Punkt "als Strohhalm": VfB bejubelt 2:2 in Hoffenheim

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Stuttgarts Timo Werner jubelt über sein Tor zum 2:2. Foto: Uwe Anspach

Der VfB Stuttgart stolpert weiter durch den Tabellenkeller, dem Selbstbewusstsein seiner Verantwortlichen tut das keinen Abbruch. Trainer Zorniger will Siege "auf Teufel komm' raus". Doch beim ungeliebten Landesrivalen Hoffenheim gab es nur einen Zähler.

Sinsheim (dpa) - Trainer Alexander Zorniger schlug die Hände über dem Kopf zusammen, auf der Tribüne jubelte Teampsychologe Philipp Laux wie ein Verrückter. Mit dem Ausgleichstreffer in der 90. Minute durch Timo Werner hatte der krisengeplagte VfB Stuttgart dieses Mal das glückliche Ende für sich.

Nach dem 2:2 (0:1) im baden-württembergischen Derby bei 1899 Hoffenheim rutschten die Schwaben zwar auf den letzten Platz der Fußball-Bundesliga ab. Das Remis verbuchten der VfB und Zorniger aber als kleines Erfolgserlebnis. Ein Punkt, so bilanzierte Sportvorstand Robin Dutt, "der Moral und als Strohhalm".

Die Hoffenheimer konnten es nicht fassen, dass dieser Gegner am Ende noch etwas mitnahm. "Die waren schon tot - und dann kriegst du zwei solche Kopfballtore", meinte Kevin Volland kopfschüttend. Der Nationalspieler hatte die Nordbadener mit einem Foulelfmeter (33. Minute) und seinem fünften Saisontreffer (77.) zweimal in Führung gebracht. Der tschechische Joker Jan Kliment nur eine Minute nach seiner Einwechslung (64.) und Werner sorgten mit ihren Toren dafür, dass Zorniger in der Länderspielpause erstmal etwas durchatmen kann.

In der Nachspielzeit raufte sich Zorniger die Haare, als die Fußspitze Werners nicht reichte, um den Ball ins Tor zu befördern. "Das 3:2 wäre möglich gewesen, aber unter dem Strich ist der Punkt okay", sagte der VfB-Coach und meinte mehr sarkastisch als freundlich witzelnd: "Den konnte Timo nicht rein machen. Er war noch so mit Küsschen verteilen nach dem 2:2 beschäftigt, dass der Fokus noch nicht darauf lag, ihn rein zu machen. So ist das bei jungen Spielern."

Trotz einer grottenschlechten ersten Halbzeit des VfB war auch Dutt der Meinung, "es wäre mehr drin gewesen, diesen Blickwinkel kann man haben. Aber das Unentschieden ist natürlich vollkommen in Ordnung."

Der VfB zeigte wahrlich nicht sein bestes Spiel in dieser bisher verkorksten Saison, aber er kämpfte sich nochmal zurück. Bei einer weiteren Niederlage wäre die nächste Begegnung gegen Aufsteiger FC Ingolstadt 04 möglicherweise schon so etwas wie ein Schicksalspiel für Zorniger gewesen. Auch wenn Dutt zuletzt immer wieder betont hatte, dass der Trainer "nicht das Problem, sondern die Lösung" sei.

Bei der Mitgliederversammlung am kommenden Sonntag dürfte Dutt einiges zu erklären haben. "Der VfB ist seit einigen Jahren in einer schwierigen Situation, da musst du Rede und Antwort stehen, auch wenn du noch nicht so lange dabei bist. Wenn du acht Spiele solche Ergebnisse hast, dann ist das in der Regel keine grüne Oase."

Die sportlichen Baustellen klaffen jedenfalls weiter in Stuttgart: Dass Keeper Przemyslaw Tyton erneut nicht überzeugte und sich von den einigen Fans Pfiffe anhören musste, ist bei weitem nicht das größte Problem. In Daniel Ginczek fällt der Torjäger der Schwaben wohl bis zur Winterpause aus - Bandscheibenvorfall. Ein "Schock", wie Zorniger klagte.

Und dann schwelt da im Hintergrund die Diskussion um Abgänge der Asse - womöglich schon zur Winterpause: Filip Kostic wollte schon im Sommer unbedingt weg (zu Schalke 04). Die Verträge von Martin Harnik und Daniel Didavi laufen aus. Dutt hatte dem Duo zwar eine Frist bis Ende September gesetzt, aber ausführliche Gespräche wurden angesichts der sportlichen Misere vertagt.

"Wenn's nicht läuft, wird versucht, Unruhe reinzubringen", sagte Didavi am Samstag. "Wir dürfen das nicht an uns heranlassen." Dass sich sein Trainer Zorniger vergangene Woche über die gesundheitlichen Probleme seines Spielmachers ("Er hat deutliche Probleme im Kniegelenk") ausgelassen hatte, konnte Didavi dann doch nicht abschütteln: "Das sehe ich anders."

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