Ostukraine: Separatisten weisen Hilfsorganisationen aus

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Trotz einer schweren humanitären Notlage haben die Separatisten in der Ostukraine zahlreiche internationale Hilfsorganisationen aus dem Unruhegebiet ausgewiesen. Das Verbot betreffe auch Mitarbeiter der Vereinten Nationen, sagte UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien. Foto: Yahya Arhab

Beschädigte Krankenhäuser, zerstörte Stromleitungen, hohe Preise: Nach monatelangen Kämpfen ist die Infrastruktur in der Ostukraine nahezu ruiniert. Nun steht auch die wichtige Hilfe internationaler Organisationen für die notleidende Bevölkerung vor dem Aus.

Donezk/New York (dpa) - Trotz einer schweren humanitären Notlage haben die Separatisten in der Ostukraine zahlreiche internationale Hilfsorganisationen aus dem Unruhegebiet ausgewiesen. Das Verbot betreffe auch Mitarbeiter der Vereinten Nationen, sagte UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien.

Die Helfer sollten noch am Freitag aus dem Krisengebiet Luhansk ausreisen. Die EU-Kommission kritisierte die Ausweisungen und warnte vor den Folgen für die notleidenden Menschen.

O'Brien sprach von einer beunruhigenden Entwicklung. Demnach wiesen die prorussischen Aufständischen Anträge von UN-Mitarbeitern und Nichtregierungsorganisationen zurück, in dem Gebiet helfen zu dürfen - obwohl die dortige Infrastruktur durch Kämpfe stark beschädigt ist. Separatistensprecher Denis Puschilin sagte in Donezk, die UN-Mitarbeiter hätten nicht die nötigen Dokumente eingereicht.

Die Aufständischen bezeichneten das Internationale Rote Kreuz als "einzige zugelassene humanitäre" Organisation. Dagegen seien etwa die Ärzte ohne Grenzen unerwünscht, da sie "psychoaktive Medikamente" (Rausch- und Aufputschmittel) gelagert hätten, sagte Wassili Nikitin von den Aufständischen in Luhansk. Er sprach von insgesamt zehn abgewiesenen Organisationen, die aber erneut einen Antrag stellen könnten.

Auch die tschechischen Helfer von People in Need müssen ihre Sachen packen. "Wir sind uns keiner Verstöße bewusst. Gegen internationales Recht verstößt eher die andere Seite", sagte der Leiter Simon Panek in Prag. Er sorge sich nun um alte und kranke Menschen. "Ich weiß nicht, wie die dortige Führung nun vor dem Winter die humanitäre Hilfe sichern will", meinte Panek.

Der für humanitäre Angelegenheiten zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides warnte vor den Folgen. "Es gibt Hunderttausende Menschen in der Gegend von Luhansk, die dringend Hilfe brauchen", teilte er am Abend in Brüssel mit. "Die Entscheidung wird die Not der bereits betroffenen Zivilbevölkerung nur verschlimmern." Hilfe müsse so schnell wie möglich wieder anlaufen können.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck nannte den Schritt der Separatisten, die internationale Hilfe zu beschränken, eine "unverfrorene und inhumane" Entscheidung. Der US-Botschafter in Kiew, Geoffrey Pyatt, sprach von einem Verstoß gegen das Minsker Abkommen.

Die von der prowestlichen Regierung in Kiew abtrünnigen Gebiete Donezk und Luhansk unterliegen einer Wirtschaftsblockade. Vor allem ältere Menschen sind dort auf Hilfe angewiesen. Russland schickt seit Monaten Lastwagen in die Region - mit dem Hinweis, dass sie humanitäre Güter transportieren. Die Regierung in Kiew protestiert dagegen, weil sie die Autos im Kriegsgebiet nicht kontrollieren kann.

Die Regierung in Kiew verbot russischen Airlines Flüge in die Ukraine. Damit bestraft die prowestliche Führung Russland für seine Unterstützung für Separatisten im Kriegsgebiet Donbass. "Flugzeuge mit der russischen Trikolore haben nichts in ukrainischen Flughäfen zu suchen", teilte Regierungschef Arseni Jazenjuk am Freitag in Kiew mit.

Derzeit hält eine Anfang September ausgerufene Feuerpause zwischen Separatisten und Regierungseinheiten in der Region weitgehend. Uneinigkeit besteht aber über einen angestrebten Waffenabzug von der Front sowie über Kommunalwahlen in den abtrünnigen Gebieten.

Rotes Kreuz, Englisch

People in Need

Mitteilung von Marieluise Beck

Mitteilung der EU-Kommission - Englisch

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