Anschläge lösen weltweit Bestürzung aus

Obama: "Angriff auf die ganze Menschheit"

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Barack Obama äußerte sich bestürzt.

Paris - Die verheerenden Anschläge in Paris mit mindestens 120 Toten und mehr als 200 Verletzten haben weltweit Bestürzung und Trauer ausgelöst.

Zum Ticker zu den Terroranschlägen von Paris

Nach der beispiellosen Anschlagserie von Paris mit mehr als 120 Toten richten sich Staats- und Regierungschefs in aller Welt auf einen massiven und langwierigen Kampf gegen den Terror ein. Frankreichs Präsident François Hollande und US-Präsident Barack Obama versicherten einander ihre Zusammenarbeit, um die „Geißel des Terrorismus“ zu besiegen. Hollande sprach in einer Fernsehsprache an die Nation von einem „erbarmungslosen“ Kampf. Kanzlerin Angela Merkel sagte dem Nachbarn „jedwede Unterstützung“ zu.

Merkel will bei einem Krisentreffen über Konsequenzen beraten. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ist die Sitzung für 13.00 Uhr im Kanzleramt angesetzt. Daran sollen unter anderem Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Innenminister Thomas de Maizière (CDU), der Chef des Bundeskanzleramtes, Peter Altmaier (CDU), und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) teilnehmen.

Bei mehreren nahezu gleichzeitigen Terrorattacken von mindestens acht Tätern waren am Freitagabend in Paris nach jüngsten Angaben 128 Menschen getötet worden. Rund 250 wurden verletzt, viele davon schwer, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Justizquellen berichtete. Die Attentäter schossen an verschiedenen Orten der französischen Hauptstadt wild um sich und zündeten mehrere Bomben. Allein in der Konzerthalle „Bataclan“ richteten sie ein Massaker mit mindestens 80 Toten an. Vier Tote gab es in der Nähe des Stadions Stade de France, wo gerade das Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Frankreich stattfand. Die Anschläge ereigneten sich nur zehn Monate nach dem Attentat auf die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in Paris.

Hollande rief den Ausnahmezustand aus. Die Grenzkontrollen wurden verstärkt - auch mit Blick auf den Weltklimagipfel, zu dem Paris Ende des Monats Spitzenpolitiker aus aller Welt erwartet. Der französische Präsident empfing am Samstagvormittag die Mitglieder seines Sicherheitskabinetts zu einer Sitzung im Élyseepalast.

Von den Regierenden in Washington, Berlin, Moskau und London kamen in der Nacht zum Samstag ebenso Beileids- und Solidaritätsbekundungen wie von der EU, der Nato oder der UNO.

US-Präsident Barack Obama war einer der ersten, der sich nach der Angriffsserie vom Freitagabend äußerte: "Das ist nicht nur ein Angriff auf die Menschen in Frankreich. Sondern dies ist ein Angriff auf die ganze Menschheit und unsere universellen Werte", sagte er in Washington. Zugleich bot er die Hilfe der USA an, um "die Terroristen vor Gericht zu bringen".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich "tief erschüttert". Ihre Gedanken seien "bei den Opfern der offensichtlich terroristischen Angriffe", erklärte sie in Berlin. Auch Bundespräsident Joachim Gauck erklärte, er sei "tief erschüttert".

Merkel sagte am Samstagmorgen in Berlin in Richtung der Opfer und ihrer Angehörigen: „Wir, die deutschen Freunde, wir fühlen uns Ihnen so nah.“ Dieser Angriff auf die Freiheit „meint uns alle“. Daher müssten nun auch alle gemeinsam den Kampf gegen den Terror führen. „Wir wissen, dass unser freies Leben stärker ist als jeder Terror.“ Sie stehe im engen Kontakt mit der Regierung in Paris, so Merkel. Das Auswärtige Amt hatte am Morgen noch keine Gewissheit, ob unter den Opfern der Terroranschläge von Paris auch deutsche Opfer sind.

Merkel hat dem französischen Staatspräsidenten François Hollande in einem Telefonat die Anteilnahme der Bundesregierung und des deutschen Volkes übermittelt. „Deutschland trauert mit den Opfern und wünscht den vielen Verletzten baldige Genesung“, sagte Merkel nach einer Mitteilung von Regierungssprecher Steffen Seibert am Samstag. Die Kanzlerin verurteilte demnach in dem Gespräch am Vormittag die „barbarischen terroristischen Anschläge“ und betonte, dass Deutschland fest an der Seite Frankreichs stehe und Paris bei der Bekämpfung des Terrorismus jede gewünschte Unterstützung zukommen lassen werde.

Gauck: Trauern mit Frankreich - Appell an Verteidigungsbereitschaft

Bundespräsident Joachim Gauck hat Frankreich nach den Attentaten von Paris seine tiefe Anteilnahme ausgesprochen und zugleich an die Verteidigungsbereitschaft der Demokratien appelliert. „Europa hat eine Nacht des Schreckens erlebt“, sagte das deutsche Staatsoberhaupt am Samstag in Berlin. Frankreichs Herz sei das Ziel von Menschenfeinden geworden. „Diese Trauer macht am Rhein nicht halt, sie hat uns alle erfasst“, sagte Gauck. „Selten habe ich so eine Nähe zu unseren französischen Nachbarn empfunden wie in dieser Nacht.“

Unzählige Deutsche seien in tiefem Schmerz mit den Menschen in Frankreich verbunden. „Wir Deutsche trauern mit den Familien der Getöteten, wir trauern mit Frankreich.“ Aber auch bei der Entschlossenheit und Verteidigungsbereitschaft im Kampf gegen den Terrorismus „stehen wir an der Seite Frankreichs“, sagte der Bundespräsident und betonte: „Aber die Terroristen werden nicht das letzte Wort haben, diese Nacht wird nicht das letzte Wort haben.“

Kauder: „Anschläge treffen auch uns Deutsche ins Herz“

Die Terroranschläge von Paris sind nach Einschätzung von Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) ein Angriff auf die demokratischen Werte weltweit. „Diese Anschläge treffen auch uns Deutsche ins Herz“, erklärte Kauder am Samstag in Berlin. „Ganz Europa, ja die ganze Welt muss zusammenstehen, um den islamistischen Terror zu besiegen. Es bedarf noch stärkerer Anstrengungen, eine noch breitere und entschiedenere Allianz aller Staaten zu bilden, die für die Werte der Freiheit und Demokratie eintreten“, so Kauder. „Die Freiheit muss stärker sein als der Terror.“

Steinmeier: "Inferno des Terrors" hat Paris erschüttert

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der im Fußballstadion Stade de France in Paris - vor dem einer der Anschläge verübt wurde - das Spiel Frankreich-Deutschland verfolgt hatte, war ebenfalls "entsetzt und erschüttert". "Wir stehen an der Seite Frankreichs", erklärte er im Onlinedienst Twitter. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bot der französischen Regierung "Hilfe durch deutsche Spezialkräfte" an.

Steinmeier (SPD) hat die Anschläge in Paris als "Inferno des Terrors" bezeichnet und Frankreich die Solidarität und Anteilnahme Deutschlands zugesichert. "In dieser Stunde des Leidens und der Verzweiflung in Frankreich stehen wir fest an der Seite unserer französischen Freunde", sagte Steinmeier nach Angaben des Auswärtigen Amtes am Samstagmorgen am Rande der Syrien-Gespräche in Wien.

Die "Dimension des Grauens" der Anschläge übersteige die Vorstellungskraft eines Jeden, sagte Steinmeier. "Was als Fußballfest, als Freundschaftsspiel der Nationalmannschaften von Deutschland und Frankreich begann, endete als Inferno des Terrors gestern Abend." Er werde in Wien mit seinem französischen Kollegen Laurent Fabius zusammenkommen und "ihm die Anteilnahme des deutschen Volkes und der Bundesregierung versichern".

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die "verachtenswerten Terroranschläge" und versicherte, an der Seite der französischen Regierung und des französischen Volkes zu stehen. Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der "tief geschockt" war, brachte auf Twitter seine "volle Solidarität mit dem Volk Frankreichs" zum Ausdruck. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, "der Terrorismus wir nie die Demokratie besiegen".

Aus vielen Hauptstädten kamen ähnliche Solidaritätsbekundungen, darunter vom britischen Premierminister David Cameron, vom italienischen Regierungschef Matteo Renzi und vom spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy.

Russlands Präsident Wladimir Putin drückte den Franzosen sein Beileid aus und sicherte ihnen die Solidarität Russlands zu, wie die Nachrichtenagentur Tass meldete. Ein Kreml-Sprecher verurteilte die "unmenschlichen Morde" und bot russische Hilfe bei den Ermittlungen an. Auch das chinesische Außenministerium verurteilte die "Terroranschläge" "energisch", wie chinesische Staatsmedien meldeten.

Den gemeinsamen, internationalen Kampf gegen den Terrorismus beschworen der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. In einer vom Fernsehen übertragenen Erklärung forderte Erdogan einen "Konsens der internationalen Gemeinschaft gegen den Terrorismus".

Arabische Regierungen verurteilen Terror in Paris

Regierungen der arabischen Welt haben die Terroranschläge von Paris verurteilt. „Ägypten betont seine Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus, der keine Grenzen oder Religion kennt“, sagte der Präsident des bevölkerungsreichsten arabischen Landes Ägypten, Abdel Fattah al-Sisi, am Samstag. Das Außenministerium von Saudi-Arabien forderte, den Anti-Terror-Einsatz zu verdoppeln. Ein Regierungssprecher Jordaniens sagte, das Königreich stehe an der Seite der Franzosen „gegen diese blutigen und mutwilligen Akte der Aggression“. Auch der Emir von Kuwait, Scheich Sabah al-Ahmed al-Dschabir al-Sabah, sprach Frankreich in einem Telegramm sein Beileid aus. Alle vier Länder gelten als Verbündete des Westens im Kampf gegen den Terror.

G20-Gastgeber Erdogan verurteilt Terrorserie von Paris

Der türkische Staatspräsident und G20-Gastgeber Recep Tayyip Erdogan hat die Anschlagserie von Paris verurteilt. Erdogan sprach sich vor dem G20-Gipfel in Belek bei Antalya für einen internationalen Konsens im Kampf gegen Terrorismus aus, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Die Türkei hat das Terrorismus-Thema auf die Tagesordnung des G20-Gipfels wichtiger Industrie- und Schwellenländer gesetzt, der am Sonntag und Montag unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen stattfindet. 12 000 Sicherheitskräfte sind zum Schutz der 13 000 Teilnehmer im Einsatz.

Erdogan sagte, die Türkei kenne Terrorismus und seine Auswirkungen aus eigener Erfahrung. „Wir teilen den Schmerz sowohl von Präsident (François) Hollande und des französischen Volkes.“ Erdogan forderte, Terrorismus müsse universell verurteilt werden. Die Logik „mein Terrorist ist gut, Deiner ist schlecht“ dürfe nicht mehr gelten. „Terrorismus hat keine Religion, keine Nation, keine Rasse, kein Vaterland.“ Hollande hat wegen der Anschlagsserie in Paris seine Teilnahme am G20-Gipfel abgesagt.

Bouffier: „Wir sind tief erschüttert über die vielen Opfer“

Nach den Terroranschlägen von Paris haben der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Innenminister Peter Beuth (CDU) ihre Anteilnahme ausgedrückt. „Wir sind tief erschüttert über die vielen Opfer, die durch diese schrecklichen Terroranschläge ums Leben gekommen oder verletzt worden sind“, erklärten die Politiker am Samstagmorgen. Ihr tief empfundenes Mitgefühl sei bei den Angehörigen der Opfer. „Wir stehen in diesen schweren Stunden unseren französischen Nachbarn bei, die erneut von einem so schweren Schlag getroffen wurden.“

Der Chef der Innenministerkonferenz (IMK) der Länder, Roger Lewentz (SPD), sieht die Sicherheitsbehörden in Deutschland nach den Terroranschlägen in Paris „hoch sensibilisiert“. „Wir wissen, dass Europa im Fokus auch islamistischer Terroristen steht und wir werden alles tun, um einen Anschlag bei uns zu verhindern“, erklärte der rheinland-pfälzische Innenminister am Samstag in Ludwigshafen.

Putin ruft zu gemeinsamem "Kampf gegen den Teufel" auf

Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach den Anschlägen von Paris die internationale Gemeinschaft zum gemeinsamen "Kampf gegen den Teufel" aufgerufen. "Diese Tragödie ist ein erneuter Beweis für die Barbarei des Terrorismus, der eine Herausforderung für die menschliche Zivilisation ist", hieß es in einem am Samstag vom Kreml veröffentlichten Beileidstelegramm Putins an den französischen Präsidenten François Hollande. "Die internationale Gemeinschaft muss sich zu einem effektiven Kampf gegen den Teufel vereinen." Putin bot Frankreich Unterstützung bei den Ermittlungen an.

Chinas Präsident verurteilt „barbarische Terrorakte“ in Paris

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat die blutigen Anschläge in Paris als „barbarische Terrorakte“ scharf verurteilt. Der Präsident, der am Samstag von Peking zum G20-Gipfel im türkischen Küstenort Belek nahe Antalya abflog, sprach den Opfern und ihren Angehörigen sein tiefes Beileid aus. Xi Jinping sagte nach Angaben der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag, China wolle eng mit der internationalen Gemeinschaft im Kampf gegen Terrorismus zusammenarbeiten.

Kirchen: „Anschlag auf alle Menschen in Europa“

Die Kirchen in Deutschland werten die verheerende Terrorserie in Frankreich als „Anschlag auf alle Menschen in Europa“. „Wir sind tief erschüttert über die hasserfüllte Welle der Gewalt in Paris. In diesen Stunden gilt unsere Anteilnahme den Opfern und Angehörigen“, erklärten der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, am Samstag.

„Als Christen und über Religionen und Weltanschauungen hinweg werden wir trotz des Terrors zusammenstehen.“ Und weiter: „Wo die Worte über die unfassbaren Taten versagen, ist für uns Christen Zeit zu beten. Wir beten für die Opfer.“

Papst bestürzt über Anschläge von Paris: „Angriff auf den Frieden“

Papst Franziskus hat bestürzt und tief betroffen auf die Terroranschläge von Paris reagiert. „Wir sind erschüttert von dieser neuen Demonstration irrsinniger terroristischer Gewalt und des Hasses, die wir gemeinsam mit dem Papst auf die radikal möglichste Art und Weise verurteilen“, sagte Papst-Sprecher Federico Lombardi am Samstagmorgen laut Radio Vatikan. „Wir beten für die Opfer und für das gesamte französische Volk“, ergänzte er. „Es handelt sich um einen Angriff auf den Frieden der gesamten Menschheit, der eine entschlossene uns solidarische Reaktion von uns allen verlangt.“

Terror in Paris: News-Ticker und die wichtigsten Fakten

Das Wichtigste im Überblick: Wir haben bereits einen Artikel mit den wichtigsten Fakten zum Terror in Paris. Die aktuellen Enwicklungen finden Sie im News-Ticker zum Terror in Paris.

AFP/dpa

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