Kritik von allen Parteien

Widerstand gegen Leihmutterschaft in der BRD

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Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat sich gegen eine Einführung der Leihmutterschaft in Deutschland ausgesprochen.

Berlin - Der Fall einer thailändischen Leihmutter sorgt auch in der BRD für Aufsehen: Politiker der großen Koalition lehnen eine Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland ab.

Eine Leihmutter für kinderlose Paare - dieser Vorschlag von Deutschlands oberstem Standesbeamten stößt in der Politik auf Widerstand. „Wir haben in Deutschland aus gutem Grund ein strenges Recht. Dabei sollte es bleiben“, sagte der Vorsitzende des Familienausschusses im Deutschen Bundestag, Paul Lehrieder (CSU), den „Dortmunder Ruhr Nachrichten“ (Donnerstag). Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Standesbeamten, Jürgen Rast, hatten sich für eine Lockerung von Leihmutterschaften in bestimmten Fällen ausgesprochen.

Auslöser der Debatte waren die von einer thailändischen Leihmutter austragenen Zwillinge australischer Eltern. Die Eltern sollen nur das gesunde Zwillingsmädchen mitgenommen und den behinderten Jungen zurückgelassen haben. In Thailand bahnte sich eine Diskussion um die Legalität von Leihmutterschaften an. Das Schicksal des behinderten Babys Gammy und seiner Schwester ist weiter ungewiss.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist gegen eine Änderung der Bestimmungen. Der Fall von Zwillingsbaby Gammy sei „ein besonders krasser Einzelfall“, sagte der Politiker derselben Zeitung. „Das hat für Deutschland keine Bedeutung. Es sollte uns nicht zu einer Veränderung der Rechtslage veranlassen.“ Das Bundesjustizministerium hatte schon am Mittwoch eine Lockerung bestehender Gesetze abgelehnt. Das sei auch im Koalitionsvertrag festgeschrieben.

Deutschlands oberster Standesbeamter hatten sich dafür ausgesprochen, das bestehende Verbot unter bestimmten Umständen aufzuheben. Der Verbandspräsident Rast sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Wenn Paare kein Kind bekommen können, ist es meiner Meinung nach aus humanitären Gründen akzeptabel, ihnen doch so diese Möglichkeit zu eröffnen. Wenn das Prinzip der Leihmutterschaft allerdings zum Geschäft ausartet, ist es strikt abzulehnen.“

Die Vermittlung von Leihmüttern ist in Deutschland nach dem Adoptionsvermittlungsgesetz strafbar. Das Embryonenschutzgesetz verbietet Ärzten zudem, Leihmutterschaften zu betreuen.

Über die von der thailändischen Leihmutter ausgetragenen Zwillingen war ein heftiger Streit entbrannt. Das australische Paar soll Baby Gammy bei der Leihmutter zurückgelassen haben, weil der kleine Junge mit dem Down-Syndrom (Trisomie 21) und einem Herzfehler geboren wurde. Die Eltern bestreiten die Vorwürfe. Die sieben Monate alte Schwester lebt jetzt bei ihnen. Die Leihmutter soll 10 000 Euro für ihre Schwangerschaft bekommen haben.

Der für die Leihmutterschaft des australischen Paares zuständige Arzt in Thailand soll Hunderte Leihmutterschafts-Fälle betreut haben. „Ich kenne die exakte Zahl nicht, aber sie liegt in den Hunderten“, sagte der Staatssekretär des thailändischen Gesundheitsministeriums, Boonreung Trireungworawat, am Donnerstag.

Thailand lässt Leihmutterschaften bei Angehörigen und engen Freunden zu. Diese Grauzone bietet zahlreiche Schlupflöcher und hat ein ganzes Geschäftsmodell blühen lassen. Unzählige Agenturen haben jahrelang offen mit Preislisten für ihre Leihmutterangebote Werbung gemacht. Die Behörden haben nun ein hartes Durchgreifen angekündigt. Wer ungenehmigte Leihmutterschaften betreut habe, dem werde die ärztliche Lizenz entzogen. Auch Klinikbesitzern drohten Verfahren.

In Australien prüft die Kinderschutzbehörde derzeit, ob das Mädchen aus der Familie genommen werden sollte, sagte Westaustraliens Kinderschutzministerin Helen Morton der Zeitung „The Australian“. Medienberichten zufolge hat der Vater wegen Kindesmissbrauchs im Gefängnis gesessen. „Wir interessieren uns auch für das Kind in Thailand ... für eine mögliche Adoption, oder um es in eine Pflegefamilie zu geben“, so Helen Morton. Wo sich das Paar, das bereits drei Kinder hatte, aufhält, ist unklar.

dpa

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