Erstaunliche Umfrage-Ergebnisse

Was wäre, wenn die CSU auch außerhalb Bayerns antritt? 

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Was wäre, wenn die CSU nicht nur in Bayern, sondern bundesweit zur Wahl anträte? Die Frage hat sich Horst Seehofer vermutlich auch gestellt.

München – Ganz neu ist das Gedankenspiel nicht, aber es hat wieder Sprengkraft: Was wäre, wenn die CSU nicht nur in Bayern, sondern bundesweit zur Wahl anträte? Das Meinungsforschungsinstitut Insa hat dazu brisante Ergebnisse. 

Könnte die CSU der CDU Konkurrenz machen? Würde die Schwesterpartei ihr im Gegenzug in Bayern das Wasser abgraben? Das Meinungsforschungsinstitut Insa hat die Frage nun für den „Focus“ gestellt. Die Ergebnisse sind brisant. Dann die Unionsparteien sind in der Flüchtlingskrise trotz der gestrigen Annäherung gespalten.

Würde die CSU die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU im Bund aufkündigen und auch außerhalb Bayerns antreten, käme sie laut Insa bei einer Bundestagswahl derzeit auf 14,5 Prozent der Stimmen. Die CDU wäre knapp doppelt so stark und käme auf 27,5 Prozent. Damit läge die Partei von Bundeskanzlerin Angela Merkel noch knapp vor der SPD (23,5 Prozent). Klar ist aber: Die CSU würde ihr weit über Bayern hinaus Stimmen abjagen. In Westdeutschland wäre die Zustimmung dabei höher als im Osten (15,5 Prozent zu 10 Prozent). In der einstigen CDU-Hochburg Baden-Württemberg käme die CSU sogar auf 17 Prozent. Ihr Gewicht im Bund könnte die Partei also bei einer Kandidatur über den Freistaat hinaus deutlich erhöhen. Mit ihren bayerischen Wählern kam sie bei der Bundestagswahl 2013 auf 7,4 Prozent.

Spekulationen über einen Bruch der Union bleiben

Spekulationen über einen Bruch zwischen den Schwestern bekommen derzeit Nahrung am laufenden Band. CSU-Chef Horst Seehofer fordert Merkel seit Wochen auf, weniger Flüchtlinge ins Land zu lassen. Schon vor Wochen drohte er der Kanzlerin mit „Notwehr“ aus Bayern. Kürzlich berichtete die „Bild“-Zeitung über angebliche Überlegungen Seehofers, die CSU-Minister aus Bayern abzuziehen, sollte sich Merkel nicht bald bewegen. Auch wenn Merkel der CSU am Sonntag bei den Transitzonen offenbar entgegengekommen ist: Die Lage ist angespannt.

Die Konflikte in der Union schlagen sich in der Insa-Umfrage nieder. Die Zustimmung zur CSU rührt offenbar zu einem Großteil daher, dass sie Stimmen aus dem rechtskonservativen Spektrum gewinnen könnte. Immerhin 16 Prozent ihrer möglichen Wähler kämen laut der Umfrage von derzeitigen AfD-Anhängern. Aber auch von Anhängern der SPD (8 Prozent), der FDP (7 Prozent) und aus dem Nichtwähler-Lager (7 Prozent) kämen die möglichen CSU-Stimmen. Das deutet darauf hin, dass die harte Haltung Seehofers in Sachen Flüchtlinge einer der Hauptgründe für die Zustimmung wäre. Die Umfragen für die CDU/CSU bröckeln derzeit aber erheblich. In der CSU ist von Werten von knapp 35 Prozent die Rede.

Gegenangriff: Ein CDU-Landesverband Bayern?

Ob sich ein Bruch mit der Schwesterpartei und die bundesweite Kandidatur für die CSU lohnen würde, ist dennoch fraglich. Denn die CDU würde aller Voraussicht nach zum Gegenangriff übergehen – und ihrerseits einen eigenen Landesverband in Bayern gründen. Dort käme die Merkel-Partei in einer Bundestagswahl laut Insa immerhin auf 16 Prozent. Der CSU würden in der Folge nur noch 30,5 Prozent ihre Stimme geben. Der Ansehensverlust für die Union insgesamt ist auch im Freistaat dramatisch: Gerade einmal 38 Prozent wäre für die CSU laut Insa derzeit bei einer Bundestagswahl noch drin.

Krisen und Drohungen gab es zwischen den Schwesterparteien immer wieder. Ein einziges Mal machte die CSU ernst – zumindest scheinbar. Am 19. November 1976 fasste die Landesgruppe in Kreuth ihren spektakulären Trennungsbeschluss. Vorausgegangen war ein Machtkampf zwischen den Parteichefs Franz Josef Strauß (CSU) und Helmut Kohl (CDU). Als Kohl mit dem „Einmarsch“ nach Bayern drohte, blies die CSU ihre Pläne ab. Wie weit Seehofer diesmal geht, wird sich zeigen.

Til Huber

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