"Müssen für alles bereit sein"

Israel schickt Truppen an den Gazastreifen

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Die israelische Armee hat die Verlegung zusätzlicher Truppen an den Rand des Gazastreifens bestätigt.

Tel Aviv - Die israelische Armee hat die Verlegung zusätzlicher Truppen an den Rand des Gazastreifens bestätigt. Unterdessen fordern 35.000 fordern Facebook-Nutzer Rache für den Tod von drei jungen Israelis.

„Wir bewegen Truppen“, sagte Armeesprecher Peter Lerner am Donnerstag. Es sei auch eine begrenzte Zahl von Reservisten mobilisiert worden. Er betonte jedoch mehrfach, Israel sei nicht an einer Offensive im Gazastreifen interessiert. Er rief die im Gazastreifen herrschende Hamas dazu auf, den fortwährenden Raketenbeschuss israelischer Grenzorte zu unterbinden, um eine weitere Eskalation zu verhindern. „Wir streben eine Deeskalation der Lage an, aber wir müssen trotzdem für alles bereit sein“, sagte Lerner.

Die israelische Nachrichtenseite „ynet“ berichtete, Panzer und gepanzerte Fahrzeuge seien in Richtung des Palästinensergebiets am Mittelmeer unterwegs. Die israelische Zeitung „Haaretz“ berichtete, es handele sich um einen begrenzten Einsatz zusätzlicher Truppen am Rande des Gazastreifens. Fußtruppen und gepanzerte Fahrzeuge sollten die Soldaten vor Ort verstärken.

Neue Angriffe auf Israel

Binnen 24 Stunden hätten militante Palästinenser mehr als 30 Raketen auf Israel abgefeuert. Zwei davon schlugen in Häusern in der Grenzstadt Sderot ein. Auch Hamas-Kämpfer seien an einigen der Angriffe beteiligt gewesen, sagte Lerner. Dies sei ein Bruch der Waffenruhe-Vereinbarungen, die Israel und die Hamas nach dem letzten großen Schlagabtausch im Gazastreifen im November 2012 unter ägyptischer Vermittlung getroffen hatten.

Hamas bekannte sich allerdings nicht zu den Raketenangriffen. Auch von israelischer Seite gab es schon zahlreiche Verstöße gegen die Vereinbarung.

Krawalle und Friedens-Demo in Jerusalem

Nach dem Mord an einem palästinensischen Jugendlichen gingen in der Nacht zum Donnerstag die Krawalle in Jerusalem weiter. Im Stadtteil Silwan warfen Demonstranten Molotow-Cocktails auf die Häuser jüdischer Bewohner, wie die Zeitung „Haaretz“ berichtet.

Am Mittwoch war in einem Wald bei Jerusalem die Leiche des 16-jährigen Mohammed Abu Chedair gefunden worden. Danach kam es im arabischen Ostteil Jerusalems zu schweren Ausschreitungen. Israelische Medien sprachen von möglicher Rache rechtsgerichteter Israelis für den gewaltsamen Tod von drei verschleppten und getöteten jüdischen Jugendlichen. Auch ein krimineller Hintergrund wird jedoch nicht ausgeschlossen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Mord an dem jungen Palästinenser. Die Verantwortlichen müssten sobald wie möglich zur Rechenschaft gezogen werden, forderte Ban in New York. Der Familie des Opfers sprach er sein Beileid aus. Er rief sowohl Israel als auch Palästinenser zur Zurückhaltung in dem Konflikt auf, damit nicht noch mehr Tote zu beklagen seien.

In Jerusalem demonstrierten rund tausend Menschen gegen Gewalt und Rassismus. „Juden und Araber werden in diesem Land zusammenleben müssen“, sagte Oppositionsführer Izchak Herzog. Extremisten beider Seiten versuchten, das Land in eine Spirale der Gewalt zu ziehen. „Aber die Mehrheit der jüdischen und arabischen Gesellschaft will in Frieden leben.“

Suche nach Teenager-Mördern geht weiter

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman hatte nach dem Mord an drei jüdischen Jugendlichen eine breite Militäroffensive im Gazastreifen gefordert. Andere Minister warnten jedoch vor einem solchen Einsatz. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte harte Schritte gegen die im Gazastreifen herrschende Hamas angekündigt. In der Nacht zum Donnerstag nahm die Armee im Westjordanland 13 Menschen fest, wie eine Militärsprecherin bestätigte. Außerdem wurden zwei der radikalislamischen Hamas nahestehende Organisationen durchsucht. Israel fahndet weiterhin nach den Entführern von Gilad Schaer, Naftali Frankel und Ejal Jifrach. Die beiden mutmaßlichen Mörder der drei Jugendlichen sollen Mitglieder der Hamas sein.

35.000 fordern Rache für Tod von drei jungen Israelis

In einer umstrittenen Internetkampagne haben Tausende Menschen nach dem Mord an drei israelischen Jugendlichen den Ruf nach Vergeltung unterstützt. Die Facebook-Seite „Das Volk Israel fordert Rache“ hatten nach Medienberichten bis zum Mittwochnachmittag rund 35.000 Menschen „gefällt mir“ angeklickt. Mittlerweile ist die Seite nicht mehr zu erreichen.

Auf der Seite waren zahlreiche rassistische Fotos und Kommentare veröffentlich worden. Ein Bild zeigte beispielsweise zwei junge Frauen. Sie hielten ein Papier mit der Aufschrift: „Hass auf Araber ist kein Rassismus, sondern ein Wert.“ Einige der abgebildeten Personen trugen israelischer Armeeuniformen und zeigten Waffen.

Das Militär verurteilte die Kampagne nach Angaben der Zeitung „Haaretz“ scharf. Der Aufruf, Unschuldigen zu schaden, sei nicht das, was man von einem israelischen Soldaten erwarte. Polizeisprecher Micky Rosenfeld sagte, man werde rassistische Äußerungen in sozialen Netzwerken juristisch verfolgen. „Wenn nötig, wird es Untersuchungen und auch Festnahmen geben“, kündigte Rosenfeld an.

dpa

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