Oberlandesgericht München

Lautstarker Krach im NSU-Prozess: Wohlleben will Richter ablehnen

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Ralf Wohlleben am Donnerstag im Saal des Oberlandesgerichts.

München - Die Verteidigung des mutmaßlichen Terrorhelfers Ralf Wohlleben hat am Donnerstag einen Befangenheitsantrag angekündigt. Was der Grund dafür war. 

Nach einem lautstarken Krach mit dem Vorsitzenden Richter im Münchner NSU-Prozess hat die Verteidigung des mutmaßlichen Terrorhelfers Ralf Wohlleben am Donnerstag einen Befangenheitsantrag angekündigt. Die Sitzung wurde für zwei Stunden unterbrochen.

Der Streit war während der Aussage eines BKA-Ermittlers ausgebrochen, der sich an zwei Stellen offensichtlich versprochen hatte. Wohlleben-Verteidiger Wolfram Nahrath meldete sich daraufhin zu Wort, wurde vom Vorsitzenden Richter Manfred Götzl aber sofort unterbrochen. Nach einem kurzen Wortgefecht verzichtete er darauf, seinen Einwand vorzubringen. Gleich darauf verlangte ein weiterer Wohlleben-Verteidiger, Olaf Klemke, eine Unterbrechung und kündigte dann den Befangenheitsantrag an.

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Der Zeuge hatte gesagt, er habe auf einer Computerfestplatte 463 Videodateien entdeckt, von denen 526 für die Produktion des Paulchen-Panther-Bekennervideos „relevant“ gewesen seien - er hatte dabei also offensichtlich die Zahlen verwechselt. An einer anderen Stelle sprach er von einer Videodatei aus dem November 2011, die im Jahr 2012 für die Produktion relevant werde. Im November 2011 war der NSU aber aufgeflogen und wenig später Beate Zschäpe festgenommen worden; gemeint waren daher wohl die Jahre 2001 und 2002.

Ursprünglich war für Donnerstag eine weitere Aussage Zschäpes geplant. Ob die noch stattfinden kann, war zunächst offen. Zschäpe ist die einzige Überlebende des NSU-Trios und muss sich als mutmaßliche Mittäterin für die Serie von zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen verantworten. Donnerstag ist der 257. Verhandlungstag in dem Mammutprozess.

dpa

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