Fokus auf die USA

Krahn über Französinnen: "Sind selber schuld"

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Annike Krahn weiß, dass das DFB-Team glücklich gewonnen hat.

Montreal - DFB-Torhüterin Angerer, die 2013 beim EM-Sieg zwei Elfmeter in der regulären Spielzeit entschärft hatte, war diesmal im WM-Strafstoßkrimi gegen Frankreich die gefeierte Heldin.

Nach dem Happy End im Elfmeterkrimi gegen Frankreich machten Nadine Angerer und Co. „La Ola“ vor der Tribüne mit der kleinen deutschen Fangemeinde und schrieben fleißig Autogramme. An Schlaf war nach dem leidenschaftlichen Kraftakt ohnehin nicht zu denken. „Wir sind noch mit Adrenalin vollgepumpt. Alle sind überglücklich, dass wir das Halbfinale erreicht haben. Aber es war in der Kabine nicht so, dass wir wahllos rumgetanzt wären“, berichtete Angerer von der Stimmung nach dem alles in allem glücklichen WM-Viertelfinalsieg gegen die Französinnen.

Auch Silvia Neid verhehlte nicht, dass sie nach dem 0:1 von Louisa Necib (63.) „schon Bedenken“ hatte, ob das noch gut ausgehen würde. „Aber ich dachte auch, vielleicht geht noch was. Und ich finde, dass die Mannschaft richtig charakterstark ist. Denn sie hat sich in der zweiten Hälfte reingekämpft und es noch ins Elfmeterschießen geschafft“, sagte die Bundestrainerin. Erleichtert fügte sie hinzu: „Und da haben wir halt unsere Natze, die schon mal einen Elfmeter hält.“

Angerer: "Hatte das Gefühl, dass sie Angst hatte"

Zunächst war es Celia Sasic, die mit ihrem sechsten Turniertor per Handelfmeter in der 84. Minute kaltschnäuzig die Verlängerung erzwungen hatte. Dass es noch ins Elfmeterschießen ging, war auch der Tatsache geschuldet, dass sich die spielerisch überlegenen Französinnen im Auslassen von hundertprozentigen Torchancen als „Grande Nation“ erwiesen. Die eingewechselte Gaetane Thiney brachte es in der 116. Minute fertig, den Ball aus vier Metern am leeren Tor vorbei zu bugsieren. „War das nicht vorher abgepfiffen?“ fragte Angerer, gerade als beste Spielerin der Partie ausgezeichnet, bei der Pressekonferenz verblüfft in die Runde. „Oh, da hatten wir Glück. Vielleicht hat ihnen das einen mentalen Knacks gegeben.“

Vermutlich war Angerer zu dem Zeitpunkt schon im Tunnel und hat sich psychisch gerüstet für den dramatischen Höhepunkt: Wie cool im Wechsel mit „Le Bleues“ dann Melanie Behringer, Simone Laudehr, Babett Peter, die trotz starker Schmerzen im linken Fuß angetretene Dzseifer Marozsan sowie erneut Sasic ihre Strafstöße im überdachten Hexenkessel verwandelten, verdient großen Respekt. Ausgerechnet die mit 21 Jahren jüngste der fünf französischen Schützinnen, Claire Lavogez, verließen im Angesicht von Angerer die Nerven. „Bei ihr hatte ich das Gefühl, dass sie Angst hatte“, erklärte die 36 Jahre alte Weltfußballerin von 2013, die ins richtige Eck abgetaucht war.

Französinnen untröstlich

Kein Wunder, dass die spielerisch grandiose „Equipe Tricolore“ enttäuscht zu Boden sank, selbst der erfahrene Coach Philippe Bergeroo vermochte seine Spielerinnen kaum zu trösten. Sichtlich mitgenommen erklärte der frühere Nationalkeeper, dass es ihm unendlich leidtue für die Mädels. „So brutal ist Sport manchmal. Wenn man die vielen Chancen, die wir hatten, nicht nutzt, kannst du gegen Deutschland mit seiner Effizienz und Power nicht gewinnen.“ Doch Bergeroo nahm schnell den Kopf wieder hoch und meinte mit Blick auf Olympia 2016 in Rio und die Heim-Weltmeisterschaft 2019. „Die Mädchen sind jetzt sehr traurig. Aber wir müssen wieder aufstehen und daraus lernen.“

Bei Innenverteidigerin Annike Krahn, neben Angerer die beste deutsche Spielerin, hielt sich das Mitleid für die ehemaligen Mitspielerinnen von Paris Saint-Germain und die übrigen Französinnen in Grenzen. „Es war vorher klar, dass eine Mannschaft traurig nach Hause fahren muss. Ich bin ganz froh, dass wir das nicht sind“, meinte die Bochumerin gewohnt geradeheraus. „Sie sind selber schuld, wenn sie ihre Chancen nicht reinmachen. Da kann ich ihnen auch nicht helfen. Klar war es letztlich glücklich. Aber ehrlich gesagt, ist mir das auch egal.“

Für die Deutschen geht es nun darum, sich so schnell wie möglich von den anstrengenden 120 Minuten im maroden Olympiastadion von Montreal zu erholen. Am Dienstag (Mittwoch, 1.00 Uhr MESZ) steigt mit dem Halbfinale gegen die USA, die sich wenige Stunden später in Ottawa mit 1:0 gegen China durchgesetzt hatten, der nächste Knaller. „Das wird auch nicht leichter“, betonte Angerer. „Ab Sonntag werden wir auf den nächsten Gegner fokussieren.“

dpa

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