Tag gegen Lärm am 27. April

Wie bitte? Infos zu Hörschäden

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Psst. Hörst du was? Ganz leise ist es eigentlich so gut wie nirgends.

Lärm macht krank. Und: Er schädigt auch unser Gehör. Was tun, wenn man immer weniger um sich herum mitbekommt? Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie viele Menschen hören schlecht?

In Deutschland leben rund 16 Millionen Menschen, die unter Hörschäden leiden – etwa die Hälfte von ihnen ist im berufstätigen Alter. Die Tendenz ist insgesamt steigend. „Schwerhörigkeit gehört zu den zehn häufigsten Gesundheitsproblemen“, heißt es. Die sogenannte Lärmschwerhörigkeit ist sogar Berufskrankheit Nummer eins hierzulande. 

Welcher Lärm stört die meisten?

Straßenverkehrslärm. Mehr als die Hälfte fühlt sich dadurch belästigt. Ein Drittel leidet stark unter Schienenlärm, zwei von zehn unter Fluglärm. Das geht aus einer Untersuchung des Umweltbundesamtes hervor. Dieses zitiert auf seiner Internetseite wissenschaftliche Studien: „Etwa sechs Millionen Menschen sind in Städten Lärmwerten ausgesetzt, bei denen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu befürchten ist. Zudem treten Lern-, Konzentrations- und Schlafstörungen auf.“

Denn: Eine Dauerbeschallung gilt schon ab 65 Dezibel als gesundheitsschädlich; ab 85 Dezibel ist das Gehör in Gefahr. Und: Lärm stresst – indem er die Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin steigert.

Ab wann kann man schwerhörig werden?

„Bei kurzen Geräuscheinwirkungen, etwa durch Hammerschläge oder Knallkörper, kommt es zwar zu einer zeitweiligen Hörschwellenverschiebung. Aber: Davon erholt sich das Ohr wieder“, heißt es beim Umweltbundesamt. „Bei lang andauernden Einwirkungen sehr lauter Musik oder von Maschinenlärm über 120 Dezibel kommt es hingegen zu einer dauerhaften Hörschwellenverschiebung – die sich als Schwerhörigkeit äußert.“

Was genau passiert dabei im Ohr?

Grundsätzlich funktioniert Hören so: Die Ohrmuschel fängt den Schall ein, leitet ihn durch den Gehörgang zum Trommelfell und bringt es so zum Schwingen. Das wiederum bewegt Hammer, Amboss und Steigbügel, die kleinsten Knochen im Körper. Ihre Bewegung überträgt sich auf die Hörschnecke im Innenohr, die Cochlea. Genauer: auf die Flüssigkeit, mit der diese gefüllt ist. Das aktiviert feinste Sinneshärchen in der Hörschnecke. Es entstehen elektrische Impulse – die über Nerven ans Hirn geleitet werden. Lärm kann die empfindlichen Härchen schädigen, und dadurch hören wir schlechter.

Warum sind vor allem Ältere betroffen?

Im Laufe der Zeit häufen sich Lärmschäden, wodurch wir hohe Töne nicht mehr so gut wahrnehmen können. Auch fällt es uns schwer, Konsonanten wie S, T, K und P voneinander zu unterscheiden. Die sind jedoch sehr wichtig für das Sprachverständnis. 

„Neben dem Verlust von Sinneszellen im Innenohr, sind die langsamere Verarbeitung akustischer Informationen und ein Rückgang der Gehirnsubstanz für Hörminderungen im Alter verantwortlich“, heißt es dazu bei der Deutschen Seniorenliga. Schlechtes Hören reduziert aber auch den Wortschatz. Die Hauptfolge: Der Geist lässt nach – unsere intellektuellen Fähigkeiten verkümmern förmlich.

Was sollte man dann als Erstes tun?

Einen Hörtest machen! Am besten bei einem Hörakustiker, der diesen kostenlos anbietet. Dort werden die Kenndaten des Gehörs ermittelt und ein sogenanntes Ton- und Sprachaudiogramm erstellt. Besonders wichtig: Jeder Betroffene sollte den Experten darüber informieren, in welchen Situationen ihm das Hören besonders schwer fällt. Bei privaten Gesprächen? Beim Fernsehen? Im Beruf?

Wie geht es weiter?

Ab einem Hörverlust von 20 Prozent zahlt die Krankenkasse in der Regel die „Hörsystemversorgung“ – zumindest aber einen Festbetrag. Heute tragen rund drei Millionen Menschen in Deutschland ein Hörgerät. Die meisten dieser Geräte sind „komplexe technische Systeme, die mehr mit hochleistungsfähigen Computern gemein haben als mit klassischen Verstärkergeräten“, Bundesinnung der Hörgeräteakustiker.

Wie lange dauert es, bis man sich an ein Hörgerät gewöhnt hat?

Ohren sind so individuell wie ein Fingerabdruck, heißt es. Deshalb fertigen Hörakustiker individuelle Passstücke an. Auch stellen sie Kunden mehrere Test-Geräte zur Verfügung. „Da Hören subjektiv unterschiedlich empfunden wird, sollten Sie sich mehrere Wochen Zeit nehmen, um die Geräte auszuprobieren“, raten Experten. Und: „Testen Sie diese in unterschiedlichen Situationen.“ Erst dann können Feineinstellungen vorgenommen werden. Ein Hörgerät hält rund sechs Jahre.

Was, wenn nicht mal ein solches Gerät hilft?

Dann kann ein sogenanntes Cochlea-Implantat eingesetzt werden. Es stimuliert nämlich den Hörnerv direkt. Dadurch können selbst Taube wieder Geräusche wahrnehmen.

Zusammenfassung: B. Nazarewska

Lese-Tipp: Bei der Deutschen Seniorenliga gibt es die kostenlose Broschüre „Schwerhörigkeit“. Mehr Infos unter: www.deutsche-seniorenliga.de


Lautstärken im Überblick

Lärmstufe

Geräuschart

Lautstärke in Dezibel

Geräuschempfinden

30 - 65 dB(A) Psychische Reaktion

Ticken einer leisen Uhr, feiner Landregen, Flüstern 

30 dB(A)

sehr leise

Nahes Flüstern, ruhige Wohnstraße

40 dB(A)

ziemlich leise

Unterhaltungssprache

50 dB(A)

normal

Unterhaltungssprache in 1 Meter Abstand

60 dB(A)

normal bis laut

Bürolärm

60 dB(A)

normal bis laut

II 

65 - 90 dB(A) Physiologische Reaktion

Laute Unterhaltung, Rufen, Pkw in 10 Meter Abstand

70 dB(A)

laut bis sehr laut

Straßenlärm bei starkem Verkehr

80 dB(A)

sehr laut

III 

90 - 120 dB(A) Gehörschaden, Ohrschmerz

Laute Fabrikhalle

Autohupen in 7 Meter Abstand

100 dB(A)

sehr laut bis unerträglich

Kesselschmiede

120 dB(A)

unerträglich bis schmerzhaft

Flugzeugtriebwerk

130 dB(A)

Schmerzschwelle

Quelle: Umweltbundesamt

So schützen Sie Ihr Ohr: Die wichtigsten Tipps

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