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Terror von Paris: Was wir wissen - und was nicht

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Nach dem Terror in Paris sind noch immer viele Fragen offen. 

Paris - Stück für Stück fügen die Ermittler nach den verheerenden Terroranschlägen von Paris die Puzzleteile zusammen. Es sind aber auch noch viele Fragen offen.

Update vom 19. November 2015: Natürlich halten wir Sie weiterhin mit allen News zum Terror von Paris auf dem Laufenden. Hier geht es zu unserem News-Ticker.

Update vom 17. November 2015: Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat auf die Kriegserklärung des Hacker-Netzwerkes Anonymous reagiert. Was Sie außerdem zu den Terroranschlägen in Paris wissen müssen, erfahren Sie in unserem News-Ticker.

Was wir wissen:

  • Die Attacken wurden von drei Terrorkommandos verübt. Sie schlugen am Freitagabend an sechs Orten in Paris und im Vorort Saint-Denis koordiniert zu, schossen wahllos auf Menschen oder sprengten sich selbst in die Luft. Die Angreifer benutzten Sturmgewehre des Typs Kalaschnikow und trugen identische Sprengstoffwesten.
  • Die meisten Opfer gab es beim Überfall auf ein Rockkonzert im Konzerthaus „Bataclan“. Auch mehrere Cafés und Restaurants in der Nähe wurden beschossen. Drei Selbstmordattentäter sprengten sich vor dem Fußball-Stadion Stade de France in die Luft, wo die deutsche Nationalmannschaft gegen Frankreich spielte. Die Terroristen wollten auch ein Blutbad im Stadion anrichten, gelangten aber nicht hinein.
  • Mindestens 129 Menschen wurden getötet, 352 weitere teils lebensgefährlich verletzt. Unter den Todesopfern ist ein 28-jähriger Architekt aus Oberbayern, der schon länger in Paris lebte.
  • Sieben Terroristen starben. Einer wurde erschossen, sechs sprengten sich in die Luft. Zuerst war von acht getöteten Angreifern die Rede. Inzwischen sind fünf der sieben toten Attentäter identifiziert.
  • Mindestens ein Terrorverdächtiger ist auf der Flucht. Belgiens Justiz schrieb den 26-jährigen Salah Abdeslam, Bruder eines der Selbstmordattentäter, am Sonntag international zur Fahndung aus. Abdeslam hatte einen Polo mit belgischem Kennzeichen angemietet, der in der Nähe des „Bataclan“ gefunden wurde. Stunden nach dem Anschlag geriet er nahe der belgischen Grenze in einem anderen Auto mit zwei Mitreisenden in eine Routinekontrolle, die Polizei ließ ihn aber weiterfahren. Ein vorübergehend festgenommener dritter Bruder ist wieder frei.
  • Möglicherweise gelang überlebenden Angreifern die Flucht. Ermittler stellten am Sonntag östlich von Paris einen Seat sicher, aus dem heraus die Attentäter die Cafés und Restaurants beschossen hatten. Darin wurden nach Medienberichten drei Kalaschnikows gefunden.
  • Die Attentate wurden nach Erkenntnissen der Ermittler von Syrien aus „organisiert“ und „geplant“. Drahtzieher soll laut Medien Abdelhamid Abaaoud sein, der meistgesuchte Islamist Belgiens. Der 28-jährige Belgier mit marokkanischen Wurzeln lebte früher in der Brüsseler Islamistenhochburg Molenbeek, zuletzt soll er sich in Syrien aufgehalten und für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gekämpft haben.
  • Frankreich macht den IS für die Taten verantwortlich. Die Organisation bekannte sich in einer zunächst nicht verifizierbaren Erklärung im Internet zu den Anschlägen. Die Angreifer sollen beim Überfall auf das „Bataclan“ „Allah ist groß“ gerufen und ihre Taten mit der Situation in Syrien und im Irak begründet haben. In beiden Ländern fliegt Frankreich Luftangriffe.
  • Einer der „Bataclan“-Attentäter war der 29-jährige Franzose Omar Ismaïl Mostefaï. Der mehrfach vorbestrafte Kleinkriminelle war den Behörden wegen seiner Radikalisierung bekannt, fiel aber bisher nicht im Zusammenhang mit Terrornetzwerken auf. Die Türkei will Frankreich aber 2014 vor Mostefaï gewarnt haben - ohne Reaktion.
  • Ebenfalls im „Bataclan“ sprengte sich Samy Amimour (28) in die Luft. Er wurde mit internationalem Haftbefehl gesucht, nachdem er 2012 der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung beschuldigt wurde und 2013 untergetaucht war.
  • Zwei weitere Selbstmordattentäter wurden als 20 und 31 Jahre alte französische Staatsangehörige identifiziert, die in Belgien lebten.
  • Bei den Überresten eines der Selbstmordattentäter vom Stade de France wurde ein syrischer Pass gefunden. Es verdichten sich die Hinweise, dass dieser Mann und ein weiterer Attentäter gemeinsam als Flüchtlinge getarnt in die EU einreisten. Einer von ihnen, ein 25-Jähriger namens Ahmed al-Mohammed, soll am 7. Oktober in Serbien eingetroffen sein. Am 3. Oktober war er laut griechischen Behörden als Flüchtling auf der Insel Leros registriert worden. Nach Medieninformationen aus Polizeikreisen könnte auch sein mutmaßlicher Komplize über die Türkei nach Griechenland eingereist sein. Beide sollen zusammen von Leros aus die Fähre nach Piräus genommen haben.
  • Die Polizei durchsuchte am Samstagabend im Brüsseler Stadtteil Molenbeek mehrere Wohnungen und nahm sieben Menschen fest. Einer der Festgenommenen soll am Freitagabend in Paris gewesen sein. Bei der Aktion wurde auch der Wagen sichergestellt, der zuvor in die Routinekontrolle geraten war. Am Montag gab es in Molenbeek erneut eine große Polizeiaktion. In Frankreich wurden bei einem landesweiten Anti-Terror-Einsatz 23 Personen festgenommen.
  • Ein weiterer verdächtiger Mietwagen mit belgischem Kennzeichen wurde in der Nähe des Pariser Friedhofs Père Lachaise entdeckt.

Was wir nicht wissen:

  • Am Montag war immer noch unklar, ob unter den Toten und Verletzten weitere Deutsche sind.
  • Offen ist nach wie vor, wie viele Terroristen und Komplizen es insgesamt gab - und damit auch, wie viele Täter noch auf freiem Fuß sind. Besteht noch akute Gefahr?
  • Noch sind nicht alle getöteten Attentäter identifiziert. Lebten sie in Frankreich oder kamen sie aus dem Ausland? In welcher Verbindung standen die Terroristen zueinander, wie organisierten sie sich? Und welche Rolle spielte der angebliche Drahtzieher Abaaoud? Fragen wirft auch der gefundene syrische Pass auf. Warum hatte ihn der Attentäter überhaupt bei sich? Noch ist die Echtheit nicht bestätigt, die Fingerabdrücke des toten Terroristen stimmen aber mit denen des in Griechenland registrierten Mannes überein.
  • Rätsel gibt ein Mann aus Montenegro auf, der vor gut einer Woche von der Polizei in Oberbayern mit Maschinenpistolen, Handgranaten und Sprengstoff im Auto gestoppt wurde. Angeblich war er damit auf dem Weg nach Paris. Ein Zusammenhang mit den Anschlägen wird geprüft.
  • Unklar ist auch die Rolle eines nach den Anschlägen im Sauerland festgenommenen Algeriers. Er soll gegenüber Mitbewohnern in einer Flüchtlingsunterkunft geäußert haben, dass in Paris etwas passieren werde. Wusste er wirklich etwas? Oder wollte er sich nur wichtig tun?

dpa

Terror in Paris: Die Ereignisse vom Montag im News-Ticker.

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