Kremlchef droht mit "ernsthaften Konsequenzen"

Türkei schießt russischen Kampfjet ab - Putin: "Verbrechen"

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Das Militärflugzeug beim Absturz.

Ankara - Das Nato-Land Türkei hat Russland mehrfach vor einer Verletzung seines Luftraums im Syrien-Konflikt gewarnt. Nun eskaliert die Lage mit dem Abschuss eines russischen Kampfjets.

Der Abschuss eines russischen Kampfjets im türkisch-syrischen Grenzgebiet führt zu neuen heftigen Spannungen zwischen Moskau und Ankara. Damit steht der gemeinsame internationale Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vor weiteren Problemen.

Kremlchef Wladimir Putin kritisierte die türkische Regierung als „Helfershelfer von Terroristen“. Die Attacke der türkischen Luftstreitkräfte sei ein „Stoß in den Rücken“, sagte Russlands Präsident am Dienstag live im Staatsfernsehen. „Wir werden es nicht dulden, dass solche Verbrechen wie das heutige begangen werden“, warnte Putin in der Schwarzmeerstadt Sotschi. Der Führung in Ankara drohte er „ernsthaften Konsequenzen“ an. Wegen des Zwischenfalls sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow einen für diesen Mittwoch geplanten Besuch in Istanbul ab.

Der Krieg in Syrien und die Terroranschläge von Paris sollten am Dienstag auch zentrales Thema eines Treffens von Frankreichs Präsident François Hollande mit US-Präsident Barack Obama in Washington sein.

Hollande schmiedet an einer internationalen Koalition gegen die Terrormiliz IS. An diesem Mittwoch wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Paris sein, am Donnerstag ist Hollande dann bei Putin zu Gast.

Russlands Unterstützung für die syrische Regierung belastet das Verhältnis zwischen Moskau und Ankara schon seit längerem. Die Türkei ist ein Gegner des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Die russische Luftwaffe unterstützt Assad hingegen mit Angriffen gegen Rebellen. Das Außenministerium in Moskau bestellte am Dienstag zudem den türkischen Militärattaché ein.

Luftraum verletzt?

Die türkischen Streitkräfte t?eilten mit, ein Flugzeug unbekannter Herkunft habe den türkischen Luftraum verletzt und innerhalb von fünf Minuten zehn Warnungen ignoriert. Zwei türkische F16-Kampfflugzeuge hätten den fremden Jet vom Typ Suchoi Su-24 den Einsatzregeln entsprechend am Morgen in der Grenzregion Hatay attackiert. Es ist der erste offiziell bestätigte Verlust der russischen Streitkräfte seit Beginn ihrer Intervention im syrischen Bürgerkrieg im September.

Für die Behauptung, die Suchoi Su-24 habe den türkischen Luftraum verletzt, habe Ankara keine Beweise präsentiert, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag in Moskau. Über das Schicksal der russischen Piloten sei ihm nichts bekannt.

Syrische Rebellen schossen Aktivisten zufolge zudem im Nordwesten des Landes einen russischen Hubschrauber ab. Der Helikopter sei in einem vom Regime kontrollierten Gebiet notgelandet, nachdem er unter Feuer geraten sei, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Zu Opfern gab es in diesem Fall zunächst keine offiziellen Angaben.

"Ernsthafte Auswirkungen auf russisch-türkischen Beziehungen"

Kremlchef Putin bekräftigte, die Maschine habe bei ihrem Anti-Terror-Einsatz in Syrien keine Gefahr für die Türkei dargestellt. Türkische Kampfjets hätten sie einen Kilometer innerhalb syrischen Luftraums getroffen. Die Absturzstelle liege vier Kilometer innerhalb Syriens. „Das tragische Ereignis wird ernsthafte Auswirkungen auf die russisch-türkischen Beziehungen haben“, kündigte er bei einem Treffen mit dem jordanischen König Abdullah II. an. Putin kritisierte scharf, dass sich das Nato-Mitglied Türkei nach dem Abschuss nicht an Russland gewandt, sondern eine Nato-Sondersitzung einberufen habe.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu verteidigte den Abschuss. Die Türkei habe wiederholt vor der Verletzung ihrer Grenzen in der Luft und am Boden gewarnt. Diese Grenzen zu schützen sei „sowohl unser internationales Recht als auch unsere nationale Pflicht“. 

Nato-Sondersitzung angekündigt

Vertreter der Nato-Staaten wollten am Dienstag in Brüssel über den Abschuss beraten. Im Oktober waren russische Kampfjets unerlaubt in den türkischen Luftraum eingedrungen. Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte von einer schwerwiegenden Verletzung gesprochen.

dpa

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