Wahl über Platini-Nachfolge

Fragen und Antworten: Wer wird neuer UEFA-Präsident?

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Die Favoriten auf die Nachfolge von Michel Platini: Aleksander Ceferin (li.) und Michael van Praag.

München - Die Präsidentschaftswahl der UEFA am Mittwoch scheint längst entschieden. Aleksander Ceferin hat innerhalb weniger Wochen erstaunlich viele Stimmen gesammelt.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit der Slowene Aleksander Ceferin. Der 48-Jährige, den vor ein paar Monaten nur wenige kannten, wird unter anderem vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und anderen großen Nationen unterstützt. Manche berichten von 40 sicheren Stimmen aus den insgesamt 55 Verbänden der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Vor allem in Russland scheint der Jurist viele Freunde zu haben, auch FIFA-Präsident Gianni Infantino gilt als Fan des Aufsteigers. Der Niederländer Michael van Praag (68) scheint deshalb chancenlos. Zurückgezogen hat er seine Kandidatur trotzdem (noch) nicht.

Warum wird gewählt?

Weil der eigentliche UEFA-Präsident Michel Platini (61) für inzwischen vier Jahre für alle Aktivitäten im Fußball gesperrt ist. Der Franzose wurde zusammen mit Ex-FIFA-Präsident Joseph S. Blatter (80) aus dem Verkehr gezogen. Platinis Amtszeit wäre noch bis 2019 gelaufen, sein Nachfolger beendet diese zunächst nur. Dann wird neu gewählt. Platini darf sich dank einer Ausnahmegenehmigung der FIFA-Ethikkommission in Athen verabschieden. In den Augen von DFB-Präsident Reinhard Grindel hätte er das aber bleiben lassen sollen. Der Kongress solle schließlich "vom Programm des neuen Präsidenten und nicht von den Fehlern seines Vorgängers" geprägt sein.

Warum hat Ceferin so viele Stimme sicher?

Der studierte Jurist, Eigentümer einer großen Anwaltskanzlei in seiner Heimat, war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hat das Machtvakuum der UEFA perfekt ausgenutzt. Dem Familienvater (drei Kinder) haftet nicht der Stallgeruch der UEFA an. Er saß bislang noch nicht im UEFA-Exekutivkomitee (im Gegensatz zu van Praag), seit 2011 ist er lediglich Präsident seines Heimatverbandes. Für einen Neuanfang scheint er deshalb die richtige Wahl - allerdings gibt es auch keine Alternativen. Viele der Stimmen für Ceferin werden nach SID-Informationen vor allem Stimmen gegen van Praag sein, der seine Lobby im Weltfußball verloren zu haben scheint.

Was wird sich ändern?

Zunächst ist das Machtvakuum endlich gefüllt. Welche Reformen Ceferin anstreben wird, ist noch offen. Sein Manifest beinhaltet viele Versprechen und schöne Worte - er muss aber Taten folgen lassen. Der DFB erhofft sich "frischen Wind" und "Kontinuität". Schön wären auch eine unabhängige Ethikkommission und ein Compliance-Gremium. Auch über das "Ein Land, eine Stimme"-Prinzip wird zu reden sein, ebenso wie über die Vergabepraxis der Europameisterschaften. Bislang entscheidet das Exko, in welchem Land der Pokal vergeben wird.

Welche Rolle spielt die EM 2024?

Der DFB hat immer klar gesagt, das Turnier in acht Jahren unbedingt haben zu wollen. Kandidaten sind auch die skandinavischen Länder, die sich von Beginn an für Ceferin stark gemacht haben. In der Sportschau sagte der designierte UEFA-Boss aber nun, dass nach der EM 2020, die in 13 Ländern ausgetragen wird, nur ein Land als Ausrichter infrage kommen würde. Eine gemeinsame EM in Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark wäre damit unmöglich.

Welche Probleme kommen noch auf den neuen UEFA-Präsidenten zu?

Die "alte" UEFA-Führung hat gerade die Europapokal-Wettbewerbe reformiert. Die Top-Klubs bekommen ab der Saison 2018/19 viel mehr Geld, die Schere wird zwischen Arm und Reich wird größer. Die kleinen Klubs und Ligen haben das heftig kritisiert. Ceferin wird vermitteln müssen - und er muss mit aller Macht verhindern, dass die Vision der großen Klubs von einer Super-, Welt, oder was auch immer Liga Realität wird. Das würde das Ende der UEFA in der derzeitigen Form bedeuten.

sid

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