Autorin wertet Wehrmachtsakte aus

Was ist dran am Nazi-Vorwurf gegen Helmut Schmidt?

+
In ihrem Buch "Helmut Schmidt und der Scheißkrieg" erhebt die Autorin Sabine Pamperrien schwere Vorwürfe gegen Alt-Kanzler Helmut Schmidt.

Hamburg - War Alt-Kanzler Helmut Schmidt von der "Nazi-Ideologie kontaminiert"? Zu diesem Schluss kommt ein neues Buch - und löst kontroverse Diskussionen aus.

Helmut Schmidts Wehrmachtsakte aus dem Zweiten Weltkrieg liegt im Militärarchiv in Freiburg. Für ihr Buch "Helmut Schmidt und der Scheißkrieg" hat sie die Autorin Sabine Pamperrien ausgewertet. Das berichtet spiegel.de.

Nach ihren Recherchen kam die Autorin zu dem Schluss: Der Altkanzler sei aufgrund dieser Quellen zeitweise "von Nazi-Ideologien kontaminiert" gewesen.

Eine nationalsozialistische Gesinnung haben ihm laut seiner Wehrmachtsakte offenbar auch einige Vorgesetzte bescheinigt. In Personalbeurteilungen steht etwa "Nationalsozialistische Haltung tadelfrei" oder "Steht auf dem Boden der nat.soz. Weltanschauung und versteht es, dieses Gedankengut weiterzugeben".

Helmut Schmidt als "Gegner der Nazis"

Helmut Schmidt selbst hat sich nach dem Krieg immer wieder als Gegner des Nationalsozialismus bezeichnet. Bild.de zitiert ebenfalls aus der Studie der Journalistin Pamperrien: Demnach habe Schmidt sich als "Gegner der Nazis" aufgespielt, dabei aber nicht die ganze Wahrheit über seine Zeit in der Hitlerjugend verraten.

War Helmut Schmidt ein Nazi? Historiker sind anderer Meinung. Denn: Allein aus den Formulierungen aus der Akte könne dieser Schluss nicht zwingend gezogen werden. Das sagt etwa das Militärarchiv gegenüber dem Spiegel. Auch Militärhistoriker sind sich einig, dass "Bewertungen dieser Art vielfach in Personalunterlagen der Wehrmacht" zu finden seien. Ob die Soldaten also wirklich nationalsozialistisches Gedankengut weitergegeben oder sich nur der Doktrin der Diktatur unterworfen haben, könne daraus nicht geschlussfolgert werden.

Buch erscheint am 8. Dezember

Solche Zitate seien im 3. Reich sogar "sehr üblich gewesen", wie der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Peter Steinbach, gegenüber bild.de erklärt. "Sie belegen keineswegs die besondere Infizierung Schmidts durch den Nationalsozialismus." Und ein weiterer Historiker sagt: "Nur weil jemand mit 14, 15 Jahren in der Hitlerjugend war, war er noch lange keine Nazi."

Das Buch "Helmut Schmidt und der Scheißkrieg" erscheint am 8. Dezember im Piper-Verlag.

pak

Mehr zum Thema

Kommentare

Meistgelesen

NSU-Prozess: Beate Zschäpe hat sich zum Fall Peggy geäußert
NSU-Prozess: Beate Zschäpe hat sich zum Fall Peggy geäußert
Nur jeder Vierte hält Deutschland für gerecht
Nur jeder Vierte hält Deutschland für gerecht
Merkel stellt sich gegen Parteitagsbeschluss zum Doppelpass
Merkel stellt sich gegen Parteitagsbeschluss zum Doppelpass
Merkel erfreut über Van-Der-Bellen-Sieg: „Ansatz ist richtig“
Merkel erfreut über Van-Der-Bellen-Sieg: „Ansatz ist richtig“
CDU-Parteitagsbeschluss zum Doppelpass: Merkel legt Veto ein
CDU-Parteitagsbeschluss zum Doppelpass: Merkel legt Veto ein