Angriff auf Uni mit fast 150 Toten

Kenia trägt Trauer: Schlimmstes Al-Shabaab-Massaker

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Studenten der kenianischen Universität von Garissa trauern um ihre getöteten Kommilitonen.

Nairobi/Garissa - Kenia steht unter Schock. Terroristen haben in dem ostafrikanischen Land fast 150 Studenten ermordet - und drohen bereits mit neuen Angriffen.

Der verheerende Islamistenangriff auf die Universität von Garissa im Osten Kenias mit 147 Toten hat das Land in tiefe Trauer gestürzt. Mindestens vier maskierte Mitglieder der somalischen Al-Shabaab-Miliz hatten die Hochschule am frühen Donnerstagmorgen gestürmt und anschließend fast 16 Stunden lang besetzt. Die meisten Opfer waren Studenten. Sicherheitskräften gelang es, 580 weitere Studenten vor den brutalen Extremisten zu retten. Fast 80 Menschen wurden verletzt. Es handelte sich um das bisher schlimmste Blutbad der Miliz.

Opfer eines Al-Shabaab-Anschlags in Nairobi im Dezember 2014: Die somalische Terrormiliz terrorisiert auch Kenia immer wieder.

Die Al-Shabaab hatte sich nach wenigen Stunden zu der Tat bekannt. Die Gruppe, die vor allem im Zentrum und Süden Somalias aktiv ist, geht auch dort mit unverminderter Härte gegen die Bevölkerung vor, um eine strenge Auslegung des islamischen Rechts Scharia durchzusetzen. Schon lange fordern die Fundamentalisten den Abzug kenianischer Truppen aus dem Nachbarland und verüben wegen des Militäreinsatzes Vergeltungsanschläge auf kenianischem Boden.

Am Freitag drohten sie Kenia mit weiteren Angriffen. „Kenia, Du wirst weitere tödliche Attacken erleben“, sagte ein Sprecher im der Miliz nahestehenden Radiosender Andalus. „Es wird keinen sicheren Ort für Kenianer geben, solange das Land Truppen in Somalia hat“, erklärte Sheikh Ali Mohamud Rage.

Die Forderungen der Islamisten, die Soldaten abzuziehen, seien ignoriert worden. Deshalb habe die Gruppe die Universität attackiert. „Es wurden viele christliche Studenten, Polizisten und Wachleute getötet und viele weitere verletzt“, so Rage. Zahlreiche muslimische Studenten seien hingegen freigelassen worden.

Fotostrecke: Blutigster Islamisten-Angriff in Kenia fordert fast 150 Opfer

Blutigster Islamisten-Angriff in Kenia fordert fast 150 Opfer

Augenzeugen bestätigten die Angaben und sagten der Zeitung „Daily Nation“, die Angreifer hätten die Studenten aufgefordert, Verse aus dem Koran zu zitieren. „Sie standen vor den Wohnheimen und stellten Fragen über den Islam und den Propheten“, sagte der Hochschüler Hassan Abdi. Anschließend ermordeten die Extremisten hauptsächlich christliche Studenten, die nicht antworten konnten.

Wie die „Daily Nation“ weiter berichtete, zündeten die Angreifer zum Schluss Sprengstoffgürtel und verletzten Sicherheitspersonal. Vorher hatten sie sich stundenlang mit einer unbestimmten Zahl von Geiseln in einem Wohnheim auf dem Campus verschanzt.

„Dieser augenscheinlich gezielt gegen Studierende, darunter viele Christen, gerichtete Akt des Terrors ist abscheulich und menschenverachtend“, sagte Bundespräsident Joachim Gauck. Die Staatengemeinschaft müsse in ihren Bemühungen gegen den internationalen Terrorismus weiterhin entschlossen zusammenstehen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) betonte: „Dieser Anschlag auf unschuldige Menschen bringt erneut zum Ausdruck, mit welcher Brutalität die Terroristen von Al-Shabaab vorgehen und dass sie in ihrer menschenverachtenden Gesinnung keinerlei Skrupel kennen.“ Papst Franziskus erklärte, er verurteile „diesen Akt sinnloser Brutalität“ und bete für einen Wandel im Herzen der Täter.

Die Chefin der Afrikanischen Union, Nkosazana Dlamini-Zuma, würdigte den militärischen Einsatz Kenias in Somalia. Das Land habe „riesige Opfer gebracht, um das Nachbarland zu stabilisieren“, hieß es.

Viele Leichen wurden nach Angaben des Roten Kreuzes in die Hauptstadt Nairobi geflogen. Die Organisation bat die Angehörigen der Opfer über den Kurzmitteilungsdienst Twitter, die Toten zu identifizieren. Lokale Medien berichteten, die Universität werde auf unbestimmte Zeit geschlossen.

Polizeichef Joseph Boinnet verhängte eine nächtliche Ausgangssperre für vier Bezirke nahe der somalischen Grenze. Präsident Uhuru Kenyatta ordnete zudem an, weitere 10 000 Sicherheitskräfte auszubilden, um das Land zu schützen.

Der Angriff war der blutigste in Kenia seit dem Bombenanschlag auf die US-Botschaft in Nairobi im Jahr 1998, bei dem über 200 Menschen getötet wurden. Im September 2013 hatte die Al-Shabaab ihren bisher schwersten Anschlag in Kenia verübt, als Terroristen das Einkaufszentrum Westgate stürmten. Mindestens 67 Menschen kamen bei der mehrere Tage dauernden Attacke ums Leben.

dpa

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