Demonstranten vermuten Massaker

Mexiko: Wütende Proteste wegen vermissten Studenten

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"Es wird Zeit, dass der Präsident zurücktritt".

Mexiko-Stadt - Mit Tränengas und Wasserwerfer ist die mexikanische Polizei am Donnerstag gegen Demonstranten vorgegangen. Die Protestler fordern den Rücktritt des Präsidenten.

Erneut sind in Mexiko zehntausende Demonstranten auf die Straße gegangen, um gegen das mutmaßliche Massaker an 43 Studenten zu protestieren. Vor dem Nationalpalast in der Hauptstadt Mexiko-Stadt lieferten sich wütende Protestler am Donnerstag heftige Zusammenstöße mit der Polizei, die Wasserwerfer und Tränengas einsetzte. Angesichts der Proteste wurde die jährliche Parade zur Feier der mexikanischen Revolution abgesagt.

"Es wird Zeit, dass der Präsident zurücktritt", riefen die rund 30.000 schwarz gekleideten Demonstranten, die dunkel eingefärbte mexikanische Flaggen schwenkten. Der Protestzug wurde angeführt von den Eltern der Ende September verschleppten und mutmaßlich ermordeten Studenten. "Wir werden nicht ruhen, bis wir unsere Jungs wiederfinden", sagte Felipe de la Cruz, der Vater eines der Vermissten, der mit anderen Angehörigen zuvor eine Woche durchs Land getourt war.

Nach dem zunächst friedlichen Protestzug verbrannte eine Gruppe Demonstranten ein Bild von Präsident Enrique Peña Nieto und warf Feuerwerkskörper auf den abgeriegelten Palast, der vom Präsidenten für Empfänge und Zeremonien genutzt wird. Einige mit Stöcken und Eisenstangen bewaffneten Demonstranten griffen die Sicherheitskräfte an, die Polizei ging daraufhin mit Wasserwerfern und Tränengas gegen die Menge vor.

Die Polizei räumte schließlich den zentralen Zócalo-Platz, an dem der Nationalpalast liegt. Nach Behördenangaben wurden 31 Menschen festgenommen. Ein AFP-Fotograf berichtete von mindestens fünf Verletzten. Bereits vor den Protesten auf dem Zócalo-Platz hatte es auf einer Straße zum Flughafen Zusammenstöße mit der Polizei gegeben. Die Demonstranten, die Feuerwerkskörper zündeten und Brandsätze auf die Polizei warfen, blockierten die Straße eine Stunde lang.

Wegen der Proteste wurde die für Donnerstag geplante jährliche Parade zur Feier der Revolution von 1910 abgesagt. Präsident Peña Nieto verurteilte bei einer Militärzeremonie die Gewalt bei den Protesten. "Mexiko leidet, aber der einzige Weg, diesen Schmerz zu lindern ist durch Frieden und Gerechtigkeit", sagte der Präsident. Verteidigungsminister Salvador Cienfuegos sagte, Gewalt führe nur zu sozialer Rückständigkeit, Instabilität und Unregierbarkeit.

Auch in anderen Städten Mexikos gab es Proteste, darunter in Chilpancingo, der Hauptstadt des südlichen Bundesstaats Guerrero, wo die Studenten verschwunden waren. Auch in Bolivien protestierten tausende, während in El Salvador 200 Menschen ihre Solidarität mit den Familien der Vermissten demonstrierten.

Für Präsident Peña Nieto hat sich der Fall der vermissten Studenten zur größten Krise seiner Amtszeit ausgewachsen. Die 43 jungen Männer waren Ende September in Iguala in Guerrero nach einer Spendensammelaktion von der Polizei festgenommen und später offenbar einer verbündeten Drogenbande ausgehändigt worden. Laut der Staatsanwaltschaft töteten die Drogengangster die Lehramtsstudenten anschließend und verbrannten ihre Leichen auf einer Müllkippe.

Eine DNA-Analyse der verbrannten Überreste soll nun Gewissheit schaffen. Doch die Angehörigen misstrauen den staatlichen Ermittlungen und fordern eine Prüfung durch unabhängige Experten. Die Angehörigen wollen den Tod ihrer Söhne erst akzeptieren, wenn er einwandfrei bewiesen ist. Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf die grassierende Drogenkriminalität in Mexiko, wo Polizei und Behörden vielfach von der Drogenmafia unterwandert sind.

AFP

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