Oft zu hohe Ansprüche

Familienstudie: Was macht "gute" Eltern aus?

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Viele junge Eltern denken, sie machen etwas falsch. Foto: Jan Woitas/Archiv- und Symbolbild

Berlin - Immer hinter seinem Kind stehen, es in der Schule unterstützen und in seinen Hobbys fördern: Die Liste, was "gute Eltern" ausmacht, ist bei Müttern und Vätern heute ellenlang - vielleicht auch zu lang?

Die Gründe dafür lägen dabei weniger im Spagat zwischen Job und Familie, sondern vor allem an den hohen Ansprüchen der Eltern an sich selbst, teilte die Zeitschrift in Berlin mit. Viele Mütter und Väter wollten in allem perfekt sein: im Job, als Eltern und als Partner.

Für die Umfrage wurden im September und Oktober rund 1000 Eltern mit Kindern bis 12 Jahre von dem Meinungsforschungsinstitut forsa interviewt - und ergänzend dazu über 700 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren vom Kinder-Marktforschungsinstitut iconkids&youth.

Auf die Frage "Wenn Sie die Erwartungen und Anforderungen an Eltern von heute mit denen vor 30 Jahren vergleichen - was, meinen Sie, hat sich verändert?" antworteten rund 60 Prozent der Mütter und Väter, dass die Erwartungen heute höher seien. 30 Prozent halten sie nicht für höher, sehen heute aber andere Anforderungen.

Zerrissenheit zwischen Kind und Job gilt bisher vor allem bei Müttern als Stressfaktor Nummer eins. Nach der Umfrage machen sich Eltern - Mütter wie Väter - den meisten Stress aber selbst. Rund die Hälfte der befragten Männer (56 Prozent) und drei Viertel der Frauen (73 Prozent) sprechen von sehr hohen Ansprüchen und Anforderungen an sich selbst. Das kann zum Beispiel von der Auswahl des Kinderwagens bis zur Entscheidung für eine Schule reichen.

Viele glauben schließlich, als Eltern nicht zu genügen. So sagen drei Viertel der befragten Frauen, dass sie mit sich als Mutter häufig oder gelegentlich unzufrieden sind. Bei den Männern glauben zwei Drittel, dass sie ihrer Vaterrolle nicht gut genug gerecht werden. Die befragten Kinder sehen das allerdings völlig anders: Rund 90 Prozent halten ihre Eltern für die besten der Welt.

Isabelle Haesler, Sprecherin der Zeitschrift, sieht den gefühlten Stress der Eltern auch als Folge einer Qual der Wahl. Schon in Buchhandlungen füllten Erziehungsratgeber inzwischen Regalwände. "Es gibt heute so viele Optionen und ein Übermaß an Informationen", ergänzt Haesler. Vielleicht sei bei Eltern damit auch die Angst verbunden, eine falsche Entscheidung zu treffen - statt einfach wie früher auf das gesunde Bauchgefühl zu hören.

Mehr als 60 Prozent der Eltern sprechen in der Umfrage neben Eile, Hetze und Zeitdruck im Alltag vom "Druck durch die hohen Leistungsanforderungen unserer Gesellschaft". Wie eine Nebenwirkung der Pisa-Studien kann dann schon die Suche nach einer Kita zur großen Hürde werden, vor allem in der Großstadt. Geschaut wird oft nicht mehr nach der Nähe zur Wohnung, sondern nach dem Bildungsangebot - Chinesisch oder Englisch?

Die Liste, was "gute Eltern" ausmacht, ist bei Müttern und Vätern heute ellenlang. Rund die Hälfte zählt auf, dass sie immer hinter ihrem Kind stehen wollen. Sohn oder Tochter sollten das Gefühl haben, das Wichtigste auf der Welt zu sein. Eltern verstehen es inzwischen sogar als ihre Aufgabe, für soziale Kontakte ihres Nachwuchses zu Gleichaltrigen zu sorgen.

Das gefühlte Ungleichgewicht bei der Verteilung der Elternarbeit bleibt bestehen: So glauben zwei Drittel der Väter, dass beide Elternteile gleichermaßen erziehen. Bei den Frauen glaubt das nur ein Drittel - und sieht den Hauptanteil weiter bei den Müttern.

Der Job scheint dagegen nicht das Problem Nummer eins zu sein. Drei Viertel der befragten Eltern sagen, dass sie zufrieden mit ihrer Arbeitszeit sind. Von der Familienpolitik wünscht sich allerdings fast die Hälfte (44 Prozent) zusätzliche finanzielle Unterstützung - wie mehr Kindergeld oder kostenlose Kita-Jahre.

Die Sicht der Kinder bleibt vom Eltern-Stress nicht unberührt. Ein Drittel des Nachwuchses (36 Prozent) findet, dass die Eltern gestresst sind, "weil sie immer alles perfekt machen wollen". Immerhin scheinen sich die Eltern ihrer Lage bewusst zu sein: Wenn sie einen Wunsch frei hätten, wünschen sich rund 40 Prozent mehr Geld. Auf Platz zwei (38 Prozent) folgt dann aber schon der Wunsch nach mehr Lockerheit und Gelassenheit.

dpa

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