Zehn Waggons umgestürzt

Zugunglück bei Philadelphia: Sieben Tote

Philadelphia - Weil ein Regionalzug entgleiste, kam es in der Nähe der US-Großstadt Philadelphia zu einem Zugunglück. Sieben Menschen kamen dabei ums Leben.

Update vom 9. Februar 2016: Im Kreis Rosenheim ist es am Dienstmorgen zu einem schweren Zugunglück bei Bad Aibling gekommen: Mehrere Menschen starben, hunderte wurden verletzt, als zwei Züge des Meridian frontal aufeinander geprallt sind.

Video von dem Zugunglück nahe Philadelphia

Update vom 14. Mai 2015: Zwei Tage nach dem schweren Zugunglück in der US-Ostküstenmetropole Philadelphia haben Retter eine achte Leiche aus dem Wrack geborgen. Das sagte Bürgermeister Michael Nutter am Donnerstag.

Ein schweres nächtliches Zugunglück an der US-Ostküste hat sieben Menschen das Leben gekostet. Bis zu zehn Waggons und die Lokomotive des Zugs der Amtrak-Gesellschaft entgleisten in der Nacht zum Mittwoch nahe der Stadt Philadelphia auf der Strecke zwischen Washington und New York. Der Zug der Amtrak-Gesellschaft war am späten Dienstagabend auf dem Weg von Washington nach New York aus noch ungeklärter Ursache entgleist. Die Lokomotive und mehrere Waggons sprangen von den Schienen.

Philadelphias Bürgermeister Michael Nutter sprach von einer "katastrophalen" Lage am Unglücksort. "Ich habe in meinem Leben noch nie so etwas gesehen, und die meisten Einsatzkräfte werden das Gleiche sagen", fügte Nutter hinzu. Alle sieben Waggons des Amtrak-Zuges, auch das Triebfahrzeug, waren aus den Schienen gesprungen und teilweise umgestürzt. Ein Waggon war L-förmig verbogen. Auch die Schienen waren an der Unglücksstelle vollständig zerstört.

Rettungskräfte suchten im Dunkeln zunächst mit Taschenlampen nach Verletzten. Mit Leitern versuchten sie, zu den Überlebenden in den umgestürzten Waggons vorzudringen. Am Unglücksort standen zahlreiche Feuerwehrfahrzeuge und Krankenwagen, 120 Feuerwehrleute und 200 Polizisten waren im Einsatz. Philadelphias Feuerwehr-Chef Derrick Sawyer sagte, er habe noch nie etwas so "verheerendes" gesehen. Die Waggons seien "komplett entgleist, komplett zerstört und komplett umgestürzt".

Unglücksursache noch völlig unklar 

Das US-Fernsehen zeigte Bilder von Rettungsmannschaften, die Menschen aus entgleisten Waggons und Trümmern zogen. Rettungskräfte und Passagiere kümmerten sich um die Verletzten. Helfer in orangefarbenen Sicherheitswesten suchten die Waggons mit Taschenlampen nach Opfern ab.

Der frühere US-Abgeordnete Patrick Murphy, der im Zugrestaurant gesessen hatte, schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: "Ich bin ok. Helfe anderen. Betet für die Verletzten." Dem Sender WPVI sagte Murphy: „Ich hörte einen Knall oder so etwas in der Art.“ Dann sei der Zug hin und her getaumelt und entgleist: „Es gab viel Chaos... viel Blut, es floss viel Blut.“ Murphy berichtete, zum Zeitpunkt des Unglücks sei der Zug mit etwa 60 bis 70 Meilen in der Stunde (97 bis 113 Stundenkilometer) unterwegs gewesen. Der Journalist Paul Chang sagte, der vordere Teil des Zuges sei am stärksten betroffen gewesen: „Es sieht ziemlich schlimm aus“. Einige Menschen seien zerquescht worden, sagte er der Zeitung „USA Today“.

Die Nationale Behörde für Verkehrssicherheit (NTSB) schickte ein Ermittlerteam an den Unglücksort. Nutter sagte, dass die Black Box in der Nacht gefunden worden sei. Auch der Zugführer, der verletzt wurde, sei bereits befragt worden. Über die Unglücksursache wollte der Bürgermeister nicht spekulieren. "Die Ermittlungen dauern an", sagte er. Experten halten einen Rad- oder Schienenschaden für möglich. Augenzeugen berichteten, vor dem Unglück habe der vordere Zugteil bei der Einfahrt in eine Kurve gewackelt.

Im Amtrak-Zug 188 befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks am Dienstagabend gegen 21.30 Uhr (Ortszeit, Mittwoch 03.30 Uhr MESZ) schätzungsweise 243 Menschen, 238 Passagiere und 5 Bahnmitarbeiter. Die meisten konnten sich selbst aus dem Wrack befreien, indem sie aus den Zugfenstern kletterten, wie der Sender CNN berichtete. Andere mussten von Rettungskräften mit schwerem Gerät herausgeschnitten werden. Verbogene Teile der Metall-Außenhaut der Waggons türmten sich über dem Gleisbett auf, ein Waggon stand quer zu dem restlichen Zug.

Obama äußert "tiefe Trauer"

Am Mittwochmorgen wurden die Rettungs- und Bergungsarbeiten mit schwerem Gerät fortgesetzt. Bürgermeister Nutter bestätigte sechs Todesopfer. Außerdem würden noch immer Menschen vermisst. Die Leiterin des Katastrophenschutzes von Philadelphia, Samantha Phillips, sagte bei einer Pressekonferenz, dass über Nacht mehr als 200 Passagiere in Krankenhäusern der Stadt behandelt worden seien. Acht Menschen erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Die Behörden bemühten sich, die Listen der Krankenhäuser mit den Vermisstenmeldungen abzugleichen.

Die Bahngesellschaft Amtrak teilte mit, dass der Bahnverkehr auf der vielbefahrenen Strecke zwischen Philadelphia und New York wegen des Unglücks eingestellt worden sei. US-Präsident Barack Obama erklärte, er und seine Frau Michelle seien "schockiert und zutiefst betrübt" über das Zugunglück. Viele Menschen im Nordosten der USA würden Amtrak zur Fortbewegung nutzen. "Das ist eine Tragödie, die uns alle berührt."

Nach Angaben des US-Senders CNN starben im Jahr 1943 bei einem Bahnunglück an der gleichen Stelle 79 Menschen.

Bilder vom Unglücksort

Schweres Zugunglück nahe Philadelphia

dpa

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