Council in Zürich ohne Deutschland

So will der FIFA-Präsident die WM aufblähen

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FIFA-Präsident Gianni Infantino will eine "Mammut-WM" etablieren.

Zürich/Frankfurt - In Zürich berät das neue FIFA-Council über die Zukunft der Weltmeisterschaft - aber ohne deutsche Beteiligung. Die Mammut-WM wird kaum noch zu verhindern sein. Was das genau bedeutet:

Es geht um die Zukunft der Weltmeisterschaft, doch der Weltmeister hat keine Stimme. Wenn das neue FIFA-Council, der große "Rat" des Weltverbands, bis Freitagmittag die Weichen Richtung "Mammut-WM" stellt, sitzt kein Vertreter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit am Tisch. FIFA-Präsident Gianni Infantino hat es deshalb noch einfacher.

Denn der Schweizer will entgegen dem großen Widerstand aus Deutschland und den weiteren "großen" Fußball-Nationen Europas die WM-Endrunde aufblähen - von 32 auf mindestens 40, wenn nicht sogar 48 Teilnehmer. Offiziell wird das brisante Thema in der FIFA-Zentrale nur diskutiert, im Januar soll die endgültige Entscheidung fallen.

Das sagt Löw zur "Mammut-WM"

"Immer weiter aufzustocken, verwässert die Qualität", hatte Bundestrainer Joachim Löw (56) im Rahmen der WM-Qualifikationsspiele gegen Tschechien und Nordirland gesagt: "Das Turnier ist mit 32 Mannschaften hervorragend und optimal besetzt. Das Rad sollte nicht überdreht werden." Infantino sieht das anders.

Der 46-Jährige hatte 40 WM-Starter zum zentralen Versprechen seines Wahlkampfes gemacht und sich damit vor allem die Stimmen der kleineren FIFA-Mitglieder gesichert. Nun muss er liefern.

So will der FIFA-Präsident umstellen

Zuletzt brachte der Walliser eine 48er-Endrunde und eine Vorqualifikation mit 16 Play-off-Spielen unmittelbar vor dem Start der Gruppenphase auf den Tisch. Infantinos Trick: Die "eigentliche" WM mit 32 Teams würde im Anschluss im altbekannten Modus gespielt werden können. Am Freitag (14 Uhr) will Infantino den Stand der Dinge verkünden.

Der DFB ist dabei zum Zuschauen gezwungen, weil der Vertreter des Weltmeisters, der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (65) von der FIFA-Ethikkommission gesperrt worden war. Nachfolger Reinhard Grindel (55) kann spätestens im Frühjahr 2017 in die internationalen Gremien nachrücken. Allerdings steht der frühere CDU-Politiker vor der Berufung in die neue FIFA-Governance-Kommission - es wäre ein erster Schritt Richtung Zürich.

FIFA will Schatten der Vergangenheit loswerden

In der Schweiz tut die FIFA alles, um die dunklen Schatten der Vergangenheit loszuwerden. Statt im Hotel Baur au Lac, wo im vergangenen Jahr zahlreiche FIFA-Funktionäre aus dem Bett weg verhaftet und in Abschiebehaft gesteckt worden waren, übernachten die Ratsmitglieder im Park Hyatt. Das ist zwar auch ein Fünf-Sterne-Haus - jedoch mehr für Geschäftsleute denn für die "Reichen und Schönen" am Zürichsee.

Erstmals nimmt zudem die neue FIFA-Generalsekretärin Fatma Samoura (54) an der Sitzung des Council bei. Während dieser verabschiedet werden könnten neue Statuten im Bewerbungsprozess für die WM 2026, die als erste "Mega-WM" ausgerichtet werden könnte. Aktuell sind wegen der Endrunde 2022 in Katar nur die Nationen des asiatischen Kontinentalverbandes (AFC) ausgeschlossen. Das Council könnte nun auch die Europäer dazu nehmen, weil das Turnier 2018 in Russland steigt. Haushoher Favorit auf die Ausrichtung in zehn Jahren wären dann die USA, eventuell im Verbund mit Kanada.

Auf der Tagesordnung steht außerdem die Diskussion über die Klub-WM, die Infantino ebenfalls aufblähen will. Im Dezember spielen sieben Teams um den Titel des Vereinsweltmeisters. Im kommenden Jahr steigt das Turnier in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

SID

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