WHO befürchtet größere Katastrophe

Ebola-Ausbruch schlimmer als gedacht

Genf/Monrovia - Mehr als 1000 Menschen sind in Westafrika bislang offiziell an Ebola gestorben. Nun befürchtet die WHO eine noch größere Katastrophe.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) befürchtet, dass die Ebola-Epidemie in Westafrika schwerwiegender als angenommen ist. Mitarbeiter hätten in den betroffenen Gebieten Hinweise dafür gefunden, dass das wahre Ausmaß des Ausbruchs deutlich über den bislang bekannten Zahlen zu Krankheitsfällen und Opfern liege, teilte die WHO am Donnerstag mit. Bei der Organisation sind bislang 1975 Fälle in den vier von Ebola betroffenen Ländern Guinea, Liberia, Sierra Leone und Nigeria erfasst, 1069 Menschen starben an den Folgen des Virus.

Nigeria meldet viertes Ebola-Todesopfer

In Nigeria ist ein weiterer Patient an Ebola gestorben. Damit sei die Zahl der Ebola-Toten in dem Land auf vier gestiegen, teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstag mit. Demnach sind derzeit sechs weitere Menschen im bevölkerungsreichsten Land Afrikas an Ebola erkrankt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommt nach eigener Zählung auf zwei weitere mögliche Ebola-Patienten.

Sorge bereitet den nigerianischen Behörden der Fall einer infizierten Krankenschwester, die trotz eines Reiseverbots aus Lagos in die ostnigerianische Stadt Enugu gefahren und dort erkrankt war. Inzwischen wird sie wieder in Lagos behandelt, doch ist die Angst groß, sie könnte den Erreger nach Enugu eingeschleppt haben. Sechs Menschen, die dort mit ihr Kontakt hatten, stehen laut dem Gesundheitsminister noch unter Beobachtung. Bislang trat der Erreger nur in der Millionenstadt Lagos auf.

Alle bestätigten und Verdachtsfälle in Nigeria wiederum gehen auf einen infizierten Berater der liberianischen Regierung zurück, der im Juli in die Millionenmetropole Lagos gereist und dort am Flughafen zusammengebrochen war.

Derzeit stünden in Nigeria 169 Menschen wegen Ebola-Verdachts unter Beobachtung, 163 in Lagos und 6 in Enugu, hieß es weiter.

Weiterer Arzt in Nigeria mit Ebola infiziert

In Nigeria hat sich derweil ein weiterer Arzt mit Ebola angesteckt. Damit erhöhe sich die Zahl der Infizierten im Land auf elf, sagte Gesundheitsminister Onyebuchi Chukwu am Freitag. Drei davon seien gestorben. Von den acht Infizierten in Quarantäne sei mehr als die Hälfte auf dem Weg der Besserung. Zur Behandlung der Patienten werde der Einsatz eines experimentellen Ebola-Mittels mit dem Namen „NanoSilver“ erwogen. Das Präparat sei von einem nigerianischen Wissenschaftler entwickelt worden.

USA: Botschaftsmitarbeiter sollen Sierra Leone verlassen

Die USA forderten Angehörige von Mitarbeitern der US-Botschaft in Sierra Leone auf, wegen der Ebola-Seuche das Land zu verlassen. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, da es seit dem Ausbruch an medizinischer Versorgung mangele, teilte das US-Außenministerium am Donnerstag mit. US-Präsident Barack Obama telefonierte an dem Tag mit dem Präsidenten Sierra Leones, Ernest Bai Koroma, und mit der liberianischen Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf. In beiden Gesprächen habe er die Unterstützung der USA zugesagt.

Das Auswärtige Amt in Berlin hatte am Mittwoch alle deutschen Staatsbürger zur Ausreise aus den westafrikanischen Ländern Guinea, Sierra Leone und Liberia aufgefordert. Das gelte ausdrücklich nicht für medizinisches Personal, das dringend zur Bekämpfung des Ausbruchs benötigt werde, betonte ein Sprecher. Auch die deutschen Vertretungen blieben geöffnet.

Auch Guinea ruft Gesundheitsnotstand aus

Derweil rief Guinea als letztes der vier von Ebola betroffenen Länder den Gesundheitsnotstand aus. Damit waren laut Präsident Alpha Conde zahlreiche Maßnahmen verbunden, darunter striktere Kontrollen an den Grenzen und die sofortige Isolierung von Menschen, die Symptome aufweisen.

In Liberia droht wegen der Epidemie inzwischen eine Lebensmittelknappheit. Auch andere lebenswichtige Güter können das Land kaum noch erreichen, nachdem das Nachbarland Elfenbeinküste den Schiffsverkehr aus den betroffenen Ländern durch seine Gewässer verboten hat.

Auch der Luftverkehr aus und nach Liberia nimmt immer weiter ab. Die Gesellschaften Air France, British Airways, ASky und Arik haben ihre Flüge nach Monrovia bereits eingestellt. Die amerikanische Delta kündigte an, der letzte Flug der Gesellschaft starte am 27. August.

Von Ebola war erstmals im März aus Guinea berichtet worden, erste Erkrankungen gab es in der Region aber wohl schon im Dezember. Das Virus hatte sich schnell nach Liberia und Sierra Leone ausgebreitet. Es handelt sich um die erste Ebola-Epidemie in Westafrika und den schlimmsten Ausbruch der Krankheit, der bisher registriert wurde.

dpa

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