Erstrundenniederlage in Rothenbaum

Jungstar Zverev zahlt Lehrgeld - und wird bockig

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Alexander Zverev bei seiner Erstrundenniederlage in Rothenbaum.

Hamburg - Lethargisch auf dem Platz, mürrisch vor dem Mikrofon - für das Hamburger Tennistalent Alexander Zverev war der blutleere Auftritt bei seinem Heimspiel am Rothenbaum ein Schritt in die falsche Richtung.

"Er will nicht spielen. Er will gewinnen!" Wochenlang schwang Alexander Zverev auf dem offiziellen Turnierplakat der German Open in nahezu allen Hamburger Stadtteilen zu dieser offensiven Ankündigung den Tennisschläger. Doch an der Einlösung dieses Versprechens scheiterte der Lokalmatador mit russischen Wurzeln gleich bei seinem ersten Auftritt auf dem Centre Court am Rothenbaum mehr als kläglich.

Erst lethargisch auf dem Platz, dann mürrisch vor dem Mikrofon - bei seiner Erstrunden-Niederlage mit 5:7, 6:7 (2:7) gegen den namenlosen spanischen Sandplatzspezialisten Inigo Cervantes trat der zweifellos hochbegabte Profi wie ein Qualifikant auf - und nicht wie ein Mitfavorit auf den Turniersieg mit Platz vier auf der Setzliste.

Die rasche Umstellung von Rasen auf Sand sei mit nur drei Trainingseinheiten eben nicht zu schaffen gewesen, lamentierte der 1,98 m lange Schlaks voller Selbstmitleid und stellte (an)klagend die rhetorische Frage: "Wie kann ich da besser spielen?" Was Kopfschütteln auslöste, denn noch am Samstag hatte sich der junge Mann auf dem neuen Belag "relativ wohlgefühlt".

Stick kritisiert Zverev

So gesehen sei sein Auftritt noch "einigermaßen in Ordnung" gewesen, meinte der Rechtshänder, doch seine Einstellung war es ganz und gar nicht. "Ich gebe nie auf", sagte Zverev zwar fast trotzig wie ein kleines Kind, aber seine Körpersprache sagte etwas anderes aus. Es fehlte an der Spannung, es fehlte an der Einsicht, sich taktisch besser auf den unbequemen Gegner einstellen zu müssen.

Turnierdirektor Michael Stich, der Zverev mindestens das Halbfinale zugetraut hatte, stellte zwar die Unerfahrenheit des 19-Jährigen in Rechnung, kam jedoch an Kritik an seinem so früh gescheiteren Zugpferd nicht ganz vorbei: "Sascha hat schlecht aufgeschlagen und hatte nie ein richtiges Konzept."

Derlei Mahnungen bekommt die Nummer 27 der Weltrangliste offenkundig zu selten zu hören. Vater und Trainer Alexander Zverev senior, Bruder Mischa und Manager Patricio Apey, der schon die einstige Steffi-Graf-Kontrahentin Gabriela Sabatini betreute, nehmen ihren gemeinsamen Schützling fast rund um die Uhr in Manndeckung.

Öffentliche Auftritt von Zverev junior außerhalb des Tennisplatzes sind extrem rar, die Konzentration solle komplett auf dem Tennissport liegen, heißt es zur Begründung. Ein Konzept, das temporär Früchte zu tragen schien, denn im Frühsommer erreichte er binnen vier Wochen gleich zweimal ein ATP-Finale, verlor allerdings beide Endspiele.

Federer hat Zverev für die Zukunft auf dem Zettel

Wegbegleiter wie Wimbledonsieger Stich, der den Ausnahmekönner schon vor drei Jahren per Wildcard in sein Hauptfeld bugsierte, bleiben indes ungeachtet des aktuellen Ausrutschers von den ganz besonderen Fähigkeiten des Ausnahmekönners überzeugt: "Irgendwann wird der Knoten platzen."

Ein kleines Knötchen löste sich für Zverev schon beim ATP-Turnier in Halle im Juni, als er Tennis-Superstar Roger Federer in der Vorschlussrunde besiegen konnte. Und seither hat auch der Eidgenosse den Wuschelkopf auf dem Zettel: "Für mich ist nicht die Frage, ob er die Top Ten erreicht, sondern wann er es schafft." Mit Leistungen wie gegen Cervantes allerdings wird daraus nichts werden ...

SID

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