Extremismus-Expertin: Neonazis zieht es in den Nordosten

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In Usedom-Stadt erreichte die NPD bei der Bundestagswahl mit 12,0 Prozent der Stimmen mehr Wähler als die SPD (11,7 Prozent). Foto: Stefan Sauer/Archiv

Im dünn besiedelten Mecklenburg-Vorpommern suchen rechtsextreme Familien eine neue Heimat. Sie geben sich einen bürgerlichen Anstrich, sind schwer zu erkennen, schreibt eine Expertin im Auftrag der SPD. Der Verfassungsschutz kläre zu wenig auf.

Schwerin (dpa) - Nirgends in Deutschland siedeln sich nach Recherchen der Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke so viele Neonazis an wie in Mecklenburg-Vorpommern.

Das Klischee vom Skinhead mit Springerstiefel passe dabei zunehmend nicht mehr, schreibt die Autorin in ihrem Buch "Gefährlich verankert", das sie im Auftrag der Schweriner SPD-Landtagsfraktion geschrieben hat. "Organisierte Menschen mit rassistischem Weltbild tarnen sich durch Normalität innerhalb einer Gesellschaft voller Alltagsressentiments."

Dazu gehörten Mitglieder der Arier-Sekte "Artgemeinschaft", die Bewegung der "Neo-Artamanen", NPD-Anhänger aus den Ballungsgebieten oder auch völkische Rechte, die die eigene Scholle bewirtschaften wollten, heißt es in dem Buch, das am Donnerstag im Beisein von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) in Schwerin vorgestellt wurde.

NPD-Politiker trügen heute gut sitzende Anzüge, viele rechte Frauen moderne Piercings oder traditionelle Zopffrisuren. Ihre Kinder besuchten Waldorf-Kindergärten, die Eltern kauften Biolebensmittel. Die Organisationsstrukturen befänden sich im Wandel von Parteien über Kameradschaftszusammenhänge bis hin zu Bruderschaften, so Röpke. Moderne Neonazis fänden sich auch zunehmend im Rocker- und Rotlichtmilieu wieder.

Ein Zentrum rechtsextremer Siedler sei der Raum Güstrow, wo bereits 2007 von über einem Dutzend "nationaler Familien" mit etwa 60 Kindern ausgegangen worden sei. "Inzwischen dürfte die Zahl um einiges angestiegen sein", schreibt Röpke.

Für Schlagzeilen sorgte 2010 der damalige Bürgermeister des Ortes Lalendorf bei Güstrow, Reinhard Knaack, der sich weigerte, einer mutmaßlich rechtsradikalen Familie die Patenschaftsurkunde des Bundespräsidenten für ihr siebentes Kind zu überreichen. Ansiedlungen von Anhängern der rassistischen "Artgemeinschaft" gibt es Röpke zufolge auch bei Ludwigslust, Bad Doberan, Grevesmühlen und in der Region Ostvorpommern.

Dem Verfassungsschutz wirft Röpke vor, die Entwicklung seit Jahren zu verharmlosen. Dabei expandiere die Idee des gemeinsamen Siedelns weiterhin. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Norbert Nieszery betonte, dem rechtsextremen Treiben stünden in Mecklenburg-Vorpommern starke bürgerschaftliche, politische und staatliche Strukturen gegenüber. Die SPD sehe sich aber in der Pflicht, "Verbindungen aufzuzeigen und vor rassistischen Biedermännern und -frauen zu warnen, die zu Brandstiftern werden."

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