37 Tote in Tunesien

Anschlag auf Touristen-Hotel: Deutsche unter den Opfern?

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Bei einem Anschlag auf ein Touristenhotel sind 28 Menschen getötet worden.

Tunis - Bei einem Angriff auf ein Touristenhotel sind in Tunesien nach offiziellen Angaben mehrere Menschen getötet und verletzt worden. Das Auswärtige Amt richtet einen Krisenstab ein.

Horror am Badestrand: Beim blutigsten Terroranschlag in Tunesiens jüngerer Geschichte sind 37 Menschen getötet worden, darunter mehrere ausländische Touristen. Wie die Behörden des nordafrikanischen Landes mitteilten, wurden bei dem Angriff auf das Strandhotel „Imperial Marhaba“ nahe der Stadt Sousse am Freitag 36 weitere Menschen verletzt.

Unter den 37 Opfern sind nach Angaben der tunesischen Regierung auch deutsche Urlauber. Das berichteten staatliche Medien am Freitag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium in Tunis. Vom Auswärtigen Amt gab es dafür zunächst keine Bestätigung.

Lokale Medien meldeten unter Berufung auf Augenzeugen, zwei Terroristen seien von der Strandseite aus auf das Hotelgelände vorgedrungen. Einer habe plötzlich aus einem zusammengefalteten Sonnenschirm ein Sturmgewehr hervorgeholt und auf Menschen geschossen, die am Strand lagen. In einer Feuergefecht hatten Sicherheitskräfte einen Angreifer getötet und später zahlreiche Sturmgewehre beschlagnahmt, hieß es aus Sicherheitskreisen in Tunesien. Bei dem getötete Terroristen handelt es sich demnach um einen Tunesier. Der zweite Angreifer sei festgenommen worden.

Der tunesische Radiosender Mosaique FM meldete unter Berufung auf das Innenministerium, unter den Opfern seien Deutsche und Briten. Die deutsche Botschaft riet allen Staatsbürger in einer per E-Mail versandten Mitteilung, die Umgebung des von tunesischen Sicherheitskräften abgeriegelten Tatorts zu meiden. Salwa al-Kadri, eine Reiseführerin, die sich nach der Tat in dem Hotel aufhielt, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Telefon, unter den Toten seien mehrere Deutsche. Die meisten Opfer stammten jedoch aus Großbritannien, fügte sie hinzu.

Tunesien brauche Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). „Der heutige Anschlag kann uns darin nur bestärken“, fügte er hinzu.

Erst im März waren in Tunesien bei einem Terrorangriff auf das berühmte Bardo-Museum in der Hauptstadt mehr als 20 Menschen getötet worden. Im April 2002 waren bei dem bis dahin schwersten Terroranschlag in Tunesien auf eine Synagoge in Djerba 21 Menschen ums Leben, darunter 14 deutsche Urlauber.

In Tunesien sind sowohl Anhänger des Terrornetzwerk Al-Kaida sowie der IS-Miliz aktiv. Am Montag ist der erste Jahrestag der Gründung des „Kalifats“ in Syrien und dem Irak durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Tui: Noch keine Erkenntnisse zu Hotel-Angriff

Nach dem Angriff auf ein Hotel nördlich des tunesischen Küstenortes Sousse mit zahlreichen Toten prüft der Reisekonzern Tui, ob deutsche Urlauber unter den Opfern sind. „Wir haben noch keine genauen Erkenntnisse, ob möglicherweise Gäste von uns betroffen sind“, sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Fest stehe derzeit nur, dass sich aktuell etwa 260 Urlauber aus Deutschland, die bei der Tui gebucht hatten, im Umkreis des Anschlagsortes aufhielten.

Im Kurznachrichtendienst Twitter kursierten Berichte, es handele sich bei dem attackierten Hotel um ein Haus der Riu-Gruppe. Diese Kette gehört zum Tui-Konzern mit Hauptsitz in Hannover.

Auswärtiges Amt richtet Krisenstab ein

Das Auswärtige Amt hat nach dem Anschlag auf ein Touristenhotel mit mindestens 37 Toten in Tunesien - darunter möglicherweise auch Deutsche - einen Krisenstab eingerichtet. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am Freitagnachmittag in Berlin: „Das ganze Ausmaß der Tat steht noch nicht fest. Wir wissen noch nicht, ob auch Deutsche unter den Opfern sind.“ Nach Angaben des Ministeriums bemüht sich die deutsche Botschaft in Tunis „mit Hochdruck“ um Aufklärung.

Ein Team der Botschaft machte sich auf den Weg zum Anschlagsort im Badeort Sousse, etwa 120 Kilometer von Tunis entfernt. Zudem richtete das Auswärtige Amt unter der Telefonnummer 030/5000 3000 eine Hotline ein.

dpa

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