Strommasten gesprengt

Blackout auf der Krim - Notstand ausgerufen

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Passanten gehen mit einer Russland-Fahne an der Promenade in Sewastopol.

Sewastopol/Moskau - Auf der Halbinsel Krim sind in der Nacht zum Sonntag überall die Lichter ausgegangen. Knapp zwei Millionen Menschen waren ohne Stromversorgung.

Nach Sabotageangriffen auf Stromleitungen vom Festland ist auf der gesamten Krim der Strom ausgefallen. Die Behörden der ukrainischen Halbinsel, die im Frühjahr 2014 von Russland annektiert wurde, riefen am Sonntag den Notstand aus, nachdem zwei Strommasten "gesprengt" wurden. Nachdem bereits am Freitag zwei Hochspannungsleitungen beschädigt worden waren, gingen am Sonntag überall auf der Krim die Lichter aus. 1,9 Millionen Menschen waren ohne Strom.

Die von Russland annektierte Krim ist auf Strom aus der Ukraine angewiesen. Die örtliche Abteilung des russischen Katastrophenschutzministeriums erklärte, die Stromversorgung aus der Ukraine sei seit dem frühen Sonntagmorgen unterbrochen. Ilja Kiwa, ein Vertreter des ukrainischen Innenministeriums, schrieb auf Facebook: "Die Masten sind gerade gesprengt worden!"

In der Hafenstadt Sewastopol saßen ab 02.00 Uhr morgens alle Bewohner im Dunkeln, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. In einigen Stadtvierteln gab es später zumindest kurzzeitig wieder Strom. Auch das Internet und die Wasserversorgung in Hochhäusern funktionierten nicht mehr. Krankenhäuser und andere wichtige Gebäude wurden nach Angaben des Katastrophenschutzministeriums durch Generatoren mit Strom versorgt. Auch in Teilen der Städte Simferopol, Feodossija, Jewpatorija und Jalta gab es wieder Strom.

Bereits in der Nacht zu Freitag waren zwei der insgesamt vier Hochspannungsleitungen aus der Ukraine beschädigt worden. Der ukrainische Energiekonzern Ukrenergo erklärte, die beiden Strommasten in der Grenzregion Cherson seien offenbar mit Sprengsätzen oder durch Beschuss zu Fall gebracht worden. Die Behörden der Krim forderten die Bewohner auf, Batterien aufzuladen und Wasservorräte anzulegen, um für einen Totalausfall gewappnet zu sein. Der trat nun am Sonntag nach den Angriffen auf die beiden anderen Masten ein.

Wer die Angriffe auf die Stromleitungen verübt hat, ist noch nicht bekannt. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur RIA Nowosti gab es in der Region am Samstagabend eine Demonstration von Krimtataren. Die Minderheit, die die russische Annexion ablehnt, versucht gerade, Lebensmittel-Lieferungen auf die Krim mit einer Blockade zu verhindern.

Die Krim war im Frühjahr 2014 nach einem umstrittenen Referendum von Russland annektiert worden. Die Regierung in Kiew und der Westen sehen die Annexion als Verstoß gegen das Völkerrecht und betrachten die Krim weiter als Teil der Ukraine.

Die Krim ist bei der Stromversorgung praktisch vollständig auf die Ukraine angewiesen. Eine Verbindung nach Russland gibt es nicht. Der Vizeministerpräsident der Krim, Michail Scheremet, sagte laut der Nachrichtenagentur Tass, die Halbinsel könne gerade einmal ein Drittel ihres Strombedarfs durch Dieselgeneratoren und Wind- und Solarkraft decken. Russland will auf der Krim zwei neue Gaskraftwerke bauen, um die Halbinsel unabhängig von der ukrainischen Stromversorgung zu machen. Sie sind bisher aber nur in Planung.

AFP

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