Tour de France

Sturz-Drama in Le Havre: Tour-Aus für Martin in Gelb

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Tony Martin kann seinen Traum vom Sieg der Tour de France in diesem Jahr nicht verwirklichen. Er ist gestürzt, kann nicht weiterfahren.

Le Havre - Für Tony Martin ist die Triumphfahrt in Gelb beendet. Bei einem Sturz kurz vor dem Ziel der sechsten Etappe bricht sich der Deutsche das Schlüsselbein. Weiterfahrt unmöglich.

Aus und vorbei: Tony Martins Triumphfahrt im Gelben Trikot ist auf dem Asphalt von Le Havre auf tragische Weise zu Ende gegangen. Der 30 Jahre alte Spitzenreiter der 102. Tour de France muss aufgeben. Martin erlitt bei seinem Sturz rund 1000 Meter vor dem Ziel einen offenen Bruch des Schlüsselbeins und muss operiert werden. Damit endete für den gebürtigen Cottbuser am Donnerstag eine Frankreich-Rundfahrt voller Emotionen viel zu früh.

Kreidebleich und mit dick bandagierter linker Schulter stieg der deutsche Radprofi nach seinem Sturz auf der sechsten Etappe in den Krankenwagen. Mit Blaulicht wurde er abtransportiert. „Schlüsselbein ist gebrochen. Wir überlegen weitere Schritte“, twitterte Martin kurz darauf aus der Röntgenstation. Es ging aber nicht mehr weiter für den dreimaligen Zeitfahr-Weltmeister.

Zuvor hatte der 30-Jährige noch gehofft, dass sich der schlimme Verdacht nicht bestätigt. „Ich hoffe, dass es mehr Schmerzen sind als schwerwiegende Verletzungen und dass es noch weitergeht“, sagte Martin unmittelbar nach der sechsten Etappe. Für Teamchef Patrick Lefevere war schnell klar: „Er wird uns in den nächsten Tagen im Sprintzug von Cavendish und im Mannschaftszeitfahren fehlen.“

In der Vergangenheit hatten Fahrer mit einem Schlüsselbeinbruch die Rundfahrt auch schon fortgesetzt, wie etwa Tyler Hamilton (1999) oder Pascal Simon - damals auch in Gelb (1983). Der Chirurg habe Martin jedoch gesagt, dass es unmöglich sei weiterzufahren, erklärte Teamchef Lefevere dem französischen Sender „Europe 1“.

Die Bilder am Ende der Etappe ließen schon Schlimmes vermuten. Eskortiert von vier Teamkollegen quälte sich Martin mit großen Schmerzen die letzten Meter bis ins Ziel. Gut 1000 Meter vor dem Ende der Etappe war er auf seine linke Schulter gekracht. Martin musste fast schon den kleinen Berg hinauf geschoben werden.

Der 30-Jährige verteidigte seine Spitzenposition mit zwölf Sekunden Vorsprung auf Christopher Froome erfolgreich, weil er innerhalb der Drei-Kilometer-Marke zu Fall kam. In diesem Streckenabschnitt vor der Ziellinie werden bei Stürzen die Zeitrückstände nicht berücksichtigt. Wenig später war mit dem verkündeten Rückzug die Führung aber dahin. Auch der Sieg von Etixx-Teamkollege Zdenek Stybar (Tschechien) konnte keinen im Team wirklich trösten.

Vor allem Martin nicht, der beim Auftakt-Zeitfahren die erste Chance auf sein erstes Gelbes Trikot um fünf Sekunden verpasst hatte. Auch am zweiten Tag klappte es nicht, es fehlten noch drei Sekunden. Nach der dritten Etappe war er nur noch eine Sekunde entfernt. Am vierten Tag klappte es dank seines famosen Sieges in Cambrai. Am fünften Tag verteidigte er sein Gelbes Trikot. Am sechsten kam er zu Fall.

Dass John Degenkolb seinem Happy End erneut vergeblich hinterherjagte, passte an dem so bitteren Tag für die deutschen Radprofis ins Bild. Degenkolb landete nach 191,5 Kilometern von Abbeville nach Le Havre hinter Stybar, dem Slowaken Peter Sagan und Bryan Coquard aus Frankreich auf dem vierten Platz. Der Klassikerkönig, der schon vier zweite Plätze in seiner Tour-Karriere belegte, muss damit weiter auf einen Sieg bei der Frankreich-Rundfahrt warten.

Die Schlüsselszene des Rennens war aber der Martin-Sturz. Der Deutsche fuhr einen kleinen Schlenker, touchierte den Franzosen Warren Barguil, wodurch schließlich auch Vorjahressieger Vincenzo Nibali zu Fall kam. Der Italiener überstand das Malheur aber unverletzt. „Das ist unglaublich. Ich weiß gar nicht mehr, wie es passiert ist“, sagte Martin.

Immerhin behielt André Greipel sein Grünes Trikot, auch wenn für das Kraftpaket beim schweren Finale in Le Havre ein dritter Tagessieg nicht möglich war. Der gebürtige Rostocker liegt nur noch drei Punkte vor Sagan.

Daniel Teklehaimanot stammt aus Eritrea.

Auf der Fahrt durch die Normandie setzte sich zunächst eine dreiköpfige Ausreißergruppe in Szene. Der Belgier Kenneth van Bilsen, der Franzose Perrig Quéméneur und Daniel Teklehaimanot aus Eritrea rissen sechs Kilometer nach dem Start aus und fuhren zwischenzeitlich einen Vorsprung von über zwölf Minuten heraus. Auch wenn das Unterfangen erfolglos blieb, zahlte sich die Flucht für Teklehaimanot aus. Dank der gewonnenen Bergwertungen unterwegs übernahm er als erster Afrikaner das Gepunktete Trikot bei der Tour.

Seinen ersten Auftritt im neuen Gewand hat Teklehaimanot am Freitag auf der siebten Tour-Etappe, wenn es über 190,5 Kilometer von Livarot nach Fougères geht. Martin, bislang der Träger des Gelben Trikots, ist nicht mehr dabei.

dpa

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