Politiker verteidigen Absage des Länderspiels

Terroralarm in Hannover: Kein Sprengstoff gefunden

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Eine Szene vom Dienstagabend: Beamte in der Nähe des abgeriegelten Stadions in Hannover.

Hannover - Am Tag nach der Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover konnten die Behörden zunächst keine konkreten Ermittlungsergebnisse vermelden.  

Nach der Absage des Fußball-Länderspiels von Deutschland gegen die Niederlande wegen Sicherheitsbedenken haben die Ermittlungen zunächst keine konkreten Ergebnisse gebracht. Auch ist nicht sicher, ob der Hinweis auf einen drohenden Anschlag möglicherweise ein Fehlalarm war. „Wir wissen bis heute nicht, ob der Hinweis so zutraf“, sagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch in der Sendung „ZDF spezial“. Es gab keine Festnahmen und keinen Sprengstoff", resümierte eine Polizeisprecherin in Hannover. Auch nähere Details zu den Warnungen vor einem Anschlag gab es weiterhin nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und weitere Politiker verteidigten die Absage des Spiels.

Alle aktuellen Entwicklungen vom Mittwoch finden Sie in unserem News-Ticker zum Terror in Paris.

Kurz vor dem Anpfiff des Freundschaftsspiels zwischen Deutschland und den Niederlanden am Dienstagabend war das in Hannover geplante Spiel abgesagt worden. Nach Polizeiangaben gab es Hinweise auf ein geplantes Sprengstoffattentat. Die Absage kam vier Tage nach der Anschlagsserie von Paris mit 129 Toten.

Am Mittwoch zog sich die Polizei nach ihrer massiven Präsenz in der niedersächsischen Landeshauptstadt am Vorabend und in der Nacht wieder zurück. Während der Fahndung fanden die Beamten keine handfesten Beweise für einen bevorstehenden Anschlag.

Merkel sagte in Berlin, die Entscheidung, das Spiel abzusagen, sei nach dem Grundsatz "im Zweifel für die Sicherheit" getroffen worden. Großveranstaltungen in Deutschland stünden auch nach der Absage nicht grundsätzlich in Frage. Es sei nach wie vor möglich, "dass wir weiterhin große Veranstaltungen durchführen" und "dass wir uns an diesen Veranstaltungen erfreuen können." Die Absage eines Fußballspiels sei "vielleicht die schwierigste Entscheidung im Spannungsfeld von Freiheit und Sicherheit".

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) verteidigte die Absage trotz der ergebnislosen Fahndung ebenfalls. Sowohl das ursprüngliche Festhalten an dem Spiel trotz der Anschläge von Paris als auch die Absage aus Sicherheitsgründen seien richtig gewesen, sagte Weil in Hannover vor Journalisten. Es habe "seit dem frühen Abend konkrete Hinweise auf konkrete Gefahren" gegeben.

Stadion evakuiert: Terrorwarnung in Hannover - Bilder

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Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) wollte ebenso wie Weil weiter keine Details zu den Hinweisen auf eine Sicherheitsgefährdung geben. Wenn die Politik solche Angaben nach außen gebe, drohten die Quellen für diese Informationen zu versiegen, sagte Pistorius. Unterstützung bekam die Politik von der Polizei. Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, nannte die Spielabsage "unvermeidbar". Es habe einen "ernst zu nehmenden Hinweis" auf einen geplanten Anschlag gegeben.

Derweil entschied die Deutsche Fußball Liga (DFL), alle 36 Spiele der Ersten und Zweiten Bundesliga am kommenden Wochenende unverändert auszutragen. Die Sicherheitsbehörden in den Städten der gastgebenden Clubs entscheiden über die zu treffenden Sicherheitsvorkehrungen.

Der rheinland-pfälzische Innenminister und Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Roger Lewentz (SPD), forderte die Fans in einer Erklärung der DFL auf, auf das Zünden von Pyrotechnik und Böllern zu verzichten. Dies wäre in der aktuellen Lage geradezu fahrlässig.

Im Gegensatz zum deutschen Spiel konnte das erste Länderspiel der französischen Nationalmannschaft nach den Anschlägen vom Freitag stattfinden. Beim Gastspiel gegen England im Londoner Wembley-Stadion sangen Dienstagabend tausende Fans beider Mannschaften gemeinsam die französische Nationalhymne. Die Besucher auf der Tribüne bildeten eine riesige französische Flagge, ein großes Banner trug die berühmte Losung "Liberté, Egalité, Fraternité".

AFP

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