Katholikentag in Leipzig

Gauck beklagt "neue Ängstlichkeit" in Deutschland

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Bundespräsident Joachim Gauck auf dem Katholikentag in Leipzig.

Leipzig - Der Umgang mit Flüchtlingen und dem Fremden bestimmt die Debatten auf dem Katholikentag. Bundespräsident Gauck sieht Versuche, Hysterie zu verbreiten. Und die AfD feuert verbal gegen die Kirchen.

Update vom 6. Juni 2016: Hört er im kommenden Jahr auf? Bundespräsident Joachim Gauck wird am Montag um 12.00 Uhr eine Erklärung abgeben, ob er sich eine zweite Amtszeit als Bundespräsident vorstellen kann - oder ob er verzichtet. Wir berichten im Live-Ticker von der Gauck-Erklärung.

Bundespräsident Joachim Gauck hat „eine neue Ängstlichkeit“ in Deutschland beklagt. Angst vor dem Fremden sei zwar allen Gesellschaften irgendwo eigen, aber die Erfahrung zeige, dass sie oft unbegründet sei, sagte der Bundespräsident am Donnerstag beim Katholikentag in Leipzig. Er nahm dort an einer Diskussionsrunde zur Frage: „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“ teil.

„Angst kann sich legen“, sagte Gauck. Leider werde sie zurzeit in Deutschland von Leuten ausgenutzt, die „ihr eigenes Süppchen kochen“ und „Hysterie“ verbreiten wollten. „Ein wirklich sprechendes Beispiel dafür sind die Zusammenkünfte in Teilen von Sachsen“, sagte Gauck mit Blick auf die Pegida-Demonstrationen. Dabei lebten in dem Bundesland bekanntermaßen nur sehr wenige Ausländer und Muslime. Dort wo bereits viele Moscheen stünden, etwa in Nordrhein-Westfalen und im Großraum Stuttgart, gebe es keine oder viel weniger Vorbehalte. Die Menschen dort lebten eben schon seit vielen Jahrzehnten mit ehemals Fremden zusammen und hätten diese als Bereicherung erfahren.

Erzbischof Koch ruft auf Katholikentag zu Solidarität untereinander auf

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch rief in Leipzig zu mehr Solidarität untereinander auf. "Kämpfen wir an unseren Orten und zu unserer Zeit für das Leben der Menschen", sagte Koch am Donnerstag in seiner Predigt anlässlich des Fronleichnamsfests auf dem Augustusplatz. Dieser Einsatz müsse auch für Heimatlose und Flüchtlinge gelten.

An dem Freiluftgottesdienst nahmen nach Angaben der Veranstalter etwa 15.000 Menschen teil. Fronleichnam wird zehn Tage nach Pfingsten gefeiert und ist in den katholisch geprägten Bundesländern im Westen und Süden Deutschlands ein arbeitsfreier Feiertag, nicht aber in Sachsen.

AfD-Anhänger wettern gegen Nicht-Einladung

Der 100. Deutsche Katholikentag war am Mittwochabend eröffnet worden. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hatte zuvor vehement die Entscheidung verteidigt, AfD-Politiker nicht zu Podien einzuladen. Angesichts der vielfach menschenverachtenden Thesen des AfD-Führungspersonals sei eine sachliche inhaltliche Auseinandersetzung nicht möglich, erklärte ZdK-Präsident Thomas Sternberg.

In den sozialen Netzwerken wird darüber debattiert. Die Social-Media-Redaktion des Katholikentags erhält nach eigenen Angaben eine Flut von Kommentaren zum Thema AfD. Das meiste sei "allerunterste Schublade", Argumente würden selten vorgebracht, hieß es.

Bei Twitter kritisierte AfD-Vizechefin Beatrix von Storch eine vermeintlich unkritische Haltung des Katholikentags zum Islam. "Kritik am #Islam ist für den @katholikentag wohl haram?", schrieb sie am Mittwoch in einer Botschaft.

Bayerns AfD-Landesvorsitzender Petr Bystron warf der katholischen und der evangelischen Kirche vor, über ihre Wohlfahrtsverbände „unter dem Deckmantel der Nächstenliebe“ ein Milliardengeschäft mit der Flüchtlingskrise zu machen. Beide Kirchen reagierten empört.

Zum Katholikentag werden bis Sonntag bis zu 60.000 Menschen erwartet. Auf dem Programm stehen rund tausend Veranstaltungen. Veranstalter ist das ZdK als höchstes Gremium der katholischen Laien in Deutschland.

Erstmals sendete ein Papst zum Katholikentag eine Videobotschaft auf Deutsch. Franziskus rief unter anderem zu Solidarität mit Alten, Kranken und Flüchtlingen sowie zu größerem Umweltbewusstsein auf.

In Deutschland gibt es etwa 23,9 Millionen Katholiken, das sind knapp 30 Prozent der Bevölkerung. In den östlichen Bundesländern sind je nach Region nur zwischen drei und zehn Prozent der Bevölkerung katholisch. In Leipzig selbst leben nur etwa 24.000 Katholiken. Das sind etwa vier Prozent der Bevölkerung.

Joachim Gauck - vom Bürgerrechtler zum Bundespräsidenten

dpa/afp

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