Korruptionsvorwürfe gegen Fußball-Weltverband

FIFA-Skandal: Wird es eng für Sepp Blatter?

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Sepp Blatter, Präsident der FIFA. Er gehört wohl nicht zu den Beschuldigten, trotzdem trifft der Skandal auch ihn hart.

Zürich - Korruptionsvorwürfe und Festnahmen: Schadet FIFA-Chef Sepp Blatter der Skandal beim Weltfußball-Verband? Am Freitag will er für eine fünfte Amtszeit an der Spitze der FIFA kandidieren.

Schadet der FIFA-Skandal Präsident Joseph S. Blatter? „Er tanzt natürlich nicht in seinem Büro", sagte FIFA-Kommunikationschef Walter de Gregorio am Mittwoch in einer Pressekonferenz des Fußball-Weltverbands. Er betonte allerdings, dass es keinerlei Vorwürfe gegen Blatter gebe. Am Freitag will sich der FIFA-Präsident in seine fünfte Amtszeit wählen lassen. Sein einziger Herausforderer ist der jordanische Prinz Ali bin Al Hussein (39). Der FIFA-Kongress in Zürich soll ganz normal ab Donnerstag stattfinden.

Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport bei Transparency International, glaubt das nicht. „Ich schließe nicht völlig aus, dass es Blatter sogar stärkt“, sagte Schenk laut SID dem Sportsender Sport1: „Viele Delegierte könnten sich nach einem sehnen, der weiß, wie er die FIFA zu führen hat.“ Schenk glaubt, dass die Ermittler pokern. "Wenn sie etwas gegen Blatter in der Hand hätten, dann würden sie gegen ihn ermitteln“, sagte sie: „Und zwar auch schnell genug, dass sie das vor der Wahl rausbekommen. Insofern glaube ich nicht, dass sie die großen Fakten gegen Blatter haben. Es ist ein politisches Spiel.“

Die englische Fußball-Legende Gary Lineker fordert den Rücktritt von Sepp Blatter. Er schrieb bei Twitter: "Falls Blatter nur einen Hauch von Anstand hat, sollte er jetzt fortgehen, sich in seinem Bau verschanzen, sich in seinen Sessel setzen und seine Katze streicheln."

Inzwischen haben sich zahlreiche Funktionäre und Politiker zum FIFA-Skandal geäußert - darunter DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zum FIFA-Skandal.

WM in Russland und Katar finden statt

Die FIFA nahm zu den Vorwürfen am Mittwochvormittag in einer Pressekonferenz Stellung. Die wichtigsten Aussagen von FIFA-Medienchef Walter de Gregorio:

  • Die Weltmeisterschaften in Russland (2018) und Katar (2022) sollen wie geplant stattfinden.
  • Der Fußball-Weltverband begrüßt die Maßnahmen der Schweizer Bundesanwaltschaft im Zusammenhang mit den WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022. Allerdings räumte Kommunikationschef Walter de Gregorio ein: „Das Timing ist nicht das beste: Die Eröffnung des Strafverfahrens gleichzeitig mit dem FIFA-Kongress.“
  • Der FIFA-Kongress am Donnerstag und die Präsidentenwahl am Freitag finden trotz der Festnahmen statt. „Von unserer Seite aus werden wir den Kongress ausrichten, das hat mit den laufenden Verfahren nichts zu tun“, sagte FIFA-Mediendirektor Walter De Gregorio: „Es gab niemals die Idee, den Kongress oder die Präsidenten-Wahl zu verschieben. Wir fahren mit der Agenda fort.“

Bundesanwaltschaft stellt Dokumente in FIFA-Hauptquartier sicher

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat elektronische Daten und Dokumente bei der FIFA sicher gestellt. Laut Pressemitteilung geht es um ein Strafverfahren unter anderem wegen "Verdachts der Geldwäscherei" in Bezug auf die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar. Die Dokumente seien am Hauptsitz der FIFA in Zürich sichergestellt worden, heißt es in der Mitteilung. Zudem seien im Vorfeld auch bei Schweizer Banken im Zuge der Ermittlungen bereits Bankunterlagen angefordert, berichtet die Nachrichtenagentur SID.

Zudem hat die Schweiz wegen des Verdachts auf Korruption hat mehrere Konten gesperrt. Es handele sich um Bankverbindungen bei Schweizer Geldinstituten, über die mutmaßlich Bestechungsgelder geflossen sind, teilte das Bundesamt für Justiz in Bern mit. Zudem sei die Beschlagnahme der Kontounterlagen angeordnet worden. Die Festnahmen und Kontosperrungen erfolgten auf der Grundlage eines Rechtshilfeersuchens der amerikanischen Bundespolizei FBI, die gegen die Funktionäre ermittelt.

Sieben hochrangige Funktionäre wegen Verdacht auf Korruption verhaftet

Die Schweizer Behörden tauchten mit über einem Dutzend Mann unangekündigt in den frühen Morgenstunden im Züricher Fünf-Sterne-Hotel "Baur au Lac" auf, um mehrere Top-Funktionäre des Fußball-Weltverbandes FIFA festzunehmen. Die zivil gekleideten Polizisten ließen sich an der Rezeption die Schlüssel für die Zimmer geben. Die Verhafteten sollen ohne Handschellen abgeführt worden sein. Sechs der Festgenommenen verweigerten eine direkte Auslieferung an die USA.

Bei den Festgenommenen, denen Korruption bei WM-Vergaben und TV-Rechten vorgeworfen wird, handelt es sich laut offiziellen Angaben des US-Justizministeriums um die FIFA-Vizepräsidenten Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo, das designierte FIFA-Exko-Mitglied Eduardo Li aus Costa Rica, Julio Rocha, Costas Takkas, Rafael Esquivel und Jose Maria Marin. Darüber hinaus wurde auch das Hauptquartier des Kontinentalverbands Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (CONCACAF) in Miami durchsucht, teilte das Justizministerium mit.

„Im Verlauf des Vormittags konnte ein weiterer gesuchter Fußballfunktionär aufgrund eines US-Verhaftsersuchen festgenommen werden“, teilte das Schweizer Bundesamt für Justiz am Mittwochmittag mit. Die US-Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Korruption, Erpressung und Bestechung gegen insgesamt 14 aktuelle und ehemalige FIFA-Funktionäre. Den Festgenommenen drohen Haftstrafen von bis zu 20 Jahren.

Brisanter Zeitpunkt: Kurz vor Wahl des FIFA-Präsidenten

Sepp Blatter, Präsident der FIFA. Er gehört wohl nicht zu den Beschuldigten, trotzdem trifft der Skandal auch ihn hart.

Die FIFA-Funktionäre sind zu ihrem jährlichen Kongress vor Ort, der am Donnerstag beginnt und am Freitag findet die Wahl des Präsidenten statt - es wird wohl auf eine Wiederwahl von Sepp Blatter hinauslaufen, gegen den sich die Beschuldigungen laut Medien nicht richten. Der 79-Jährige geht als großer Favorit in die Wahl für eine fünfte Amtszeit, einziger Gegenkandidat ist Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien, dem praktisch keine Siegchancen eingeräumt werden. Die Vorzeichen stehen nun nach dem weiteren Skandal dennoch nicht gut für eine weitere Amtszeit. Im vergangenen Jahr hatte Blatter eingeräumt, dass die WM-Vergabe an Katar ein Fehler war.

In den USA laufen schon länger Untersuchungen gegen FIFA-Funktionäre

In den USA laufen seit längeren Untersuchungen des FBI gegen frühere FIFA-Funktionäre. Der ehemalige US-Verbandschef Chuck Blazer und der frühere Blatter-Stellvertreter Jack Warner aus Trinidad und Tobago gehören zu Beschuldigten in diversen Korruptionsverdachtsfällen. Blazer soll zuletzt mit den US-Behörden kooperiert haben und unter anderem bei den Olympischen Spielen 2012 in London per verstecktem Mikrofon Aufzeichnungen von Funktionärsgesprächen gemacht haben. Auch die WM-Vergabe 2022 an Katar, bei der der US-Fußballverband im Dezember 2010 überraschend dem Emirat unterlag, wird in den USA weiterhin untersucht. Die internen FIFA-Untersuchungen zu den Korruptionsvorwürfen waren im vergangenen Dezember ergebnislos eingestellt worden. Ermittler Michael Garcia aus den USA trat deswegen wenig später von seinem Posten als Chef der investigativen Einheit der FIFA-Ethikkommission zurück. Um die Veröffentlichung seines Reports wird im Weltverband weiterhin gestritten.

Zuletzt hatte Blatter Vermutungen zurückgewiesen, dass er eine Reise in die USA wegen der dort laufenden Ermittlungen seit längerem bewusst vermeide. Die Anschuldigungen richteten sich nicht gegen ihn, hatte der Schweizer Anfang des Monats betont.

Video: Sechs FIFA-Funktionäre festgenommen

Sebastian Dorn/sr, Mit Material von dpa/sid

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