NSU-Prozess

Streit zwischen Zschäpe-Verteidigung und Nebenklägerin eskaliert

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Beate Zschäpe mit ihren Anwälten: Die verlangten am Donnerstag, eine Nebenklägerin aus der Kölner Keupstraße vom verfahren auszuschließen.  

München - Sind tatsächlich alle Nebenkläger im NSU-Prozess auch im juristischen Sinne Opfer der rechtsextremen Terrorgruppe? Die Verteidiger von Beate Zschäpe bezweifeln das - und fordern eine Entscheidung des Gerichts.

Im Münchner NSU-Prozess eskaliert der Streit zwischen der Verteidigung der Hauptangeklagten Beate Zschäpe und Teilen der Nebenklage. Zschäpes Anwälte verlangten am Donnerstag, eine Nebenklägerin aus der Kölner Keupstraße sowie deren Anwalt Alexander Hoffmann von dem Verfahren auszuschließen.

Dabei attackierten sie Anwalt Hoffmann mit scharfen Worten und warfen ihm „impertinente und geschmacklose Unterstellungen“ vor. Hoffmann hatte den Zschäpe-Verteidigern in der vergangenen Woche vorgeworfen, „den Prozess gegen die Nebenklage zu drehen“ und seine Mandantin der Lüge zu bezichtigen. Hoffmann reagierte am Donnerstag auf den Antrag der Zschäpe-Verteidiger mit dem Vorwurf, sie wollten einen „unbequemen Vertreter rausschießen“.

In ihrem Antrag argumentieren die Verteidiger, die Nebenklägerin sei nicht „Verletzte“ eines versuchten Mordes und einer gefährlichen Körperverletzung. Folglich bestehe kein Recht zur Nebenklage. Die „Voraussetzungen für eine fortgesetzte Hinzuziehung eines Rechtsanwalts“ lägen nicht vor.

Die Nebenklägerin hatte sich zu dem Zeitpunkt, als 2004 die Nagelbombe in der Keupstraße explodierte, in einem hinteren Zimmer ihrer Wohnung aufgehalten. Sie hatte später eine Veranstaltung besucht, auf der auch ihr Anwalt als Redner auftrat. Nach Ermittlungen des BKA hatte sie bei dieser Gelegenheit den Anwalt engagiert.

Um die Tätigkeit einiger Nebenkläger-Anwälte gibt es seit Prozessbeginn immer wieder Diskussionen. Vergangene Woche hatte ein Zeuge im Prozess ausgesagt, er sei gegen seinen Willen von einem Anwalt als Nebenkläger angemeldet worden.

Das Münchner Gericht hörte am Donnerstag zudem ein weiteres Mitglied der Chemnitzer Neonazi-Szene als Zeugen an. Dieser Mann spielte als Gitarrist in einer Neonazi-Band namens „Noie Werte“, mit deren Musik eines der Bekennervideos des NSU unterlegt ist. Mitglieder dieser Band waren Neonazis aus Sachsen und Baden-Württemberg. Der Sänger ist von Beruf Rechtsanwalt und war vorübergehend Kanzleipartner von Nicole Schneiders, die im Münchner Prozess den mitangeklagten Ralf Wohlleben verteidigt.

Derweil bleibt weiter unklar, ob für den mutmaßlichen NSU-Unterstützer Carsten S. am Ende das Erwachsenen- oder das Jugendstrafrecht angewendet werden soll. Ein Jugendgerichtshelfer gab am Donnerstag noch keine entsprechende Empfehlung ab, das Gutachten eines Psychiaters wurde vom Gericht noch einmal vertagt. Der Diplom-Sozialarbeiter Manfred B. berichtete nur von seinen Gesprächen mit S., der die Beschaffung und Übergabe einer Waffe an den „Nationalsozialistischen Untergrund“ zugegeben hat. Demnach habe S. einst auch deshalb Zugang in die rechte Szene gefunden, weil er sich Ende der 90er Jahre zu einem rechtsextremen Mit-Lehrling hingezogen gefühlt habe.

dpa

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