Olympia-Fluch gebannt

U21: Rio 2016 wohl ohne Lahm und Mertesacker

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Der Vorfreude auf Rio 2016 taten die verfrühten Spekulationen um Hrubeschs Olympia-Nominierung keinen Abbruch.

Prag - Die deutsche U21 freut sich nach ihrem historischen Olympia-Coup schon auf Rio 2016. Eine Teilnahme von Philipp Lahm und Per Mertesacker scheint aber ausgeschlossen.

Zwei Weltmeister im deutschen Olympia-Team? Das konnte Horst Hrubesch nicht ernst nehmen. „Da könnte ich ja auch noch mitspielen“, witzelte der Trainer der DFB-Junioren nach dem Halbfinaleinzug bei der U21-EM und dem gelösten Olympia-Ticket. Vorstellen könne er sich prinzipiell alles, meinte Hrubesch, der im kommenden Jahr drei ältere Spieler mit nach Brasilien nehmen darf. Und doch scheint die Rio-Rückkehr der WM-Stars Philipp Lahm und Per Mertesacker ein medialer Wunschtraum zu bleiben.

Arsenal-Kapitän Mertesacker selbst erteilte den Plänen, die noch vor dem historischen Olympia-Coup der U21, wie aus dem Nichts aufgepoppt waren, beinahe schon eine Absage. „Es liegt eine schwere Premiere-League-Saison vor uns. Da haben wir große Ziele. Der Rest ist Zukunftsmusik und aufgrund vieler Faktoren höchst unwahrscheinlich“, sagte der 30-Jährige am Mittwoch dem SID.

Hrubesch beendete die Diskussion um Lahm und Mertesacker mit dem Verweis auf seine Spieler, die dem DFB-Team erstmals seit 1988 die Olympia-Qualifikation beschert hatten. Er wolle die Spieler fragen, die das Ziel erreicht haben, sagte der 64-Jährige: „Wenn sie freigestellt werden, werden wir sie auf jeden Fall mitnehmen.“

Kaum Jubel in der Kabine

Der Vorfreude auf Rio 2016 taten die verfrühten Spekulationen um Hrubeschs Olympia-Nominierung keinen Abbruch. Kabinen-DJ Leonardo Bittencourt legte nach dem letzten EM-Gruppenspiel gegen Gastgeber Tschechien (1:1) Samba-Rhythmen auf. „Ich habe natürlich etwas aus Brasilien gespielt - damit die Jungs wissen, was nächstes Jahr auf sie zukommt“, sagte der Hannoveraner. „Ich habe sehr viel Bock darauf“, meinte Mittelfeldspieler Emre Can, während sich Hrubesch nach einem der größten Erfolge seiner Karriere - für seine Verhältnisse - beinahe euphorisch gab: „Ich habe innerlich gelacht, das gebe ich jetzt mal zu.“

Und doch mischte sich unter die Freude über Rio auch ein wenig Ärger über den verpassten Gruppensieg. Durch das Unentschieden gegen Tschechien muss das deutsche Team nun am Samstag sein EM-Halbfinale in Ölmutz bestreiten, etwa 250 Kilometer östlich von Prag. „Die Stimmung in der Mannschaft ist gemischt“, sagte Bittencourt. „Meine Spieler sitzen in der Kabine und jubeln nicht groß“, fügte auch Hrubesch an.

Die verhaltene Freude spricht vor allem für den Ehrgeiz des deutschen Teams. Denn das erste Ziel mag erreicht sein, das zweite steht aber schon vor der Tür. „Jetzt traue ich der Mannschaft den Titel zu. Alles ist möglich“, sagte Hansi Flick. Der DFB-Sportdirektor war aber vor allem erleichtert, die 28 Jahre lange Olympia-Durststrecke überwunden zu haben.

Unbedingt nach Rio reisen will allen voran Bittencourt. Das Telefon des Sohns brasilianischer Eltern stand nach der Olympia-Quali nicht mehr still. „Meine komplette Familie dreht gerade durch. Die haben schon alles gebucht“, sagte Bittencourt, dessen größte Sorge die Karten-Beschaffung ist: „Ich glaube, ich muss beim DFB jetzt schon Tickets anfordern.“

sid

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