FIFA-Ethikkommission ermittelt 2016

WM-Affäre: Beckenbauer, Niersbach und Zwanziger vor Ermittlungen

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Sowohl Franz Beckenbauer (l.), als auch Theo Zwanziger stehen im kommenden Jahr Ermittlungen im Zuge der WM-Affäre bevor.

Köln - Franz Beckenbauer und Theo Zwanziger stehen Informationen der Bild-Zeitung zufolge im kommenden Jahr Ermittlungen der FIFA-Ethikkommission im Zusammenhang mit der WM-Affäre bevor.

Diese sollen nach dem Abschluss der DFB-internen Ermittlungen durch die Wirtschaftskanzlei Freshfields beginnen. Der Freshfields-Abschlussbericht wird voraussichtlich Ende Februar vorliegen.

Zwanziger (70) sieht möglichen Ermittlungen mit gewohnter Gelassenheit entgegen. „Wenn sie ermitteln wollen, dann sollen sie es doch endlich tun!“, sagte der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dem SID am Mittwoch: „Ich setze mich mit solchen Ankündigungsparolen nicht auseinander. Es wird, was mich betrifft, ohnehin nichts dabei herauskommen.“

Beckenbauer (70), Chef des Organisationskomitees für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, und Zwanziger (70), früherer Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), sind in der WM-Affäre Schlüsselfiguren. Bereits am 23. Dezember hatte das Nachrichtenmagazin Spiegel mit Bezug auf Quellen aus dem Umfeld der Untersuchungskammer berichtet, dass auch den früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach (65) Ermittlungen der Ethikkommission erwarten.

Kein Kommentar der Kommission

Andreas Bantel, Sprecher der Ethikkommission, verweigerte auf SID-Anfrage am Mittwoch einen Kommentar zu möglichen zukünftigen Ermittlungen. Er bestätigte aber: „Derzeit läuft kein formelles Verfahren gegen Wolfgang Niersbach, Franz Beckenbauer oder Theo Zwanziger.“

Dennoch: Nach den Sperren gegen Blatter/Platini geraten offensichtlich die Spitzenfunktionäre des „Sommermärchens“ 2006 verstärkt in den Fokus. Beckenbauer (70) war 2014 von den FIFA-Ethikern bereits für 90 Tage gesperrt worden, weil er einen Fragenkatalog zur Vergabe der WM 2022 an Katar nicht beantwortet hatte. Nach zwei Wochen wurde die Sperre aufgehoben - Beckenbauer hatte die Antworten nachgereicht.

Nun soll es neben der ungeklärten Zahlung von 6,7 Millionen seitens des OK im Vorfeld der WM auch um einen dubiosen Vertrag zwischen Beckenbauer und dem mittlerweile lebenslang gesperrten FIFA-Vizepräsidenten Jack Warner gehen. Dieses angeblich nie umgesetzte „Beckenbauer-Dokument“ wird von der DFB-Interimsführung als Bestechungsversuch gewertet. Aus Vernehmungsprotokollen von Freshfields, die ebenfalls via Bild-Zeitung an die Öffentlichkeit gelangten, geht hervor, dass Niersbach (65) seinen alten Freund Beckenbauer schwer belastet hat. Demnach seien die Millionen inoffiziell an die FIFA-Finanzkommission geflossen, um 2002 Blatters Wiederwahl zu finanzieren.

Ähnlich soll sich der ehemalige DFB-Vize-Generalsekretär Stefan Hans geäußert haben. Beckenbauer hatte die Sicherung eines späteren Zuschusses für die WM-Organisation in Höhe von 170 Millionen Euro als Grund für die Überweisung angegeben. Blatter bestreitet dies vehement. Gegen Niersbach, Zwanziger und den früheren DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt ermittelt zudem weiterhin die Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem schweren Fall.

Gegen Zwanziger liegt außerdem eine Klage des ehemaligen WM-OK-Aufsichtsrates Günter Netzer beim Landgericht Köln vor. Das bestätigte ein Gerichtssprecher dem SID am Mittwoch.

sid

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