Saudi-Arabien bietet Feuerpause im Jemen ab Dienstag an

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Frauen in Sanaa beschaffen sich Trinkwasser. Die Versorgung mit Wasser und Strom verschlechtert sich im Jemen von Tag zu Tag. Foto: Yahya Arhab

Eine humanitäre Waffenruhe soll der notleidenden Bevölkerung im Jemen Hilfe bringen. Doch noch ist unklar, ob sich die Konfliktparteien daran halten werden. Bis zu ihrem möglichen Beginn will Riad im Huthi-Kernland noch einmal hart zuschlagen.

Paris/Saada dpa) - Sechs Wochen nach Beginn der Luftangriffe gegen die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen hat Saudi-Arabien eine humanitäre Waffenruhe ab kommendem Dienstag (12. Mai) in Aussicht gestellt.

Die fünftägige Feuerpause werde aber nur dann umgesetzt werden, wenn sich auch die Huthis daran halten, erklärte der saudische Außenminister Adel al-Dschubair am Freitag in Paris. "Wir hoffen, dass die Huthis zu Verstand kommen und der Waffenruhe zustimmen", sagte er. Die Maßnahme soll den Transport von Hilfslieferungen für die notleidende Bevölkerung ermöglichen.

Im Jemen kämpfen vom Iran unterstützte Huthi-Rebellen gegen Anhänger des nach Riad geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Eine von Saudi-Arabien geführte Militärallianz bombardiert seit dem 26. März Stellungen und Waffenlager der Huthis. Bei Kämpfen und Luftangriffen wurden seitdem nach UN-Angaben mindestens 646 Zivilisten getötet und 1364 weitere verletzt.

Die Idee einer fünftägigen Feuerpause hatte Al-Dschubair bereits am Vortag in Riad ins Spiel gebracht. Am Donnerstag hatte er allerdings den Zeitpunkt ihres Beginns noch offengelassen. Die Ankündigung erfolgte im Rahmen des Besuchs von US-Außenminister John Kerry in der saudischen Hauptstadt. Am Freitag traf Kerry in Paris erneut mit Al-Dschubair zusammen.

Die saudischen Luftangriffe vermochten den Vormarsch der Huthis auf die südliche Hafenmetropole Aden einigermaßen zu stoppen. Doch wurden auch viele Zivilisten getroffen. Die Bombardierung von Flughäfen und die Blockade der jemenitischen Häfen schnitten die Bewohner des ärmsten arabischen Landes zudem von der Versorgung mit Lebensmitteln und Treibstoff ab. Internationale Hilfsorganisationen sprechen von einer nahenden humanitären Katastrophe.

Die Ankündigung der Waffenruhe trug offenbar dieser Besorgnis Rechnung. Sie stand allerdings in augenscheinlichem Widerspruch zum Kampfgeschehen im Jemen selbst. Saudische Flugzeuge warfen am Freitag über der nordjemenitischen Huthi-Hochburg Saada Flugblätter mit der Aufforderung an die Bevölkerung ab, die Stadt bis Sonnenuntergang zu verlassen. "Ab 1900 Uhr (1800 Uhr MESZ) ist Saada legitimes militärisches Ziel", hieß es im Text der Flugblätter.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) wies darauf hin, dass derartige Aufforderungen keinen Freibrief für unterschiedslose Bombardierungen darstellen. "Mit oder ohne vorausgehende Warnung: direkte Angriffe auf Zivilisten oder zivile Objekte sind nach dem humanitären Völkerrecht verboten", schrieb das IKRK-Team im Jemen im Kurznachrichtendienst Twitter. 

Das saudische Ultimatum löste eine Massenflucht aus, wie Augenzeugen berichteten. Viele Bewohner konnten aber die Stadt nicht verlassen, weil derzeit Treibstoffknappheit herrscht oder weil sie nicht wussten, wohin sie flüchten sollten, wie Betroffene mitteilten.

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