Handball-Nationalmannschaft

Bundestrainer-Suche dauert weiter an

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Die Suche nach einem neuen Bundestrainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft dauert an, Ljubomir Vranjes hat dem DHB abgesagt.

Hamburg - Bei der munteren Bundestrainer-Suche des DHB warf am Dienstag auch Junioren-Coach Markus Baur seinen Hut in den Ring - Flensburgs Ljubomir Vranjes sagte dagegen ab.

Dagur Sigurdsson oder Markus Baur? Kurz vor der Kür des neuen Bundestrainers hat das Kandidaten-Karussell noch einmal kräftig Fahrt aufgenommen. Während Ljubomir Vranjes dem Deutschen Handballbund (DHB) am Dienstag eine deutliche Abfuhr erteilte, preschte Nachwuchs-Coach Markus Baur aus der Deckung. Dem Gewinn der Europameisterschaft mit den U20-Junioren ließ der Weltmeister von 2007 seine mündliche Bewerbung um den noch immer vakanten Posten folgen.

„Fakt ist, dass der Bundestrainerjob eine superinteressante Stelle ist, auch eine Riesen-Chance und eine Riesen-Herausforderung“, sagte Baur bei Sport1 und bezeichnete sich im nächsten Atemzug als „einer, der Herausforderungen liebt“. Der 43-Jährige ist damit wohl der letzte noch verbliebene Gegenkandidat zu Top-Favorit Dagur Sigurdsson von den Füchsen Berlin.

Handball-Ikone Stefan Kretzschmar hatte Baur zuvor als neue Option ins Gespräch gebracht. „Meine Stimme hast Du“, twitterte Kretzschmar am Dienstag. Baur betreut neben dem DHB-Nachwuchs zurzeit auch den Schweizer Double-Sieger Kadetten Schaffhausen.

Eine solche Doppelfunktion, auch in diesem Punkt herrscht seit Dienstag Klarheit, wäre für den Deutschen Handballbund (DHB) wohl überhaupt kein Problem. „Wir sind offen für alle Lösungen, die uns weiterbringen“, sagte Verbandschef Bernhard Bauer dem SID. Im Fokus stehe bei allen Überlegungen stets das Fernziel des Olympiasieges 2020. „Es gibt unterschiedlichste Denkmodelle, die wir dem unterordnen. Entscheidend ist die Kompetenz des Trainers“, sagte Bauer.

Auf die Kompetenz von Vranjes wird Bauer beim DHB definitiv nicht bauen können. Der Trainer von der SG Flensburg-Handewitt sagte nach langem Hin und Her am Dienstag ab. „Der DHB wollte mich, aber ich habe nicht ja gesagt“, sagte Vranjes der dänisch-deutschen Tageszeitung Flensborg Avis (Mittwochausgabe) am Rande der Saisoneröffnung der Flensburger: „Die Belastung einer Doppelfunktion wäre für mich einfach zu hoch gewesen. Ich war nicht bereit, diese hohe Belastung zu tragen.“

Und so geht trotz Baurs forscher Bewerbung der Füchse-Coach Sigurdsson als großer Favorit in den Casting-Endspurt - sein Vorteil: Der Isländer, der eine angebliche Einigung mit dem DHB auch am Dienstag nicht kommentieren wollte, könnte nach einer Übergangszeit als Vereins- und Bundestrainer aufgrund einer Ausstiegsklausel schon im Jahr 2015 komplett zum Verband wechseln.

Sigurdsson hat sein Händchen für junge Spieler in Berlin zuletzt immer wieder bewiesen und Talente wie Paul Drux oder Fabian Wiede an das Bundesligateam herangeführt und weiterentwickelt. Seit 2009 ist der 215-malige Nationalspieler in der Hauptstadt tätig, dabei übte er anfangs auch eine Doppelfunktion aus. Von 2008 bis 2010 arbeitete der heute 41-Jährige als österreichischer Nationaltrainer.

DHB-Boss Bauer kündigte eine Entscheidung innerhalb der nächsten zwei Wochen an. Bis zum Supercup am 19. August (THW Kiel - Füchse Berlin) wollen der 63-Jährige und sein Vize Bob Hanning ihre Lösung präsentieren. „Es sind nur noch letzte Details zu klären. Aber die letzte Etappe eines Berges ist ja bekanntlich immer die schwierigste“, sagte Bauer.

Eines steht fest: Sollte sich der DHB am Ende tatsächlich für einen Trainer in Doppelfunktion entscheiden, dürfte es reichlich Kritik geben. Denn schon jetzt regt sich im deutschen Handball der Widerstand gegen eine „Doppellösung“.

„Ich würde dem Verband dringend empfehlen, keinen Trainer mit zwei Aufgaben zu wählen. Das ist eine Wahnsinnsnummer. Das Amt des Bundestrainers ist nicht nebenbei zu leisten“, sagte Frank Carstens dem SID. Der frühere Trainer des SC Magdeburg arbeitete selbst 16 Monate in Doppelfunktion, war von September 2011 bis Januar 2013 auch Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft unter Chefcoach Martin Heuberger.

SID

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