Polizei verbietet umstrittene Aktion

Künstler wollten Leichen am Kanzleramt begraben

Berlin - Aus dem Plan von Aktivisten, am Sonntag auf dem Vorplatz des Kanzleramtes Leichen von im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlingen zu begraben, um auf deren Schicksal aufmerksam zu machen, wird nichts.

Die für Sonntag geplante umstrittene Kunstaktion mit Leichen von Flüchtlingen vor dem Kanzleramt darf in dieser Form nicht stattfinden. Die Berliner Polizei untersagte nach "Spiegel"-Informationen, dass die Künstlergruppe "Zentrum für politische Schönheit" den Vorplatz des Kanzleramts aufstemmt. Dort wollten sie einen "Friedhofsfeld der Superlative" anlegen und Leichen von Flüchtlingen bestatten, die im Mittelmeer ertrunken waren, um auf das Schicksal von Tausenden aufmerksam zu machen, die auf die gleiche Art zu Tode kamen.

Nach einem dem Magazin vorliegenden Auflagenbescheid der Polizei muss der Protestmarsch kurz vor dem Kanzleramt beendet werden. Zudem dürfe nicht, wie vorgesehen, ein Bagger eingesetzt werden. Es dürften auch keine Leichen durch die Straßen gefahren werden.

"Eingriff in die Kunstfreiheit"

Einer der Aktivisten, Philipp Ruch, sagte zu "Spiegel Online": "Wir verurteilen diesen massiven Eingriff des Bundeskanzleramts in die Kunstfreiheit in diesem Land." Die Gruppe hätte "sehr gerne ein bleibendes Mal in der Hauptstadt hinterlassen", was nun aber nicht mehr möglich sei. Der Marsch am Sonntagnachmittag solle auf jeden Fall stattfinden. Laut Ruch hätten bereits mehrere tausend Unterstützer ihr Kommen angekündigt. Die Aktionen sorgten auch schon in Bayern für Wirbel

Am vergangenen Dienstag hatte die Gruppe nach eigenen Angaben die Leiche einer auf der Flucht im Mittelmeer ertrunkenen Syrerin auf einem Friedhof in der Hauptstadt im Beisein eines Imams beerdigt.

"Moralische Grenzen überschritten"

Die Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), hatte die geplante Aktion scharf kritisiert. "Bei allem Verständnis für die Wut der Aktivisten angesichts der vielen tausend ertrunkenen Flüchtlinge im Mittelmeer, ein Spektakel mit Leichen zu inszenieren, überschreitet eine moralische Grenze", sagte Özoguz der Zeitung "Die Welt" vom Samstag. Kunst dürfe weh tun und sich auch drastischer Methoden bedienen, "aber hier gehen die Aktivisten zu weit".

Die Aktivisten wollten mit ihrer Aktion auf die Beraubung der Würde der Toten hinweisen, die anonym und nicht im Kreise ihrer Familie begraben werden können. "Aber sie setzen den würdelosen Zustand fort, indem sie die Leichen für den Protest gegen die europäische Flüchtlingspolitik instrumentalisieren", kritisierte die SPD-Politikerin. Auch der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), kritisierte die Künstlergruppe: "Bei allem Respekt vor humanitärem Engagement: Mit solchen Aktionen werden Grenzen der Pietät überschritten."

afp

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