Irak für Luftangriffe offen

Russland bombt in Syrien - Nicht nur der IS im Visier

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Kremlchef Putin weckt mit seinen Bombenangriffen in Syrien internationales Misstrauen.

Moskau - Die Lage im syrischen Bürgerkrieg ist extrem kompliziert. Nun haben russische Kampfjets erstmals Ziele bombardiert. Aber welche? Den Islamischen Staat oder doch Rebellen gegen Russlands Partner Assad?

Die USA haben starke Zweifel daran, dass der erste Einsatz russischer Kampfflugzeuge in Syrien Stellungen des Islamischen Staates IS gegolten hat. US-Verteidigungsminister Ash Carter sagte im Pentagon: „Es scheint, dass sie in Gegenden waren, wo vermutlich keine IS-Kräfte waren.“ Russlands erklärter Kampf gegen den IS und die gleichzeitige Unterstützung Assads drohe die Lage eskalieren zu lassen. Russland „gießt Öl ins Feuer“, sagte Carter.

Das russische Militär greife aber nicht nur die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an, sondern auch andere Gruppen, räumte Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau ein. Es gebe eine Liste mit Organisationen, die bekämpft werden sollen, sagte er der Agentur Interfax zufolge. Konkrete Namen nannte er nicht. Die oppositionelle Freie Syrische Armee sei aber keine Terrororganisation sagte Außenminister Lawrow in New York. Er reagierte damit auf die Vorwürfe des Westens, dass auch moderate Kräfte und Zivilisten Opfer russischer Bombenangriffe in Syrien geworden seien.

Hinzu kommt, dass in den vergangenen Tagen rund hundert Soldaten aus dem Iran nach Syrien entsandt wurden, um bei einer Großoffensive im syrischen Norden die einheimische Armee zu unterstützen. Das berichtet die Bild-Zeitung.

Unterschiedliche Aussagen der USA und Russlands

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau wurden am Mittwoch mit 20 Luftangriffen acht IS-Stellungen beschossen. Die syrische Führung begrüßte das russische Engagement.

Die russische Position sei zutiefst widersprüchlich, sagte Carter. Ohne eine politische Lösung gebe es in Syrien keinen Fortschritt. Vertreter des Pentagon sollten sobald wie möglich mit der russischen Seite zusammentreffen, sagte Carter. Er erwarte dies in den nächsten Tagen.

Peskow wies Berichte zurück, wonach Russland die USA zum Verlassen des syrischen Luftraums während der Angriffe aufgefordert habe. „Das ist nicht korrekt“, sagte Peskow. Im Unterschied zu Syrien habe die Führung des Irak, wo der Islamische Staat ebenfalls aktiv ist, Russland nicht um militärische Unterstützung geben. Allerdings hat sich das im Laufe des Mittwochs geändert. Wie der französische Sender France 24 berichtet, ist der Irak nun offen für mögliche russische Luftangriffe. Solche Angriffe im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) seien "eine Möglichkeit", sagte der irakische Regierungschef Haider al-Abadi.

Außenamtssprecherin Maria Sacharowa sagte, Russland sei zur Aufklärung über seine Luftangriffe bereit. „Wir haben die internationale Gemeinschaft über die Schritte informiert, die wir unternommen haben - und wir werden Interessierten auch weiter alle Informationen gewähren“, betonte sie der Agentur Interfax zufolge.

Lawrow kündigte Gespräche mit den USA über das weitere Vorgehen an. Putin sagte, er hoffe auf einen Austausch von geheimdienstlichen Daten mit Washington.

Generalmajor berichtet von ersten Treffern

Dem russischen Generalmajor Igor Konaschenkow zufolge wurden IS-Munitionsdepots und -Treibstofflager sowie Kommandostellen im Gebirge vollständig zerstört. „Alle Attacken wurden nach den Daten der syrischen Armee durchgeführt“, sagte er laut Agentur Interfax. Ziele in der Nähe ziviler Objekte seien nicht angegriffen worden.

Aber syrischen Aktivisten zufolge attackierten die Kampfflugzeuge Orte nördlich von Homs. Diese werden von gemäßigten Rebellen gehalten. Russland sei durch die Angriffe zum Partner des Regimes bei der Tötung des syrischen Volkes geworden, erklärten die Aktivisten. Bei den Angriffen seien mindestens 27 Menschen gestorben.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte: „Es wird nicht helfen, Assad zu unterstützen. Das ist kein konstruktiver Beitrag zu einer politischen Lösung.“ Er sagte, die Nato sei von der russischen Seite formell über deren Militäreinsatz informiert worden.

Putin sieht sich auf dem richtigen Weg

Putin nannte die Intervention seines Landes den „einzigen Weg im Kampf gegen den internationalen Terrorismus“. Er rechne mit Assads Kompromissbereitschaft bei der Beilegung der Krise.

Putin hatte vor den Vereinten Nationen am Montag einen gemeinsamen Kampf gegen den IS gefordert. Er schlägt eine Allianz vor, an der sich auch die Armee des syrischen Regimes beteiligen soll.

Im Pentagon sagte Minister Carter, eine internationale Anti-IS-Koalition aus mehr als 60 Ländern existiere bereits unter Führung der USA. Sie habe bisher 7100 Luftangriffe geflogen und werde dies fortsetzen.

dpa/AFP

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