Premier League durchbricht Schallmauer

Internationaler Transfer-Wahnsinn in Europa

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James Rodriguez war mit rund 80 Millionen Euro nach Luis Suarez der zweitteuerste Transfer des Sommers.

London - Die englische Premier League hat die Schallmauer von einer Milliarde Euro bei den Sommertransfers geknackt. Spanien, Deutschland und Italien können da nicht mithalten.

Angesichts der maßlosen Transferausgaben der englischen Fußball-Klubs konnte Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge nur staunend mit dem Kopf schütteln. „Die können am letzten Tag vor Transferschluss noch richtig zulegen. Man hat gesehen, dass die in England deutlich mehr Geld zur Verfügung haben als wir in Deutschland“, sagte er am Dienstag beim Camp Beckenbauer in Kitzbühel und fügte an: „Wir müssen uns diesem Wettbewerb stellen.“ Etwas anderes bleibt dem Bayern-Vorstand auch kaum übrig.

Stunden zuvor hatte der kriselnde englische Rekordmeister Manchester United den kolumbianischen Torjäger Radamel Falcao (10 Millionen Euro/AS Monaco) auf Leihbasis verpflichtet. Auch der bei der WM erfolgreiche Daley Blind (Ajax Amsterdam) folgte dem Ruf von Teammanager Louis van Gaal und wurde für 18 Millionen Euro fest unter Vertrag genommen. Insgesamt 193 Millionen Euro investierte der Klub - alleine für den bei Real Madrid aussortierten Vizeweltmeister Angel Di Maria wurde die Rekordsumme von 75 Millionen Euro fällig.

Der Trend in der Premier League ist besorgniserregend, in der Nacht auf Dienstag wurde schließlich die Schallmauer von einer Milliarde Euro geknackt. Um dem Treiben auf der Insel Einhalt zu gewähren, setzt Rummenigge auf die Regularien der UEFA. „Financial Fairplay sorgt für Rationalität und einen fairen Wettbewerb“, glaubt er. Der ehemalige Hertha-Manager Dieter Hoeneß nimmt in diesem Zusammenhang insbesondere den UEFA-Präsidenten Michel Platini in die Pflicht.

„Platini muss die Dinge konsequent umsetzen, um einem solchen Wahnsinn Einhalt zu gebieten. Die Bundesliga hat bewiesen, dass man mit einer geschickten Einkaufspolitik und einem guten Scouting wettbewerbsfähig sein kann“, sagte Dieter Hoeneß am Montagabend bei Servus-TV. Zwar investierte auch Bayern München knapp 50 Millionen Euro, im internationalen Vergleich hielt sich die Bundesliga aber vornehm zurück.

Englands Vorteil durch die TV-Einnahmen

In England protzte dagegen nicht nur United, auch Vizemeister FC Liverpool (151 Millionen Euro), der FC Chelsea (106), der FC Arsenal (97) und Titelverteidiger Manchester City (65) zückten das Scheckheft. Um endlich auch wieder zur internationalen Spitze zu gehören, scheint kein Preis zu hoch.

Ein Großteil der Summen wird durch die TV-Gelder gedeckt. Derzeit erhalten die 20 Premier-League-Klubs pro Jahr zusammen 1,2 Milliarden Euro - nur aus dem nationalen TV-Vertrag. Zum Vergleich: Die 36 Klubs der 1. und 2. Bundesliga bringen es derzeit auf 709 Millionen Euro.

„Wir haben da einfach einen Rückstand“, sagt Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung, der gleichzeitig auch anregte: „Was würde die Bundesliga machen, wenn sie so viel Geld hätte? Wäre Deutschland dann auch mit 15 Bundesliga-Profis Weltmeister geworden?“ Denn während den einheimischen Talenten in der Premier League regelmäßig große Namen vorgezogen werden, setzen viele Bundesliga-Klubs auf deutsche Perspektiv-Spieler. „Der Erfolg zeigt, dass der eingeschlagene Weg nicht ganz verkehrt ist“, sagte Seifert.

In Spanien investierten derweil insbesondere die in der Liga von Atletico Madrid entthronten FC Barcelona und Real Madrid kräftig. Barca holte sich Uruguays WM-„Beißer“ Luis Suarez (FC Liverpool) für kolportierte 94 Millionen Euro. Real ließ sich die Dienste von Weltmeister Toni Kroos (Bayern München) und WM-Torschützenkönig James Rodriguez (AS Monaco) 110 Millionen Euro kosten, für eine Leihgebühr von 2,5 Millionen Euro kam auch der Mexikaner Javier Hernandez (Manchester United).

Im Gegenzug wurden di Maria und auch Xabi Alonso (Bayern München) abgegeben. Kritik gab es dafür von Weltfußballer Cristiano Ronaldo: „Wenn ich was zu sagen hätte, hätte ich es nicht so gemacht“, sagte der Portugiese, der nach wie vor der teuerste Spieler der Welt ist: „Wenn der Präsident meint, es ist das Beste für die Mannschaft, einige Spieler zu verpflichten und andere gehen zu lassen, dann müssen wir das respektieren und seine Entscheidung unterstützen.“

SID

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