Kairo vermittelt

Israel und Hamas sprechen über Waffenruhe

Gaza/Tel Aviv - Im Nahost-Konflikt redet man wieder miteinander - unter Einschaltung ägyptischer Unterhändler. Ein Ende des blutigen Konflikts in Gaza scheint in Reichweite.

Israel und die militant-islamische Hamas verhandeln intensiv über eine Waffenruhe im Gazakonflikt. Eine erste Gesprächsrunde, die unter ägyptischer Vermittlung ablief, ging in der Nacht zum Donnerstag in Kairo zu Ende, berichteten israelische Medien. Auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ist in die Bemühungen um die Beilegung des Konflikts eingebunden. Ein israelischer Offizieller sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass noch nichts abschließend vereinbart worden sei und dass die Verhandlungen weitergingen.

Am Donnerstag herrschte tagsüber eine auf fünf Stunden befristete humanitäre Waffenruhe. Sie war vom UN-Flüchtlingskoordinator Robert Serry angeregt worden, um den Gazastreifen mit bitter benötigten Hilfslieferungen zu versorgen. Tausende Bewohner der Mittelmeer-Enklave strömten erstmals seit zehn Tagen, als die israelische Militäroffensive gegen Hamas-Stellungen begann, massenhaft auf die Straßen, um das Nötigste für den eigenen Bedarf einzukaufen.

Nach Ablauf der Frist um 14.00 Uhr MESZ schoss die Hamas erneut Raketen auf Israel ab. Nach israelischen Militärangaben schlugen 57 Geschosse ein. Die israelische Luftwaffe griff nach eigenen Angaben vier Ziele im Gazastreifen an. Seit Beginn der israelischen Offensive kamen nach Darstellung der palästinensischen Rettungsdienste 231 Menschen ums Leben, 1700 weitere wurden verletzt. Bei der Hälfte der Opfer handelt es sich demnach um Zivilisten. In Israel wurde bislang ein Bürger getötet. Die meisten Raketen aus dem Gazastreifen wurden von Abwehrsystemen abgefangen.

Auslöser der jüngsten Eskalation der Gewalt waren die Entführung und Ermordung von drei israelischen Teenagern und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen. Eine 2012 vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas, die seit 2007 im Gazastreifen herrscht, wurde daraufhin endgültig Makulatur.

Die israelische Justiz klagte am Donnerstag die mutmaßlichen Mörder des palästinensischen Jungen an. Laut einer Mitteilung des israelischen Justizministeriums handelt es sich um einen 29-Jährigen aus einer jüdischen Siedlung im Westjordanland und zwei 16-jährige Religionsschüler aus Jerusalem und Beit Schemesch. Zwei der Angeklagten würden wegen psychischer Störungen behandelt, hieß es in der Anklageschrift. Der palästinensische Teenager Mohammed Abu Chedair soll bei lebendigem Leib verbrannt worden sein. Das Verteidigungsministerium erklärte ihn zum Terroropfer.

Am frühen Morgen verhinderte die israelische Armee nach eigenen Angaben einen massiven Angriff von Militanten an der Grenze zum Gazastreifen. 13 schwer bewaffnete Palästinenser seien durch einen Tunnel etwa 250 Meter weit nach Israel vorgedrungen, sagte Armeesprecher Peter Lerner. Die Luftwaffe habe den Tunnelausgang auf der israelischen Seite bombardiert und damit eine Attacke auf den nahe gelegenen Kibbuz Sufa vereitelt.

Ein von der Armee veröffentlichtes Video zeigt, wie die Palästinenser zum Tunnelausgang zurücklaufen und dieser von einer Luft-Boden-Rakete in dem Augenblick getroffen wird, in dem der letzte Angreifer im Tunnel verschwunden ist. Das Militär erklärte später, keine Leichen von möglicherweise getroffenen Militanten gefunden zu haben. Die Hamas behauptete, dass der Trupp vollständig und unversehrt zurückgekehrt sei, nachdem er seine Mission erfüllt habe und unter feindliches Feuer geraten sei.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte die Feuerpause, an die sich die Seiten am Donnerstag weitgehend hielten. „Die Waffenruhe zeigt, dass ein Ende der Feindseligkeiten erreicht werden kann, wenn alle Seiten den nötigen Willen zeigen und den Anliegen der Zivilisten, die die Hauptlast des Konflikts tragen, Priorität geben“, erklärte Ban am Donnerstag in New York.

Internationale Hilfsorganisationen schlagen angesichts der humanitären Krise im Gazastreifen Alarm. Es seien zusätzliche Ressourcen notwendig, um in dem Gebiet auf die Nöte der Bevölkerung reagieren zu können, erklärte das Welternährungsprogramm WFP. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) rief dringend zum Schutz der Helfer und Hilfseinrichtungen auf.

dpa

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