem Europa-Finale erst mal 74 Zähler auf Hamilton.

Beim Start war ausgerechnet Vettels Ferrari-Teamkollege Kimi Räikkönen von Platz zwei aus gar nicht vom Fleck weggekommen. Der Finne wurde durchgereicht. Rosberg musste um das Hindernis herumkurven und fiel von Rang vier auf sechs zurück. Vettel hingegen profitierte und ging hinter dem souveränen Hamilton als Zweiter in die erste Kurve.

Rosberg kam in Runde 19 als erster der Top-Fahrer an die Box und hatte freie Fahrt. Räikkönen schob sich in der Zwischenzeit immer weiter nach vorne. Nach knapp einem Drittel Renndistanz lag der „Iceman“ schon auf Position fünf.

Hamilton ließ mal wieder keine Zweifel aufkommen. Behält er den Sieg auch nach der Anhörung, ist er nur noch einen Erfolg von Ayrton Senna und Vettel entfernt. Er kam einen Umlauf nach Vettel in Runde 27 an die Box, zog frische Reifen auf und setzte seine Solofahrt fort. Fast auf den Tag genau neun Jahre nach Michael Schumachers letztem Monza-Triumph für Ferrari schrumpften die Scuderia-Hoffnungen auf die Neuauflage mit einem deutschen Fahrer immer weiter.

In der Schlussphase machte sich Rosberg als Dritter auf die Jagd nach Landsmann Vettel. Kurz vor dem Ende schlugen aus Rosbergs Wagen aber auf einmal Flammen - Platz drei für den Wiesbadener war futsch, den schnappte sich der ehemalige Ferrari-Fahrer Felipe Massa vor seinem Williams-Teamkollegen Valtteri Bottas. Doch auch sie konnten sich nachträglich Hoffnungen auf noch mehr machen - alles hing vom Urteil gegen Hamilton und Mercedes ab.

dpa

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