Großoffensive zur Übernahme

Türkei lässt Peschmerga-Kämpfer nach Kobane

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Ein türkischer Panter an der türkisch-syrischen Grenze.

Kobane - Die Türkei hat den Weg für Peschmerga-Kämpfer ins syrische Kobane freigemacht. 200 Soldaten dürfen türkisches Territorium passieren, um Kurden in der Grenzstadt gegen IS zu unterstützen.

Die kurdischen Verteidiger der syrischen Stadt Kobane können auf baldige Verstärkung im Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hoffen. Die Türkei lässt nach Angaben von Präsident Recep Tayyip Erdogan vom Donnerstag zunächst 200 Peschmerga-Kämpfer aus dem Nordirak über ihr Territorium in die Kurdenenklave an der Grenze passieren. IS-Einheiten starteten vor diesem Hintergrund eine Großoffensive zur Übernahme von Kobane.

Erdogan sagte bei einem Besuch in Riga, die syrisch-kurdische Partei PYD - deren Kämpfer Kobane verteidigen - und die Autonomieregierung Kurdistan im Nordirak hätten sich auf die Zahl der zu Hilfe kommenden Peschmerga-Soldaten geeinigt. Der unmittelbare Landweg durch Syrien nach Kobane wird von IS-Kämpfern kontrolliert.

Nach Angaben aus dem Nordirak soll die Verstärkung innerhalb von wenigen Tagen in der umkämpften Ortschaft ankommen. Der Vize-Sprecher für auswärtige Angelegenheiten in Kobane, Idris Nassan, sagte der Nachrichtenagentur dpa ebenfalls, dass die Einsatztruppe der Peschmerga derzeit noch vorbereitet, aber „sehr bald“ in Kobane eintreffen werde.

Kurdische Kämpfer leisten seit mehr als einem Monat mit Unterstützung von Luftschlägen der internationalen Anti-IS-Koalition erbitterten Widerstand gegen die Dschihadisten. Nach Angaben der oppositionsnahen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte marschierten IS-Einheiten zuletzt aber wieder vor und nahmen einen rund drei Kilometer langen Korridor von dem Hügel Tell Schair bis zur Stadtgrenze ein. Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) halten somit nur noch den knapp drei Quadratkilometer großen Stadtkern Kobanes.

Der Korridor im Westen diente den kurdischen Verteidigern unter anderem als Landestreifen für die am Montag von US-Flugzeugen abgeworfenen Waffenlieferungen sowie als Pufferzone zum Grenzübergang in die Türkei. Gegenwärtig würden die IS-Kämpfer nach Angaben der Aktivisten die Enklave weiter von Nordwest angreifen und versuchen, sie von ihrem lebenswichtigen Grenzzugang abzuschneiden. Internationale Kampfjets flogen nach Angaben des US-Kommando (Central Command/CENTCOM) am Mittwoch und Donnerstag bis zum Nachmittag insgesamt 15 Luftangriffe im Irak und Syrien, davon vier in Kobane.

Die Terrormiliz IS, die Zehntausende Kämpfer in ihren Reihen hat, hält seit Juni große Gebiete in Syrien und im Irak unter Kontrolle. Am 8. August begannen im Irak die internationalen Angriffe gegen die Dschihadisten, seit dem 23. September fliegt die Koalition auch Kampfeinsätze in Syrien. Insgesamt seien in Syrien seither mindestens 553 Menschen durch Luftschläge getötet worden, teilte die Menschenrechtsbeobachtungsstelle mit. Die große Mehrheit der Getöteten seien Dschihadisten.

Die Bundesregierung prüft außer Waffenlieferungen für kurdische Kämpfer nun auch eine Ausbildungsmission der Bundeswehr im Irak. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bestätigte, dass dafür demnächst eine Erkundungsreise von Verteidigungsministerium und Auswärtigem Amt starten soll. Dabei gehe es um die Überlegung, dass man in der nordirakischen Provinzhauptstadt Erbil „zusätzliche Ausbildung betreiben kann“. An einer solchen Mission sollen sich auch andere EU-Partner beteiligen. Zur möglichen Personalstärke äußerte er sich nicht. Im Gespräch ist nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag) eine Ausbildertruppe von 200 bis 300 Mann, darunter etwa 100 Deutsche.

dpa

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