Amnesty: "Erschütternde Berichte"

Islamischer Staat terrorisiert Andersgläubige

Bagdad - Die sunnitische Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) geht im Irak laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International mit brutaler Gewalt gegen Andersgläubige vor.

„Erschütternde Berichte“ von Flüchtlingen belegten eine Spirale von Morden und Entführungen aus Glaubensgründen, teilte Amnesty International am Montag mit. In jedem Ort, den IS-Kämpfer im Norden und Westen des Iraks eingenommen hätten, seien Menschen entführt worden. Viele von ihnen würden noch vermisst oder seien gestorben.

"Entführungen und die Tötung Gefangener scheinen zu den gängigen Vorgehensweisen der Gruppe zu gehören, um Gegner zu vernichten und Zivilisten einzuschüchtern", teilte die Organisation am Montag mit. Die Zivilbevölkerung sei gefangen in einer Spirale religiöser Gewalt, schrieb Amnesty-Expertin Donatella Rovera, die sich vor Ort ein Bild von der Lage gemacht hatte.

So wurden etwa ein 18-Jähriger und ein 44-Jähriger von der religiösen Minderheit der Schabak mit gefesselten Händen und zerschmetterten Köpfen tot aufgefunden, wie Amnesty berichtet. Einem der beiden sei die Kehle durchgeschnitten worden. Solche Angriffe auf Zivilisten seien "eine klare Botschaft an nicht-sunnitische Gemeinschaften", dass sie in den Einflussgebieten der sunnitischen Extremisten nicht sicher seien, erklärte Rovera.  

Aber auch bei Luftangriffen oder durch Artilleriebeschuss der irakischen Armee seien dutzende Menschen in diesen Regionen getötet worden. "Alle Konfliktparteien haben Kriegsverbrechen und grobe Verstöße gegen die Menschenrechte begangen", betonte die Amnesty-Expertin.

Die Gruppe IS hatte unter dem Namen Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis) vor einem Monat eine Militäroffensive im Irak gestartet. Nach ihrem Vormarsch im Norden und Westen des Iraks sowie Geländegewinnen in Syrien riefen die Dschihadisten Ende Juni einen grenzüberschreitenden islamischen Gottesstaat aus und benannten sich um.

Am Wochenende rückten die IS-Kämpfer weiter auf die Hauptstadt Bagdad vor. Sie eroberten nach Angaben örtlicher Behörden große Teile der 80 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Stadt Dhuluidscha.

dpa/afp

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