Gedenken an Ausbruch des Ersten Weltkriegs

Gauck: Aus Geschichte wächst Verantwortung

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Frankreichs Präsident Francois Hollande (2.v.r.) und Bundespräsident Joachim Gauck begrüßen sich in Lüttich bei den internationalen Gedenkfeierlichkeiten zum 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs - auch Prinz William und seine Frau, Herzogin Kate, sind dabei.

Lüttich - Bundespräsident Joachim Gauck hat bei den Gedenkfeiern zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren Konsequenzen aus den historischen Erfahrungen angemahnt.

Im belgischen Lüttich sagte Bundespräsident Joachim Gauck am Montag, aus der Geschichte erwachse eine gemeinsame Verantwortung für die Welt. „Wir können nicht gleichgültig bleiben, wenn Menschenrechte missachtet werden, wenn Gewalt angedroht oder ausgeübt wird.“

Auf aktuelle Konflikte wie im Nahen Osten oder in der Ukraine ging Gauck nur indirekt ein. „Wieder wird in einer Region das Völkerrecht missachtet, in anderen Regionen der Welt das Kriegsrecht, oder unverhältnismäßige Gewalt wird in Konflikten eingesetzt.“

Weiter betonte der Bundespräsident: „Zeigen wir nicht nur in den Worten der Erinnerung und des Gedenkens, sondern auch durch unser Handeln in Gegenwart und Zukunft, dass wir unsere Lektion wirklich gelernt haben.“ Gauck zeichnete ein düsteres Bild der derzeitigen Weltlage und verurteilte Gewalt, Bürgerkriege und Terror. „Immer noch werden politische, völkische oder religiöse Überzeugungen instrumentalisiert, um als Rechtfertigung von Gewalt und Mord zu dienen.“

Deshalb forderte Gauck: „Wir müssen aktiv eintreten für Freiheit und Recht, für Aufklärung und Toleranz, für Gerechtigkeit und Humanität“, sagte er. Wie schon am Vortag in Frankreich würdigte er die europäische Integration. „Statt des Rechts des Stärkeren gilt heute in Europa die Stärke des Rechts.“

Bei der Gedenkfeier im belgischen Lüttich erinnerten ein Dutzend Staats- und Regierungschefs aus Europa an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Am 4. August 1914 hatte Deutschland Lüttich angegriffen, nachdem deutsche Truppen in der Nacht zuvor in das neutrale Belgien einmarschiert waren. Die Bürger der Stadt leisteten heftigen Widerstand, die deutschen Soldaten gingen mit großer Brutalität vor.

An der Feier in Lüttich nahmen Gäste aus 80 Ländern teil, darunter Frankreichs Präsident François Hollande und der britische Prinz William mit seiner Frau Kate. Belgiens Königspaar Philippe und Mathilde begrüßte die hochkarätigen Gäste. Gauck saß während der Gedenkstunde zwischen dem belgischen König und König Felipe von Spanien. Überall in der Stadt konnten die Menschen die Zeremonie auf Großbildschirmen verfolgen.

Gauck erinnerte an die deutschen Verbrechen im Ersten Weltkrieg. „Der Nationalismus hat beinahe alle Herzen und Hirne“ verblendet, sagte er. Es sei auch heute noch beschämend, dass in Deutschland auch Intellektuelle und Kulturschaffende gerechtfertigt hätten, wie deutsche Truppen gegen Land und Leute vorgegangen und auch Kulturstätten zerstört hätten.

Gedenken an Opfer des Ersten Weltkriegs

Gedenken an Opfer des Ersten Weltkriegs

Symbol dafür sei die Vernichtung der weltberühmten Bibliothek der Stadt Löwen mit unersetzlichen Büchern und Handschriften. Am Nachmittag besucht Gauck auch die im Ersten Weltkrieg fast vollständig zerstörte Stadt in Flandern.

Auf Einladung des britischen Premierministers David Cameron nimmt der Bundespräsident am Abend an einer Feier auf dem deutsch-britischen Soldatenfriedhof St. Symphorien bei Mons teil. Am 4. August 1914 hatte Großbritannien dem Deutschen Reich den Krieg erklärt. Gemeinsam wollen Deutsche, Briten, Franzosen und Belgier hier der Opfer des Ersten Weltkriegs gedenken und würdigen, dass aus den ehemaligen Kriegsgegnern Partner und Verbündete wurden.

Bei der feierlichen Abendveranstaltung war auch ein Auftritt von Mitgliedern des Schleswig-Holstein Festival Chors geplant. Gemeinsam mit Sängern des London Symphony Chorus wollten sie den letzten Satz aus dem Deutschen Requiem von Johannes Brahms interpretieren. Im schottischen Glasgow nahmen Prinz Charles sowie Vertreter der Commonwealth-Länder an einem feierlichen Gottesdienst zum Jahrestag des Kriegsbeginns teil.

dpa

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