"Barbarische Gewalt"

Ausschreitungen erschüttern Afrikas Fußball

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Die Ausschreitungen beim Afrika-Cup schockieren Fans und Spieler.

Malabo - Die Ausschreitungen im Halbfinale des Afrika-Cups erschüttern den afrikanischen Fußball. Das Finalspiel gerät dabei zur Nebensache. Ghana fordert derweil Sanktionen.

Fans und Spieler in Todesangst, die Werbebanden blutverschmiert, das Feld ein „Kriegsgebiet“: Nach dem Skandal-Halbfinale um den Afrika-Cup zwischen Ghana und dem überforderten Gastgeber Äquatorialguinea steht der afrikanische Fußball im Kreuzfeuer der Kritik.

„Unsere Fans wurden Opfer barbarischer Gewalt“, twitterte der ghanaische Verband (GFA), dessen Präsident Kwesi Nyantakyi klagte: „Wir sollten über unseren Sieg sprechen, stattdessen reden wir über Gewalt. Das ist ein schwerer Schlag für das Ansehen des Turniers.“ Durch den 3:0 (2:0)-Erfolg erreichte Ghana mit dem Bundesligaspieler Rahman Baba das Endspiel gegen die Elfenbeinküste.

Der sportliche Aspekt jedoch war Nebensache, zu widerwärtig waren die Vorkommnisse im Stadion von Malabo. „Ich habe wirklich noch nie während einer solchen Atmosphäre gespielt“, sagte Äquatorialguineas Kapitän Emilio Nsue Lopez. Von „ernsthaften Sorgen“ über die Fans sprach dessen Trainer Esteban Becker.

Sicherheitskräfte überfordert

Auslöser der Ausschreitungen erst im und später auch außerhalb des Stadions war der Doppelschlag durch Jordan Ayew (42.) und Wakaso Mubarak (45.), der Ghana den Weg ins Finale ebnete und die Gemüter der gastgebenden Fans erhitzte. Zu diesem Zeitpunkt flogen Flaschen, Steine und andere Geschosse in Richtung der Spieler, nach Andre Ayews Treffer zum 3:0 (75.) dann auch in den Block der ghanaischen Fans. Das Chaos nahm seinen Lauf. Das Spiel wurde in der 83. Minute unterbrochen, weil Ghanas Fans Schutz im Innenraum der Spielstätte suchten.

Die überforderten Sicherheitskräfte bekamen die Lage jedoch nicht in den Griff, selbst die Polizisten gewährten den angegriffenen Zuschauern kaum Deckung. Ganz im Gegenteil. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein, und als dann auch noch ein Hubschrauber die Massen aus dem Stadion treiben sollte, „wurden die Menschen verletzt“, sagte Andre Ayew. Laut Verband wurde das Spielfeld damit endgültig zum „Kriegsgebiet“.

Lutz Pfannenstiel, Afrika-Kenner und als Kommentator für Eurosport im Stadion, fasste die Szenerie passend zusammen: „So macht der Afrika-Cup keinen Spaß.“ Und auch der Weltverband FIFA verurteilte die Ausschreitungen am Freitag auf SID-Anfrage aufs Schärfste und stellte klar, dass „die Sicherheit der Spieler und Fans in jedem Spiel oberste Priorität“ genießen.

Vorgehen des Verbands wirft Fragen auf

Zu möglichen Sanktionen äußerte sich die FIFA jedoch nicht, sie verwies auf die Zuständigkeit des afrikanischen Kontinentalverbandes CAF. Der sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Warum beispielsweise stattete der CAF nach dem Ausschluss des eigentlichen Gastgebers Marokko gerade Äquatorialguinea mit einer Wildcard aus, obwohl das Team doch wegen eines Regelverstoßes bereits von der Qualifikation ausgeschlossen worden war? Und warum sollte ein Land das wichtigste Turnier des Kontinents ausrichten, ohne die dafür nötigen Stadien zu haben? In Malabo beispielsweise finden gerade einmal 15.000 Zuschauer Platz.

Im Endspiel dürfte es wieder ruhiger zugehen. 1992 standen der viermalige Turniersieger Ghana und die Elfenbeinküste schon einmal im Finale, damals gewannen die Ivorer im Elfmeterschießen. Auch in diesem Jahr gibt es keinen klaren Favoriten, wenngleich Ghanas Trainer Avram Grant meint: „Jeder hat vor dem Turnier über andere Teams gesprochen, nun wollen wir den Titel holen.“ Das Finale wird im Stadion von Bata ausgetragen, 30.000 Zuschauer gehen dort hinein. Das Spiel um Platz drei zwischen dem Gastgeber und der Demokratischen Republik Kongo findet wieder in Malabo statt.

Bilder: Ausschreitungen beim Afrika-Cup

Bilder: Skandal bei Afrika-Cup

sid

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