Stundenlange Verhandlungen vergebens

Dallas: Polizei-Roboter sprengte Heckenschützen in die Luft

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Polizeikräfte sichern die Umgebung, in der sich der Heckenschütze verschanzt hatte.

Dallas - Nach den tödlichen Schüssen auf Polizisten in Dallas hat die Polizei Details zu der Bluttat mitgeteilt - und wie sie den verschanzten Heckenschützen zur Strecke brachte. 

Einer der mutmaßlichen Heckenschützen von Dallas ist von der Polizei mit Hilfe eines Roboters getötet worden. Dieser habe einen Sprengsatz in die Nähe des Schützen gebracht, sagte Polizeichef David Brown am Freitag. Die Polizisten hätten keinen anderen Ausweg gesehen, nachdem stundenlange Verhandlungen mit dem Mann, der sich in einem Gebäude verschanzt hatte, gescheitert seien. Brown betonte, die Behörden würden zunächst nur wenige Informationen an die Öffentlichkeit geben. Zugleich kündigte er an: „Wir werden Euch finden, Euch belangen und zur Rechenschaft ziehen.“ Die Polizei geht derzeit von vier Tätern aus, es gab drei Festnahmen.

Heckenschütze behauptete, er sei Einzeltäter

Der durch die Explosion getötete Heckenschütze ist nach Informationen der „Los Angeles Times“ und dem Sender CBS der 25-jährige Micah X. J. Er habe keine kriminelle Vergangenheit und keine bekannten Verbindungen zu terroristischen Gruppen. Bei seinen Verhandlungen mit der Polizei sagte Micah X. J., er habe "Weiße töten" wollen, "vor allem weiße Polizisten". Der 25-Jährige hatte sich nach den Schüssen bei einer Demonstration gegen Polizeigewalt in der Nacht zum Freitag stundenlang in einem Parkhaus verschanzt und behauptete gegenüber den Beamten, alleine gehandelt zu haben.

„Nichts davon macht Sinn“, sagte Polizeichef Brown. Die Polizei ermittle mit größtem Druck weiter, solange würden keine Details zum Tathergang oder den anderen Festgenommenen mitgeteilt werden.

Bilder: Polizisten bei Anti-Rassismus-Demo erschossen

Brown wandte sich in einem eindringlichen Appell an die Bevölkerung: „Wir brauchen Ihre Unterstützung, um Sie vor denjenigen zu beschützen, die für diese tragischen Ereignisse verantwortlich sind.“ Er sagte, die Polizisten hätten unter Einsatz ihres Lebens für die Sicherheit von Zivilisten gesorgt, ohne sich vor den Schüssen schützen zu können. „Diese Entzweiung zwischen Polizisten und Bürgern - sie muss aufhören“, sagte Brown.

Anlass für den Protestmarsch am Donnerstagabend (Ortszeit) war der Tod von zwei Afroamerikanern, die innerhalb von zwei Tagen in anderen US-Städten durch Polizeischüsse ums Leben gekommen waren. 

Clinton und Trump kondolieren

Am Freitag sprachen die US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump den Hinterbliebenen ihr Mitgefühl aus. „Ich trauere um die Polizisten, die während ihrer heiligen Pflicht, friedliche Demonstranten zu schützen, erschossen wurden“, teilte Clinton am Freitag auf Twitter mit. 

Ihr republikanischer Konkurrent Trump bezeichnete die Tat als "entsetzlich", verurteilte aber gleichzeitig die jüngsten "sinnlosen Tode" zweier Schwarzer durch Polizeischüsse, die der Auslöser der Proteste in Dallas waren. "Unsere Nation hat sich zu sehr gespalten. Zu viele Amerikaner haben das Gefühl von Hoffnungslosigkeit", erklärte Trump weiter. "Rassenspannungen haben zu-, statt abgenommen. Das ist nicht der Amerikanische Traum, den wir für unsere Kinder wollen". Der Milliardär, der in der Vergangenheit eher durch rassistische oder spaltende Aussagen über mexikanische Einwanderer oder ausländische Muslime von sich reden machte, fuhr fort, es sei an der Zeit für "starke Führung, Liebe und Mitgefühl".

Clinton und Donald Trump sagten ihre Wahlkampfauftritte für Freitag ab. Wegen der tragischen Ereignisse in Dallas habe Trump seinen Auftritt in Miami annulliert, teilte sein Team mit. Clinton verschob einen gemeinsamen Auftritt mit US-Vizepräsient Joe Biden in Pennsylvania.

Angehörige von getötetem Schwarzen: Gewalt von Dallas „widerlich“

Die frühere Lebensgefährtin des kürzlich im US-Bundesstaat Louisiana von Polizisten getöteten Afroamerikaners hat die Gewalt gegen die Polizei in Dallas verurteilt. „Wir lehnen von ganzem Herzen die verwerflichen Gewaltakte ab, die gegen Mitglieder der Polizei von Dallas verübt wurden“, sagte die Mutter des Sohnes von Alton Sterling in einer Mitteilung vom Freitag, wie mehrere US-Medien berichteten. Egal, wie aufgebracht die Menschen seien, hieß es weiter, solche „widerliche Gewalt“ dürfe nicht toleriert werden.

Ban Ki Moon fordert Untersuchung

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die "Ermordung von fünf Polizisten" in Dallas verurteilt. Solche Gewalt sei "durch nichts zu rechtfertigen", erklärte Ban am Freitag.

Die Vereinten Nationen forderten eine Untersuchung der verbreiteten Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA. Der Generalsekretär sagte nach Angaben seines Sprechers, die Tötung zweier Schwarzer in dieser Woche in den USA müsse Gegenstand einer "umfangreichen und unparteiischen Untersuchung" sein. Diese Vorfälle verdeutlichten "einmal mehr die Notwendigkeit, das Thema Diskriminierung umfassend anzugehen, einschließlich der Ungleichbehandlung von Rassen bei der Anwendung des Gesetzes".

dpa/afp

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