"Gezielte Indiskretion"

Grexit: Linke wirft Merkel Erpressung vor

Athen/Berlin - Bisher trat Deutschland immer für den Verbleib Griechenlands in der Eurozone ein. Inzwischen scheint ein Ausscheiden für die Kanzlerin eine Option zu sein. Die Linke spricht von Erpressung.

Drei Wochen vor der Neuwahl in Griechenland ist die Debatte über einen Austritt des Krisenlandes aus der Eurozone wieder voll entbrannt. Auslöser ist ein „Spiegel“-Bericht, nach dem die Bundesregierung ein Ausscheiden des hoch verschuldeten Landes aus der Währungsgemeinschaft inzwischen für verkraftbar hält.

Die Linke warf der Regierung Erpressung und gezielte Destabilisierung Griechenlands vor. „Die Bundesregierung lanciert mit dieser gezielten Indiskretion eine Bombe, die in Griechenland die Krise eskaliert“, sagte Parteichef Bernd Riexinger dem „Handelsblatt“ (Online-Ausgabe).

Auch aus der SPD kamen skeptische Reaktionen. Die eurokritische AfD begrüßte dagegen die „späte Einsicht“ der Regierung. Die Grünen halten eine solche Debatte vor der Wahl am 25. Januar für unangebracht. 

"Keine Kursänderung"

Kanzleramt und Finanzministerium wollten den "Spiegel"-Artikel am Wochenende weder dementieren noch bestätigen. Der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter trat aber dem Eindruck entgegen, dass es einen Bruch in der Haltung der Bundesregierung gebe. „Es gibt keine Kursänderung“, sagte er. „Die Bundesregierung geht davon aus, dass Griechenland auch weiterhin seinen Verpflichtungen nachkommen wird.“

In den Umfragen führt die Linkspartei Syriza von Aleksis Tsipras, die Griechenlands Sparpolitik beenden und einen Schuldenerlass verlangen will. Dies käme einer Aufkündigung der Vereinbarungen mit den Geberländern gleich, die Hilfspakete im Umfang von 240 Milliarden Euro für das Krisenland aufgelegt haben.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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