Auftaktgegner glaubt an eine Chance

Ukraine vertraut gegen Deutschland auf die Flügelzange

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Andrej Jarmolenko (l.) und Taras Stepanenko haben ein angespanntes Verhältnis.

Aix-en-Provence - Die Ukraine ist erstmals sportlich für eine Europameisterschaft qualifiziert und trifft zum Auftakt gleich auf Weltmeister Deutschland. Nach dem Vorrunden-Aus vor vier Jahren glauben die Osteuropäer in Frankreich an ihre Chance - auch gegen die DFB-Elf.

Ob mit Götze oder Gomez, Draxler oder Podolski - Deutschlands EM-Auftaktgegner Ukraine ist das erst mal ziemlich egal. Aus zwei Gründen. Erstens: „Eine Auswechslung oder eine Änderung im Kader macht keinen Unterschied, die sind alle gefährlich“, sagt Co-Trainer Andrej Schewtschenko, noch immer das bekannteste Gesicht des ukrainischen Fußballs. Zweitens: „Wir haben keine Angst vor der deutschen Mannschaft.“ Das betont Jewgeni Konopljanka vom Europa-League-Sieger FC Sevilla.

Gemeinsam mit Andrej Jarmolenko bildet Konopljanka, genannt „Kono“, eine an guten Tagen durchaus beeindruckende Flügelzange, die die geschwächte deutsche Defensive am Sonntag in Lille (21.00 Uhr/ARD) vor eine echte Herausforderung stellen will. „Jedes Spiel hier wird hart und schwierig. Georgien hat auch Spanien geschlagen“, sagt Konopljanka bei der einzigen Pressekonferenz vor der Abreise.

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Als einer von nur fünf der 23 EM-Fahrer kickt der 26-Jährige im Ausland. Mehr als die Hälfte seiner Teamkollegen spielt wie Jarmolenko für die großen ukrainischen Teams aus Kiew und Donezk - was im Vorfeld des Turniers für einige Spannungen sorgte. Denn beim letzten Duell in der Liga kam es zu hässlichen Szenen mit einer Schlägerei auf dem Platz. Auslöser dafür war ein Tritt von Jarmolenko (Kiew) gegen Taras Stepanenko (Schachtjor Donezk) nach dem 3:0. Der verkündete daraufhin öffentlich, Jarmolenko sei nicht länger sein Freund.

„Zeit heilt alle Wunden“, sagt Trainer Michail Fomenko zu dem Vorfall. „Sie haben verstanden, dass sie zusammenarbeiten müssen.“ Auch sein Assistent Schewtschenko betrachtet die Sache als erledigt: „Alle Spieler, die zur Nationalmannschaft kommen, denken an die Nationalmannschaft. Nicht an Probleme im Verein.“

Womöglich hilft auch in solchen Situationen die große Erfahrung von Anatoli Timoschtschuk. Der ehemalige Profi von Schachtjor und dem FC Bayern München verdient sein Geld inzwischen als einziger EM-Teilnehmer in Kasachstan und ist mit seinen 37 Jahren sportlich auch längst über dem Zenit. Doch Fomenko nominierte den Spezialisten für defensive Aufgaben trotzdem für die erste EM-Endrunde, für die sich die Ukraine sportlich qualifizieren konnte. 2012 waren sie als Co-Gastgeber gesetzt.

Denn: „Er hat viel Autorität im Team.“ Schewtschenko präzisiert: „Er weiß, wie man ein Spiel gewinnt. Wann man verteidigen muss, wie man die Mannschaft zusammenhält. In den wichtigen Momenten kann er Einfluss nehmen.“ Vor vier Jahren waren beide noch gemeinsam aktiv. „Timoschtschuk ist sehr wichtig, auch in der Kabine. Wenn er eingewechselt wird, ist ein Spieler mit seiner Erfahrung immer wichtig auf dem Platz.“

Der Champions-League-Sieger und zweimalige deutsche Meister soll die pragmatische Sicht der Trainer in engen Situationen auf dem Platz umsetzen. Die Kritik, der ukrainische Fußball sei nicht sonderlich schön anzusehen derzeit, lässt den in der Öffentlichkeit zwar ausführlich, aber nur sehr leise sprechenden Fomenko dabei kalt. „Das wichtigste ist das Ergebnis. Klar ist eine gute Show auf dem Platz schön für die Fans, aber das Resultat zählt. Wenn du ein gutes Ergebnis hast, dann sind alle zufrieden - auch die Fans.“

Punkte gegen den Weltmeister wären ein starkes Argument. Die hält der weit gereiste Schewtschenko für möglich: „Die Deutschen sind Weltmeister und haben ein sehr gutes Team. Aber wir haben eine Chance.“

dpa

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