Abwehrspieler dachte an Paris

Mann (79) stirbt bei BVB-Spiel - Hummels: "Sind berührt"

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Dortmunds Fans halten ihre Schals in die Höhe und singen "You never walk alone" für einen Fan, der während des Spiels an einem Herzinfarkt gestorben war.

Dortmund - Das Todesdrama beim BVB-Spiel am Sonntag hinterlässt die Dortmunder und auch die Gäste immer noch geschockt. Von der Stille fühlt sich Mats Hummels an Paris erinnert.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat sich anerkennend über die Reaktion der Fußball-Fans beim Bundesliga-Spiel gegen den FSV Mainz geäußert. „Ich möchte mich im Namen von Borussia Dortmund ganz besonders herzlich für die Sensibilität aller Zuschauer bedanken“, sagte Watzke nach dem 2:0-Erfolg des Revierclubs im Bundesliga-Duell am Sonntagabend.

Stadionsprecher Norbert Dickel hatte die Zuschauer unmittelbar nach dem Schlusspfiff über den Tod eines Zuschauers informiert. Bei dem Gestorbenen soll es sich um einen 79-jährigen Mann handeln. Alle Versuche der Notärzte, ihn zu reanimieren, waren vergeblich. Dagegen konnte ein 55 Jahre alter Stadion-Besucher erfolgreich reanimiert werden. Sein Zustand ist laut Dickel mittlerweile stabil. „Dieses Spiel hat gezeigt, dass es wichtigere Dinge gibt als den Sport“, wird Watzke auf der BVB-Homepage zitiert.

Sowohl die BVB-Fans als auch die Anhänger von Mainz 05 hatten nach Bekanntwerden der tragischen Vorkommnisse die Unterstützung für ihre Mannschaften eingestellt. In der 88. Minute und nach Spiel stimmten die Fans von der Dortmunder Südtribüne die Fußball-Hymne „You'll never walk alone“ an.

Die eigentümliche Atmosphäre erinnerte BVB-Kapitän Mats Hummels an die Geschehnisse beim Terroranschlag vor vier Monaten in Paris während des Länderspiels gegen Frankreich.

Wie haben Sie heute die Atmosphäre im Stadion erlebt?

Hummels: Das war sicher nichts Alltägliches - ganz im Gegenteil. So etwas habe ich bisher nur in Paris erlebt. Es gab große Parallelen zu sehen. Die Atmosphäre war irgendwie ein bisschen ruhig, trotzdem war eine gewisse Aufgewühltheit zu spüren. Ganz seltsam. Nach dem Spiel wurden wir direkt informiert. Aber es war klar, dass irgend etwas gewesen sein muss.

Hatten Sie die Gedanken an Paris bereits auf dem Platz?

Hummels: Dieser Gedanke ist mir erst nach dem Spiel gekommen. Während des Spiels habe ich nur daran gedacht, dass etwas passiert sein muss. Auch damals ist mir die Atmosphäre aufgefallen, daran habe ich mich erinnert gefühlt. Es nicht einfach, in einer solchen eigenartige Atmosphäre die Konzentration hochzuhalten. Aber das haben wir gut gemacht. Das muss man auch mal erwähnen, obwohl das heute nicht das hauptsächliche Thema ist.

Die Mannschaft stand nach dem Spiel Arm in Arm und reglos vor der Fantribüne ...

Hummels: Das hat alle bedrückt. Das hat man doch gesehen, wie wir vor der Süd standen. Es ist nicht so, dass uns das nicht berührt. Wir wissen auch, was das bedeutet, wenn jemand auf der Tribüne zusammenbricht. Zwar genießen wir den Sieg. Aber in einer deutlich, deutlich, deutlich ruhigeren Atmosphäre als es ansonsten der Fall gewesen wäre.

Wie fanden Sie die Reaktion der Fans?

Hummels: Auf jeden Fall ein großes Kompliment an die Fans. Es war völlig angemessen, es so zu machen. Es ist schwierig, weil man ja von Herzen anfeuern soll. Aber wenn es so ist, geht das nicht zu 100 Prozent. Mit dem Lied „You'll never walk alone“, was sie zweimal angestimmt haben, haben sie eine sehr, sehr gute Reaktion gezeigt.

dpa

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